Bamberg
Gesprächsrunde

Erst das Brot und dann die Kunst

Nachfahren bekannter Bamberger Künstler plauderten in der Stadtgalerie Villa Dessauer über Kindheitserlebnisse.
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Am runden Tisch in der Villa Dessauer trafen sich (von links): Gudrun Besslein-Bauer, Cleff III., Barbara Neumann-Bail, Luitpold Greiner und Alexander Pöppel. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Am runden Tisch in der Villa Dessauer trafen sich (von links): Gudrun Besslein-Bauer, Cleff III., Barbara Neumann-Bail, Luitpold Greiner und Alexander Pöppel. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Die älteren Bamberger werden noch wissen, wie es in den 1950er, -60er Jahren im Städtchen zuging. Vielleicht eng und provinziell? Und streng katholisch? Hausbacken? Ohne rechten Platz für freisinnige und frei schaffende Künstler?

"Man musste sich in dieser Zeit in Bamberg anpassen!" "Eine künstlerische Entfaltung war kaum möglich!" "Eine Kunstszene in diesem Sinne gab es damals in Bamberg nicht!", prasselten Negativaussagen auf die vielen Zuhörer in der Stadtgalerie Villa Dessauer nieder. Diese Sentenzen kamen aus berufenen Mündern: von längst ergrauten Kindern, deren Eltern sich zumindest posthum als Künstler einen Namen in Bamberg und darüber hinaus gemacht haben.

"Nachfahrengespräch" titelte dieses Treffen an dem lauen Sandkerwa-Abend, das Tanja Metzner, wissenschaftliche Volontärin an den städtischen Museen, moderierte.
Sie hatte auch die Ausstellung "Urgestein" in der Villa Dessauer kuratiert, die nun zu Ende ging. 24 Künstler und Künstlerinnen, die nach 1900 in Bamberg gewohnt und gearbeitet haben, waren mit ihren facettenreichen Werken vertreten.


Wiedersehen mit Bekannten

"Für die Bamberger Bevölkerung gab es ein Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden, eben dem Bamberger Urgestein", resümierte Kuratorin Metzner. So war es für die kunstbeflissenen Einheimischen auch eine willkommene Gelegenheit, mit Hilfe der Künstlerkinder sozusagen hinter die Staffeleien schauen zu können.
Am runden Tisch saßen Alexander Pöppel (Sohn von Max Pöppel, 1918-1968), Luitpold Greiner (Sohn von Anton Greiner, 1914-2007), Barbara Neumann-Bail (Tochter von Hanns Bail, 1921-1995 und Sela Bail, 1921-2001), Michael Cleff (Sohn von Erich Cleff der Jüngere, 1904-1983) und Gudrun Besslein-Bauer (Tochter von Ina Bauer-Haderlein, 1922-2006, und Robert Bauer-Haderlein, 1914-1996).

Die fünf Männer und Frauen äußerten sich offen und ohne Beschönigung eines durchaus harten Daseins in der Nachkriegszeit: "Es war eine schwierige Auftragslage, erst kam das Brot und dann die Kunst." Oder: "Vom Bilderverkauf konnte keiner leben." Oder: "Es gab ein existentielles Nichts." Bevor die künstlerische Ader ungehindert fließen konnte, musste durch andere Arbeit etwa als Restaurator oder Verputzer das Einkommen der Familie gesichert werden. Erst allmählich kamen lukrative Aufträge aus dem öffentlichen Raum oder aus der Kirche.

War es für die eine Künstlertochter "stinklangweilig", wenn sie als Kind zu Ausstellungseröffnungen "mit immer den gleichen Reden" mitgeschleift wurde, konnte ein Künstlersohn erst Achtung vor seinem malenden Vater gewinnen, als dieser "frei Hand Donald Duck und Micky Mouse nachzeichnete". Auf völligen Abstand zur Kunst des Erzeugers ging ein anderer im Teenageralter. Und doch "bleibt man immer Sohn oder Tochter", lautete ein weiteres Bekenntnis.


Viele Klischees

Zwei der Kinder sind sogar vollends in die Fußstapfen der Vorfahren gestiegen: Michael Cleff - gerade in Bamberg bekannt als Cleff III. - reüssiert ebenfalls als Porträtmaler erster Güte. Gudrun Besslein-Bauer ist als Zeichnerin, Grafikerin, Bildhauerin etabliert und unterhält ihr Atelier an der Nonnenbrücke. Beide sprachen davon, dass sie "schon im Milieu aufgewachsen sind", von den "Großeltern und Eltern gefördert wurden".

Viele Klischees seien jedoch mit einem Künstlerhaushalt verbunden. Dabei beeinflussen wohl mehr die Zeitläufe künstlerische Umsetzungen von Themen als Boheme. "Nach dem Krieg hatte zum Beispiel das Abstrakte einen großen Nachholbedarf."
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