Bamberg
Auszeichnung

Ein Preis für den großen Kraftakt

Die Stadt Bamberg ehrt "Kontakt -Das Kulturfestival" im E.T.A.-Hoffmann- Theater mit dem Kulturförderpreis.
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Die Freude über den Förderpreis war groß bei den Helfern des Kulturfestival-Projekts im E.T.A.-Hoffmann-Theater. Foto: Harald Rieger
Die Freude über den Förderpreis war groß bei den Helfern des Kulturfestival-Projekts im E.T.A.-Hoffmann-Theater. Foto: Harald Rieger
Viel Applaus erhielten die Mitglieder des AStA-Bamberg-Projekts "Kontakt - Das Kulturfestival" im sehr gut besuchten großen Saal des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Zum einen zollten die Besucher ihnen damit Respekt dafür, den Kulturförderpreis der Stadt Bamberg erhalten zu haben. Zum anderen galt der Applaus der flammende Rede zweier Vertreter der über 40 Pro tagonisten von "Kontakt".

In der Rede ließen Luzia Scheuring und Michael Schmitt die letzten zehn Jahre noch einmal Revue passieren. Sie erinnerten an die Anfänge des Festivals im Jahre 2005 zurück, als das Kulturfestival mehr oder weniger als ein kleines Familienfest startete. Und wie es sich in den letzten zehn Jahren zu einem Großereignis mit zuletzt rund 20 00 Besuchern entwickelte.


Viele Mühen, hoher Aufwand

Sie schilderten aber auch die Mühen und den Aufwand, die aufgewendet werden müssen, um beispielsweise ein Kulturfestival wie das in der Lagardekaserne ausnahmslos mit Ehrenamtlichen auf die Beine zu stellen. "Das Festival war ein riesiger Kraftakt, der nicht wenigen unter uns Schlaf, Nerven und Privatleben raubte und uns an oder über die Grenzen unserer physischen und psychischen Kräfte brachte", schilderte Scheuring.

Denn alleine die wöchentlichen Sitzungen in der Vorbereitungsphase hätten zwischen drei und fünf Stunden in Anspruch genommen. Und die Tage unmittelbar vor dem Festival hätten jeweils um 7 Uhr mit der ersten Toiletten- und Holzlieferung begonnen und wären dann im 30-Minuten-Rhythmus getaktet gewesen. Nur so sei es möglich gewesen, das ehemalige Kasernengelände mit 300 Bauzäunen einzugrenzen, 10 000 Meter Kabel zu verlegen, Bühnen zu bauen und mit zwei Fahrzeugen Funkgeräte in Schweinfurt, Kühltruhen in Nürnberg, eine Musikanlage in Mellrichstadt und Stühle aus der Uni und der Arena einzusammeln.

Doch, so ergänzte Schmitt: "Wenn dann große und kleine Menschen auf das Festival strömen, spielen und tanzen, wenn Künstler sich herzlich für die tolle Betreuung und die schöne Atmosphäre bedanken, wenn Feuerwehrmänner anfangen, vegane Weißwürste zu essen, und wenn das Team, trotz allen Drucks, sich abends freudig in die Arme fällt, dann spüren wir: wir haben es wieder einmal geschafft!"

Aber die Organisation eines solchen Festivals hätte einen weiteren Vorteil für die ehrenamtlichen Helfer: So hätten viele, wie Scheuring betonte, durch die Arbeit beim "Kontakt" mehr fürs Leben gelernt als in einem ganzen Studium. "In den Wochen vor dem Festival gehört der Handwerkergürtel mit Gaffa-Tape, Kabelbindern und Akkuschrauber zur Grundausstattung eines jeden Teammitglieds. Wir beherrschen das effiziente Verzurren mit Spanngurten und mittlerweile auch das reibungslose An- und Abkuppeln von Anhängern", sagte sie. Ferner hätten sie gelernt, wie man eine Buchhaltung führe, kennen Körperschafts- und Umsatzsteuer und wüssten, wie man für das Festival 980 Helferschichten verteilt und koordiniert. "Und manchmal ertappen wir uns dabei, wie wir auf anderen Veranstaltungen anfangen, die Feuerlöscher zu zählen und ein beiläufiger Blick ganz automatisch Richtung Prüfsiegel wandert", so Scheuring.


Mit der Stadt verwurzelt

Beide nutzten aber auch die Gelegenheit, im Namen aller Teammitglieder ein bisschen Salz in die Suppe zu streuen: "Leider stoßen wir hier noch allzu oft auf Widerstand und erleben den Weg bis zur Umsetzung und Genehmigung unserer Veranstaltungen immer wieder als sehr mühsam und steinig. Obwohl uns nach elf Jahren Engagement und Einsatz inzwischen an vielen Stellen der städtischen Administration Vertrauen und Unterstützung entgegengebracht wird, stehen wir immer wieder vor strukturellen Hürden", klagte Schmitt.

Die Laudatio des Abends sprach Marc Redepenning vom Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Universität Bamberg. Er sah unter anderem die Verdienste der Projektgruppe darin, dass sie der alternativen Kulturszene in Bamberg einen Raum gäben. "Zudem stellen sie leer stehende und oft nicht zugängliche Gebäude für die Öffentlichkeit zumindest für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung", so der Professor. Die Kontaktgruppe zeige mit ihren Projekten aber auch, wie sehr junge Menschen mit der Stadt verwurzelt seien und wie man es auch schaffe, ohne Künstler mit großen Namen Zigtausende zu einem Festival zu ziehen und zu begeistern.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bamberg von der Gruppe "Erfolg und der beste Damenchor aller Zeiten".


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