Bamberg
Adventsaktion

Er findet die Wärmestube in Bamberg cool

Mehr als 22 000 Euro haben Leser seit 30. November für die Adventsaktion von "Franken helfen Franken" in Bamberg gespendet. Geld, das dem Treffpunkt "Menschen in Not" hilft, seinen Beitrag zum laufenden Betrieb aufzubringen. Im letzten Teil unserer Artikelserie über Stammgäste in der Wärmestube geht es um "Salvete" (46).
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Die Hände gehören einem Mann, der unter dem Pseudonym "Salvete" ein Internet-Tagebuch schreibt. Er tut es zur Zeit in der Bamberger Wärmestube, wo das Bild entstanden ist. Foto: Matthias Hoch
Die Hände gehören einem Mann, der unter dem Pseudonym "Salvete" ein Internet-Tagebuch schreibt. Er tut es zur Zeit in der Bamberger Wärmestube, wo das Bild entstanden ist. Foto: Matthias Hoch
So viel Glück im Unglück wie Rolf, der Akademiker im Ruhestand und trockene Alkoholiker, der einen Platz im Begleiteten Wohnen von "Menschen in Not" gefunden hat, hat "Salvete" nicht. Er verbringt seine Nächte zur Zeit in der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Theresienstraße.

Weil er sich dort nicht länger als unbedingt nötig aufhalten will, ist er täglicher Gast in der Wärmestube - auch zum Duschen und Waschen. Nicht nur die hygienischen Verhältnisse in der "Th 2" nennt der 46-Jährige "die Hölle". Seinen wahren Namen bittet er nicht zu schreiben. Er fürchtet wohl, die Stadt könnte ihn sonst auf die Straße setzen.

Da kommt er her; hielt sich draußen auf, so lange es die Temperaturen erlaubten. Jetzt hat er nach eigenen Worten keine Alternative zur Unterkunft, wenn er nicht erfrieren will.

Tagsüber ist die Wärmestube sein Zuhause. Dort treffen wir ihn, wie vor ihm schon Rolf und Andi, die ebenfalls zu den Stammgästen zählen. Die drei Männer haben ganz unterschiedliche Lebensläufe; aber das Schicksal hat sie zu Menschen gemacht, die dankbar dafür sind, dass es in Bamberg eine Wärmestube mit vielen praktischen Hilfsangeboten gibt.

Sie haben sich für eine Artikelserie als Gesprächspartner zur Verfügung gestellt, wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie wertvoll diese Einrichtung in Bamberg-Nord für arme Menschen ist.

Auch einen Computer gibt es
"Salvete" zum Beispiel hat in der Siechenstraße 11 auch das bisschen Hab und Gut untergestellt, mit dem er im Sommer nach Bamberg kam. Außerdem nützt er den Computer in einem Nebenraum der Wärmestube. Er hat nach eigenen Angaben damit begonnen, eine Homepage unter seinem Pseudonym zu erstellen, das aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie "seid gegrüßt" bedeutet.

Die Arbeit am PC mache er auch, um geistig fit zu bleiben und weil er gerne schreibt, sagt der sportlich wirkende Mann und trägt aus dem Stegreif ein Gedicht vor. Er berichtet von einer Ausbildung zum Heilpraktiker, die er zu Hause in Hessen bis auf die abschließende Approbation absolviert habe.

Das Dilemma für ihn begann nach seiner Schilderung, als er in der alten Heimat seine Wohnung kündigte, ohne eine neue zu haben. Er fand keine Bleibe, schlief eine Zeit lang in seinem Auto, wohnte dann bei der Mutter. In der Hoffnung, in Bamberg bei einem Freund wieder Fuß fassen zu können, verkaufte er den Wagen und machte sich zu Fuß auf den Weg nach Franken.

Für den 46-Jährigen, der sich einen begeisterten Halbmarathonläufer nennt, war die Strecke wohl das geringste Problem.

Am Ziel allerdings scheint nichts so gelaufen zu sein, wie er es sich vorgestellt hatte: Das Geld vom Autoverkauf ist aufgebraucht und er "eigentlich ziemlich enttäuscht von Bamberg". Trotzdem würde er hier gern Fuß fassen, spielt mit dem Gedanken, beim nächsten Weltkulturerbe-Lauf mit zu machen. Ans Aufgeben denke er jedenfalls nicht, wolle sich in jeder Hinsicht fit halten.

Wenn sich der Mann zu Weihnachten etwas wünschen dürfte, wäre es ein einfacher Raum mit Holzofen, in dem er den Winter über in Ruhe an seinem Internet-Tagebuch schreiben kann. So lange dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht, wird er es in der Siechenstraße 11 tun. Sein Urteil über die Wärmestube lautet: "Die Einrichtung ist cool."

Mehr als 22.000 Euro auf dem Spendenkonto

Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen und Internetangebote viele Menschen. Das will sie mithilfe eines Spendenvereins nutzen und macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfe auszeichnet. Mehr unter
franken-helfen-franken.de

Empfänger Für Spenden können sich gemeinnützige Einrichtungen auch direkt bei "Franken helfen Franken" bewerben. Seit der Gründung 2009 wurden schon über 90 000 Euro ausgegeben.

Verwendung Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe.

Menschen in Not Der Treffpunkt mit Wärmestube und integrierter Beratungsstelle ist ein Angebot an Obdachlose, Arme und Strafentlassene. Träger sind die Ehrenamtlichen-Initiative Mt. 25, Caritasverband für die Stadt und Diakonisches Werk Bamberg-Forchheim.

Zwischenstand Seit 30. November gingen schon 22 472 Euro (Stand: 20.Dezember) ein.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.: Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Konto 302 194 501, Stichwort "Wärmestube".


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