Stegaurach
Auslandseinsatz

Eintauchen in eine fremde Welt

Die Stegauracherin Judith Schmitt absolviert ein Praktikum im Krankenhaus St. Jean de Dieu in Thiès/Senegal.
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Judith Schmitt mit einer Patientin im Krankenhaus St. Jean de Dieu in Thiès Foto: Bernhard Kümmelmann
Judith Schmitt mit einer Patientin im Krankenhaus St. Jean de Dieu in Thiès Foto: Bernhard Kümmelmann
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Behutsam umfasst Judith Schmitt das Handgelenk der älteren Patientin, fühlt ihren Puls. "Die Vitalzeichen sind in Ordnung", erklärt die 18-Jährige kundig. Kein Wunder, denn schon einige Zeit lang absolviert die Stegauracherin ihr Pflichtpraktikum vor dem Medizinstudium in diesem Krankenhaus: im Hopital St. Jean de Dieu in Thiès/Senegal. "Judith macht ihre Sache sehr gut!", lobt auch Krankenhausdirektor Frater Brice Luc Ouendo. Er freue sich darüber, dass die Diözesanpartnerschaft zwischen Thiès und Bamberg seinem Haus immer wieder junge Mitarbeiterinnen aus Deutschland ermögliche.

Für Judith bedeutet ihr mehrwöchiger Aufenthalt in Thiès vor allem ein Eintauchen in einer ihr bis dato völlig fremde Welt. Die Einser-Abiturientin ist das erste Mal in Afrika: "Das Alltagsleben läuft hier komplett anders", lacht sie fröhlich. Andere Kultur, anderes Essen und Klima wollen bewältigt werden. Dabei helfe besonders ihre Gastfamilie, in der sie wohne. "Hélène ist kein Mutterersatz, kümmert sich aber liebevoll um mich", sagt Judith etwa über ihre Gastgeberin.

Auch dieses westafrikanische Krankenhaus bedeutet für die Stegauracherin eine neue Erfahrung. Krankenschwestern hätten ein anderes Aufgabenfeld als in Deutschland, müssten nicht Betten machen und Essen eingeben: "Dafür sorgen die Angehörigen der Patienten", so Judith. Die senegalesischen Krankenschwestern dürften Blut abnehmen oder Zugänge legen und hätten auch viel weniger Dokumentation zu erledigen. Der hygienische Standard sei zwar höher als von ihr gedacht, doch vergleichsweise niedrig: "Es gibt keine Desinfektion in jedem Zimmer, und es fehlen Einmalhandschuhe", sorgt sich Judith.

Sie selbst ist in der Diabetologie eingesetzt: "Ich helfe beim Waschen der Patienten, darf Blutzucker messen und Medikamente geben." Obwohl viele Patienten in diesem katholischen Krankenhaus Muslime - Männer wie Frauen - seien mit anderen Wertvorstellungen und Tabus "habe ich keine Probleme beim Versorgen", erklärt Judith. Alle seien sehr nett und "akzeptieren mich als Weiße". Zudem spricht sie die offizielle Amtssprache im Senegal - Französisch - sehr gut. Die Kommunikation funktioniert also: "Notfalls mit Händen und Füßen und einem Lächeln, wenn jemand nur Wolof kann".

Schon in der neunten Klasse am Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasium zeichnete sich für Judith der Wunsch ab, einen medizinischen Beruf zu ergreifen. Das obligatorische Berufspraktikum führte sie in eine neurologisch-psychiatrische Arztpraxis: "Das hat mir gut gefallen!" Außerdem liegt ein zweimonatiges Pflegepraktikum in der Burgebracher Steigerwaldklinik hinter ihr: "Das kommt mir jetzt in Thiès zugute", erklärt Judith.

Absolut fern liege es ihr, im senegalesischen Krankenhausablauf irgendetwas ändern zu wollen: "Um Himmels willen!", ruft die junge Frau aus. Die Wochen nehme sie als wertvolle Erfahrung "für mich persönlich" und nicht als besserwisserische Entwicklungshilfe von oben herab. Die Arbeit im Hopital St. Jean de Dieu - vormittags von 8 bis 13 Uhr - lasse ihr ohnehin genügend Freiraum, um die Region um Thiès zu erkunden. Gefährtin ist dabei Janina, eine weitere Freiwillige aus dem Erzbistum Bamberg, die am Collège St. Gabriel in Thiès im Unterricht hilft.

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