Unterrodach

Eine Zeitreise durch die Phasen der Flößerei in Unterrodach

Das Flößermuseum in Unterrodach ist das einzige seiner Art in Bayern. Floßbauer Dieter Murmann verrät bei einer exklusiven Führung Geheimnisse der Flößerei.
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Museumsführer Dieter Murmann sitzt auf einem nachgebauten Floß. Zu sehen ist dieses im Flößermuseum in Unterrodach.  Fotos: Maximilian Glas
Museumsführer Dieter Murmann sitzt auf einem nachgebauten Floß. Zu sehen ist dieses im Flößermuseum in Unterrodach. Fotos: Maximilian Glas
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Stolz holt Dieter Murmann seine Schiebermütze hervor: vorne mit einem Anker dekoriert, an den Seiten mit mehreren Flößer-Ansteckern.
Fast schon andächtig setzt er sich auf das Bänkchen einer Floßhütte und schaut nachdenklich in die Ferne. Wenn man sich auf dieses Szenario alleine konzentriert, könnte man von einer Zeitreise ausgehen. Das Zurückdenken in die Hochphase der Flößerei gelingt in Unterrodach im Landkreis Kronach besonders leicht. Dort steht das einzige Spezialmuseum für Flößerei in Bayern.

Original-Werkzeuge, Modelle sämtlicher Floßtypen, Schriftgut und ein Film dokumentieren sowohl den rasanten Aufstieg als auch den Niedergang der Flößerei Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben den Entwicklungen im Frankenwald, gibt es auch eigene Räume mit Modellen und Informationen für die Flößerei auf dem Main und Rhein.
Ergänzt werden die optischen Eindrücke durch Erzählungen der Museumsführer, zu denen auch Dieter Murmann gehört. Der 78-Jährige war für 26 Jahre Vorsitzender des Floßvereins Unterrodach. Nicht zuletzt wegen seines Vaters, der in den 1930er und 40er Jahren Floßherr im Frankenwald war, mangelt es nicht an interessanten Anekdoten.

Die Flößerei sei ein hartes Brot gewesen. Insbesondere vor der Einführung der Krankenversicherung Ende des 19. Jahrhunderts. Verletzungen wie ein Beinbruch oder Krankheiten seien an der Tagesordnung gewesen - eine Entschädigung gab es quasi nicht. "Wenn man ein halbes Jahr ausgefallen ist, gab es vielleicht fünf bis zehn Mark", so Murmann. Finanziert wurde diese kleine Hilfe durch eine Zollgebühr, die alle Flößer in Neuses - wo die Flüsse Kronach, Haßlach und Rodach zusammenfließen - entrichten mussten.


Fünf Liter Bier für einen Flößer

Bei der Versorgung der Flößer war vor allem eines entscheidend: frischer Gerstensaft. Rund fünf Liter Bier waren für einen Mann pro Tag auf einem Floß vorgesehen. Erreichten die Flößer aus dem Frankenwald die Einmündung der Rodach in den Main (bei Schwürbitz im Kreis Lichtenfels), mussten sie die knapp 50 Kilometer häufig nach Hause laufen. Auch hier war eine zünftige Einkehr bedeutend. "Gab es in einem Ort kein gscheit's Bier, gingen die Flößer wieder zurück zum letzten Dorf", erzählt Murmann. Einige Tage später machten sich die Flößer dann wieder auf die Reise. Stets mit dem gleichen Ritual vor jeder Fahrt. Die Flößer nahmen ihre Mütze ab und riefen "In Gottes Namen", berichtet Murmann.

Nachdem der Floßverein in Unterrodach im Jahr 1948 eingestellt worden war, wurde er 33 Jahre später als Förderverein wieder ins Leben gerufen. Die Tradition der Flößerei ist im Ort in Form von alter Architektur und Straßennamen nicht zu verfehlen. Ganz besonders am kommenden Wochenende, wenn der Kirchweihsonntag in Unterrodach im Zeichen der Flößer steht. Um 14 Uhr gibt es das Kirchweihflößen, um 17 Uhr einen Modellfloßwettbewerb für Kinder.

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