Bamberg
Satire

Er redet wieder Klartext

In seiner dritten Fastenpredigt ging Bruder Michael alias Andreas Ulich unter anderem der Frage nach, wer denn der mächtigste Mann in der Stadt sei.
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Andreas Ulich in der Rolle als Fastenprediger Bruder Michael Foto: RiegerPress
Andreas Ulich in der Rolle als Fastenprediger Bruder Michael Foto: RiegerPress
Wer ist eigentlich die einflussreichste Person in Bamberg? Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD)? Mitnichten! Stadtmarketing-Chef Klaus Stieringer? Weit gefehlt! Laut Prediger "Bruder Michael", alias Andreas Ulich ist die wichtigste Person in der Stadt deren Kämmerer Bertram Felix. Schließlich sitze er in jedem Stiftungsrat und sei die eigentliche Ursache, warum die Kaiserkrone nicht von München nach Bamberg komme. "Denn in der bayerischen Hauptstadt hat man Angst, dass Bertram Felix sie sich einverleibt und aufsetzt", scherzte Ulich vor den rund 300 Besuchern im Ziegelbau bei seiner dritten Fastenpredigt.

Aber auch andere Bamberger Persönlichkeiten und Politiker bekamen ihr "Fett" weg. So stellte der Prediger Landrat Johann Kalb (CSU) als den Mann des Bieres dar.
Man müsse halt Prioritäten setzen und getreu dem Motto "Nur echt mit dem Krug in der Hand" sehe man ihn häufig beim Bieranstich, an der Seite der Bierkönigin oder beim Rühren der Werbetrommel für die bevorstehende Biermesse. "Wer interessiert sich da noch für Politik, zumal es bald noch einen Walk of Beer zu beschreiten gilt?", wetterte Bruder Michael.


OB Starke "unsinkbar"

Wenig Aussicht, Oberbürgermeister Starke bald im Amt abzulösen, prophezeite der Fastenprediger Klaus Stieringer. Der SPD-Fraktionsvorsitzende werde sich schon noch bis 2040 gedulden müssen, ehe er als OB nachrücken könne. Denn derzeit sei Starke doch einfach "unsinkbar".

Kein gutes Haar ließ der Fastenprediger auch an der Stadtpolitik. Der im Gespräch befindlichen Rolltreppe zum Michelsberg sagte er eine ebenso düstere Zukunft voraus wie den Pollern, die bis heute nicht funktionieren würden. "Das Gute bei einer kaputten Rolltreppe aber ist, dass man sie dennoch benutzen kann", unkte der Prediger. Zudem könne sich die Stadt über ein neues Ranking freuen: Bamberg landete im deutschlandweiten Vergleich der Verkehrsunfälle mit Menschenschäden auf dem sechsten Platz. Zwar liege man damit jetzt über 40 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt, aber sicherlich sei da noch mehr drin für Bamberg. Denn mit dem Fahrradreißverschlussverfahren in der Langen Straße schaffe es die Stadt sicherlich bis nächstes Jahr auf den ersten Platz der Statistik.

Insgesamt setzten der Fastenprediger und damit die Veranstalter von Agil Bamberg weniger darauf, einen billigen Abklatsch vom "Derblecken am Nockherberg" nachzuahmen - dass es hier noch viel Nachholbedarf in Bamberg gibt, erwies sich beim Anstoßen der Biere. Während es in München dabei mächtig schepperte, klirrten die Gläser in Bamberg eher leise. Vielmehr will man mit der Fastenpredigt an die traditionsreichen Predigten des Bußpredigers Johannes von Capestrano (1386-1456) anknüpfen, der selbst in Bamberg in flammenden Predigten die strenge Einhaltung der Ordensdisziplin und die Einhaltung des Armutsideals forderte.

Auch hatte Bruder Michael in seiner Rede viel Tiefgang und beschränkte sich nicht nur auf die Politiker-Schelte oder das Durch-den-Kakao-ziehen von Bamberger Persönlichkeiten, obwohl sich hiervon viele der Zuschauer etwas mehr gewünscht hätten. Vor allem die letzte Passage seiner Predigt, in der er die AfD und deren verkehrtes Denken, die Rüstungspolitik Deutschlands und die Flüchtlingspolitik in den Vordergrund stellte, hätte ebenso gut im Dom zur Sonntagspredigt vom Erzbischof gehalten werden können.

Der Gewinn der diesjährigen Bamberger Fastenpredigt fließt als Spende an die Bürgerspitalstiftung Bamberg zum Erhalt der Klosterlandschaft und der Kirche St. Michael.
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