Breitengüßbach

Entlang der Bahn ist noch keine Ruhe eingekehrt

Nach und nach werden Lücken bei den Lärmschutzwänden geschlossen. Auf neue Schallschutzfenster müssen die Anwohner noch warten.
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Das Abräumen der Bauschutthalde (im Hintergrund) macht mehr Lärm als der ICE. Fotos: Hans Kurz
Das Abräumen der Bauschutthalde (im Hintergrund) macht mehr Lärm als der ICE. Fotos: Hans Kurz
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Es ist recht still geworden um die Bahnbaustelle. Aber ist es auch still geworden auf und an der Baustelle? Nicht ganz. Auf der großen Halde mit Abbruchmaterial, die an der B 4 am Ortsausgang von Breitengüßbach aufgeschüttet wurde, ist ein Bagger am Werk. Nach jeder Ladung, die er auf einen bereit stehenden Laster kippt, geht es im Rückwärtsgang zurück auf die Halde - was jedes Mal von lauten Warntönen begleitet ist.

Sicher, es ist nur vorübergehend - auch wenn das Abtragen der Bauschutthalde auf dieses Weise ein ziemliches Weilchen dauern könnte. Und es war auch schon deutlich lauter in den vergangenen zehn Monaten an der Bahnbaustelle. Aber: "Es nervt", merkt Lucias de Figueiredo- Huth fest, die Luftlinie rund 200 Meter entfernt wohnt - mit freiem Blick auf die Halde, da alle Bäume die früher dazwischen standen bereits im Januar der Bahn weichen mussten. Dagegen gleitet der ICE unten in der dazwischenliegenden Fahrrinne fast lautlos vorbei.


Warten auf Schallschutzfenster

Seit die Vollsperrung der Bahnlinie Anfang September aufgehoben wurde, kommen die Bautrupps nur noch sporadisch vor das Haus, berichten die Huths, die dem Fränkischen Tag für dieses Serie seit einem Jahr die Entwicklung und das Leben an der Bahnbaustelle schildern. Zuletzt wurde die äußere Schallschutzwand auf der Seite der Wohnhäuser an der Unteren Watt und Bergstraße gebaut - allerdings noch nicht auf voller Länge. Wie sich der Schallschutz bei den immer noch sehr lauten Güterzügen auswirkt, lässt sich momentan noch nicht sagen.

Auch die neuen Schallschutzfenster, auf die die direkten Anwohner der Bahntrasse Anspruch haben, sind noch nicht in Sicht. "Wir rufen immer wieder an und fragen nach - aber es tut sich nichts." Mit diesem Problem sind die Huths nicht allein. Offenbar ist die Nachfrage größer als die Angebote, die der Bahn vorgelegt werden.

Von einem schwerwiegenden Problem, das andere Anwohner der Baustelle zu beklagen haben, scheinen Michael und Lucia Huth verschont geblieben zu sein. Schäden an ihrem Haus, etwa durch die Vibrationen und Erschütterungen durch schweres Baugerät, haben sie bislang keine feststellen müssen. Sie kennen aber Nachbarn die solche geltend machen wollen. Immerhin wurden sämtliche Gebäude an der Bahnstrecke vor Beginn der Baumaßnahmen von Sachverständigen begutachtet.

Eine Schadensregulierung scheint dennoch nicht ganz einfach zu sein. Wie zum Beispiel der Bayerische Rundfunk unlängst aus Ebensfeld berichtete, beklagen dort Anwohner neu entstandene Risse an ihren Wohngebäuden. Die Bahn allerdings, so ist dem Bericht zu entnehmen, möchte die Beweislast auf die Geschädigten abwälzen.



Serie Bautagebuch


Folge 1 - Die Ruhe vor dem Sturm
Folge 2 - Der letzte Baum ist gefällt
Folge 3 - Kehraus in Breitengüßbach
Folge 4 - Nach dem Matsch nun der Staub
Folge 5 - Baggern, bohren, rütteln
Folge 6 - Keine Halbzeit-Pause auf der ICE-Baustelle
Folge 7 - Die heiße Phase ist noch nicht vorbei
Folge 8 - Noch viele offene Baustellen an der Bahnstrecke
Folge 9 - Flüster-ICE und laute Güterzüge

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