Bamberg
ICE-Planung

Eine vier Meter hohe Lärmwand teilt Bamberg

Frühstens 2017 könnte der Ausbau der ICE-Strecke durch Bamberg beginnen. Sie wird das Gesicht der Stadt verändern. Alle vier Bahn-Unterführungen müssen neu errichtet werden. Entlang der Strecke entstehen vier Meter hohe Lärmschutzwände. Ein Brückenbau für Güterzüge durchschneidet Gärtnerland.
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Auch sie wird im Zuge der ICE-Planung abgerissen und neu gebaut: Memmelsdorfer Unterführung. Derzeit wird von ca. 20000 Fahrzeugen am Tag genutzt. Foto: Michael Wehner
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In Bambergs jüngerer Vergangenheit gibt es nichts Vergleichbares: Das Brückenprojekt, die Kanalsanierungen, selbst der Bau des Frankenschnellwegs sind hinsichtlich Größe, Kosten und möglicher Beeinträchtigungen der Bürger eine Kleinigkeit gegen das, was Bamberg erwartet, wenn die ICE-Strecke ausgebaut wird.

Wann dies sein wird, weiß im Moment niemand mit Sicherheit. Fest steht aber, dass der Baubeginn auf der Ausbaustrecke zwischen Ebensfeld und Bamberg mit dem Fortschritt auf der Neubaustrecke nördlich davon immer näher heranrückt.

Fest steht auch, dass die neuen Gleise für eine Durchfahrtsgeschwindigkeit von 200 Kilometer gebaut werden sollen und nicht mehr nur für 160 Stundenkilometer, wie noch 1996 geplant. Das hat zur Folge, dass die Kurvenradien der Gleise schwächer ausgeprägt sein werden und die von der Stadt geplante Bahntangente zwischen Geisfelder Straße und Pfisterbrücke nicht mehr möglich ist. Neu ist vor allem auch, dass die Lärmschutzwände, die die Gleistrasse auf eine Länge von ca. vier Kilometern beidseitig begleiten, vier Meter hoch sein sollen, einen Meter höher als bisher bekannt.

Aussagen, die aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn durchgesickert sind, die Fertigstellung des letzten Verkehrsprojekts Deutsche Einheit werde sich aus Kostengründen bis zum Jahr 2038 hinziehen, hat Bundestagsabgeordneter Thomas Silberhorn im Gespräch mit unserer Zeitung widersprochen.
Er beruft sich auf Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium, wonach davon auszugehen sei, dass die Streckenabschnitte in Bamberg wie geplant zwischen 2017 und 2025 realisiert werden. "Diese Entscheidung trifft nicht die Bahn, sondern der Bund. Auch ob Geld da ist, ist eine Frage des politischen Willens und der Prioritäten, die man setzt", urteilt Silberhorn.

Als Mitglied einer parlamentarischen Unterstützergruppe will sich der Abgeordnete dafür einsetzen, dass ein Teil der Ausbaustrecke noch vor 2017 realisiert wird und die Stadt ihre Veränderungswünsche möglichst bereits in die Entwurfsplanung einarbeiten lässt. Dieser Entwurf soll für Bamberg 2011 in Auftrag gegeben werden; ein Jahr später könnte das Planfeststellungsverfahren von 1994 wieder aufgenommen werden.

Die Veränderungen, die im Stadtbild durch den Bau der viergleisigen ICE-Strecke hervorgerufen werden, sind enorm. Das weiß niemand besser als Bernhard Leiter. Der Chef der Verkehrsplanung bei der Stadt ist damit beauftragt, die Vorstellungen der Stadt für den Neubau von insgesamt vier Unterführungen zu entwickeln, eine Mammutaufgabe, die derzeit noch mit vielen Unbekannten behaftet ist. Klar ist im Moment vor allem eines: Die Verdoppelung der Gleise macht es nötig, dass sowohl die Geisfelder Unterführung, als auch die Unterführung Moosstraße, die Zollner-Unterführung und die Memmelsdorfer Unterführung komplett neu gebaut werden müssen. Weil Abriss und Neubau bei laufendem Bahnverkehr erfolgen, handelt es sich bei jeder dieser Vorhaben um langwierige Projekte, die mit mindestens eineinhalbjährigen Vollsperrungen für den Autoverkehr verbunden sind. Bei einer Frequenz von 20 000 Fahrzeugen am Tag dürfte vor allem der Neubau der Memmelsdorfer Unterführung und der Zollner-Unterführung die Geduld der Bamberger Verkehrsteilnehmer auf eine harte Probe stellen.

Natürlich will die Stadt die Chance nutzen, die sich durch den Umbau der Unterführungen bietet. Doch die Frage, wie breit Rad- und Fußgängerwege werden sollen, ob die Durchfahrtshöhe Schwerlastverkehr zulässt oder nicht, hängt von zwei Faktoren ab: den technischen Möglichkeiten und den Kosten, die durch Änderungswünsche auf die Stadt Bamberg zukommen. Auf eine Prognose lässt sich Leiter derzeit noch nicht festlegen. Sicher scheint im Moment nur: Der Ausbau der ICE-Strecke verursacht auch für die Stadt Kosten in Millionenhöhe.

Städtebauliche Debatten werden zweifellos die Lärmschutzmauern auslösen, zu deren Bau die Bahn verpflichtet ist. Wegen gestiegener Lärmschutz-Anforderungen fallen sie einen Meter höher aus als noch Ende der 90er bekannt. Das bedeutet: Von der Gereuth bis nach Bamberg-Nord wird sich ein Wall von vier Metern Höhe über dem Gleisbett beidseitig durch die Stadt ziehen; die umstrittene Rampenmauer am Main-Donau-Kanal war dagegen ein Winzling.
Andererseits verbessert sich der Lärmschutz für die Anwohner. Problematisch ist aus Sicht der Experten weniger der ICE, als vielmehr der Güterverkehr. Er soll Prognosen zufolge in den nächsten Jahren auf der Maintalstrecke deutlich zunehmen.

Nicht beteiligen muss sich die Stadt an den Kosten eines 1,1 Kilometer langen und bis zu acht Meter hohen Brückenbauwerks in der Bamberger Nordflur. Über diese Gleis-Abzweigung soll der Güterverkehr über die ICE-Strecke hinweg in Richtung Maintal geführt werden.

Vor allem die Bamberger Gärtner fürchten das Projekt, weil es ihre Flur im Norden praktisch halbiert und einen nicht geringen Teil der besten Felder verbaut: "Das ist ein gravierender Eingriff, der die gesamte Gärtnerflur verschandelt und unsere Existenzen bedroht", sagt Gärnter Pankraz Deuber. "Unsere einzige Hoffnung ist, dass das Geld doch noch fehlt."


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