Bamberg
Musik

Eine große Bamberger Sinfonie in Dur

Am Samstag war die Stadt "ganz Chor". Über 800 Sänger in 32 Chören boten in rappelvollen "Konzertsälen" einen Ohrenschmaus vom Feinsten.
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Der Chor "Good News" begeisterte das Publikum in der St. Martins-Kirche mit auswendig dargebotenen Gospels. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Der Chor "Good News" begeisterte das Publikum in der St. Martins-Kirche mit auswendig dargebotenen Gospels. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Wie sagt doch der Volksmund in Abwandlung eines Gedichts von Johann Gottfried Seume (18. Jahrhundert): "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Und das nahmen die Bamberger am Samstag wörtlich: Sie strömten in die Konzertsäle, um 32 Chören mit über 800 Sängern zu lauschen. "Bamberg - ganz Chor" stand über diesem Musikereignis erster Güte, das der "Sängerkreis Bamberg des Fränkischen Sängerbundes" organisiert hatte.

Und das bereits zum fünften Mal: Im zweijährigen Turnus verwandelt sich Bamberg in eine sorgfältig komponierte Sinfonie in Dur. "Wir wollen damit den Chören mal eine andere Plattform geben, und das Publikum kann pendeln oder bleiben", erklärte Peter Märkel die Intention dieses Chortages. Der Vorsitzende des Sängerkreises Bamberg sprach davon, dass Singen generell "in" ist: "Gerade junge Leute gründen neue Gruppen", freute sich Märkel. Immerhin 120 Mitgliedschöre und -gruppen in der Stadt und im Landkreis Bamberg zählen zum "Sängerkreis", dazu kommen einige aus den Landkreises Coburg, Haßberge und Lichtenfels.

Die fünfte Veranstaltung wartete mit einem Novum auf: Erstmals gaben Schulchöre eine Kostprobe ihres Könnens. Rappelvoll war es im Harmonie-Spiegelsaal am Schillerplatz, als die jüngsten Goldkehlchen ihre Lieder zwitscherten. Ebenfalls gut gefüllt zeigten sich die Uni-Hörsäle U2 und U7 sowie die St. Martins-Kirche am Grünen Markt.


Feuerwerk in St. Martin gezündet

Dort am Eingang Jesuitenstraße standen vor Beginn des ersten Abendkonzertes die Chormitglieder von "Good News" in der Liedertafel Bad Staffelstein Spalier: "Die Frohe Botschaft hat Sie hierher geführt!" wurden die Besucher freundlich begrüßt. Was dann folgte, verdient das Prädikat "grandios": Leiter Wolfram Brüggemann dirigierte seinen Gospelchor zur Höchstleistung. Eine dreiviertel Stunde lang zündeten die förmlich entflammten Sänger ein Feuerwerk in das Kirchengewölbe. Und zwar ohne Noten- und Textblätter in den Händen. Alle Gospels ertönten in Englisch oder in afrikanischen Sprachen auswendig.

Einen reizvollen Kontrast bot der "Chor der Bamberger Bäcker" unter der Leitung von Roman Fellner im Universitäts-Hörsaal. Die gestandene Männerriege hatte sich für luftiges Baguette statt deftiges Vollkornbrot entschieden: Zarte romantische Weisen brachte der Chor zu Gehör, lauschige Nachtlieder von Schubert oder den dazu passenden Song von Abba "I have a dream".


Passanten lassen sich verlocken

Bei aller Träumerei bewies derweil der gemischte Chor "Sängerlust Reckendorf" mit Leiterin Helena Perez Martinez seine stimmliche Präsenz: Sozusagen als Standkonzert brachte die Gruppe draußen im Innenhof schon einmal ihre Stimmbänder ins Schwingen, bevor es zum Auftritt in den Saal ging. Etliche Passanten blieben stehen, lauschten ein Weilchen. Und ließen sich dazu verlocken, dort einzutreten, wo Gesang aus den geöffneten Fenstern drang.


Ein gelungener Chortag

"Thank you for the music" - wieder ein Abba-Song - ertönte, stimmgewaltig interpretiert vom "PlusChor GV Frohsinn Bischberg" mit Leiterin Ulrike Mehling. Danke für die Musik! Das mögen die Bamberger am Ende eines langen Chortages von 16 bis 23 Uhr auch allen beteiligten Sängern zugerufen haben.
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