Bamberg
Tourismus

Erreicht die Gastfreundschaft in Bamberg ihre Grenzen?

Ein Vortrag über Tourismus in Welterbestädten und -stätten rief in Bamberg eine lebhafte Diskussion über die ständig wachsende Zahl der Besucher hervor. In einigen Wortmeldungen wurde mehr Rücksicht seitens der Gäste angemahnt, einige Kritiker machten ihrem Unmut sehr emotional Luft.
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Am sonnigen Samstag war Bamberg einmal mehr ein sehr gut besuchtes Ziel von Urlaubern und Tagesgästen. Foto:RiegerPress
Am sonnigen Samstag war Bamberg einmal mehr ein sehr gut besuchtes Ziel von Urlaubern und Tagesgästen. Foto:RiegerPress
Ein Hausbesitzer am Pfahlplätzchen möchte lediglich zu einem Termin in Richtung Innenstadt. Da sich aber fünf Gästeführer mit Gruppen um seinen Ein- beziehungsweise Ausgang positioniert haben, muss er sich seinen Weg erst "freikämpfen". Eine Ausnahmesituation oder Alltag im Weltkulturerbe Bamberg?

Fakt ist: Immer mehr Bewohner der Stadt empfinden gerade in den Sommermonaten die Touristenmassen zunehmend als Last.

Das zeigte sich auch im Anschluss an einem Vortrag, den Kerstin Manz, die am Welterbe-Centrum der Unesco in Paris arbeitet, beim Bamberger Tourismus-Service' hielt. Ihr Thema hieß: "Was wollen denn all die Leute hier? Welterbe und Tourismus unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit".

Kaum hatte Manz ihren Vortrag beendet, ließen viele Bamberger "Dampf ab". Und klagten zum Teil sehr emotional über zunehmende Touristenströme, die täglich durch die Stadt hetzen.

Er sehe das Problem
darin, dass in 120 Minuten Kolonnen von Menschen durch die Stadt gescheucht werden: "Dadurch verschlechtert sich die Atmosphäre in der Innenstadt", stellte ein Mann fest. Zwar freue er sich prinzipiell über die Touristen, aber er habe Angst, dass sich Bamberg verändert, dass die Stadt über kurz oder lang nicht mehr so sein wird, wie sie noch ist.


"Brauchen Qualitätstourismus"

Gisela Schlenker forderte in sehr deutlichen Worten einen "Qualitätstourismus" ein. Kritik übte sie vor allem an den "Kreuzfahrern", die mit dem Besichtigungsprogramm oft körperlich überfordert seien. Die Frau aus dem Vorstand des Bürgervereins Bamberg-Mitte berichtete auch von einer Befragung, die zu Tage gebracht habe, dass lediglich 28 von 300 Schiffstouristen Geld in Bamberg lassen würden.

Schlenker schlug zudem vor, die Busse der Kreuzfahrt-Touristen am alten Hallenbad halten zu lassen. Dort sollten die Gäste mit Taxis weiter in die Innenstadt fahren. Das würde wenigstens die Wirtschaft ankurbeln und innerstädtische Straßenzüge entlasten.

Eine Stadtführerin sah die Reiseveranstalter in der Pflicht. "Nur um ihre Busse vollzubekommen" würden Menschen mitgenommen, die das Ausflugsprogramm rein körperlich nicht mehr schaffen.

Stadtheimatpfleger Ekkehard Arnetzl warnte davor, zu selektieren: "Dann lassen wir in Zukunft keine Touristen mehr in die Stadt, die über 70 Jahre alt sind, Sauerstoffflaschen bei sich führen und an Rollatoren gehen?!"

Entnervten Gästeführern gab der Stadtheimatpfleger den Rat, sie müssten doch nicht mit jeder Gruppe unbedingt hinauf zum Dom. Wer nicht gut zu Fuß ist, könne doch einen Stadtbummeln machen, während die anderen auf "Entdeckungsreise" gehen könnten.

Auch ein anderer Zuhörer, der in Bamberg wohnt, mahnte zur Umsicht. Seiner Meinung nach muss jeder potenzielle Gast ein Recht haben, die Stadt zu besichtigen, unabhängig von seinem Gesundheitszustand.


Verständnis der Gäste angemahnt

Die Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg-Nord, Christina Keidel, gab zu Bedenken, dass Bamberg kein Museum ist, das man sich schnell anschaue und wieder verlasse: "Auch Touristen müssen Verständnis haben, dass in Bamberg Menschen leben, die hier arbeiten und wohnen."

Tourismusdirektor Andreas Christel ermutigte die Besucher des Vortrags, sich mit positiven Anregungen wie mit ihrer Kritik an "seinen" Tourismus- und Kongress-Service zu wenden. Denn nur dann könne man den Tourismus für alle verträglich gestalten.


Einheimische einbeziehen

Die Referentin aus Paris, Kerstin Manz, hatte in ihrem Vortrag vorgeschlagen, Kompromisse für alle Beteiligten zu suchen, für Bewohner und Touristen. Vor allem aber müssten die Menschen, die in einer Welt erbestadt leben, in allen Fragen des Tourismus stets einbezogen werden.

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