Memmelsdorf
Ausstellung

Ein Blick über den Tellerrand

"Mitten unter uns" heißt die Wanderausstellung, die die Geschichte jüdischer Bürger in den Landkreisen Unterfrankens aufzeigt. Aktuell ist sie in Memmelsdorf zu sehen.
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Die Synagoge in Memmelsdorf ist ein Ort der Begegnung und des Entdeckens. Am Dienstag wurde die Ausstellung "Mitten unter uns" eröffnet. Noch bis zum 29. Juli kann diese besucht werden. Fotos: Johanna Eckert
Die Synagoge in Memmelsdorf ist ein Ort der Begegnung und des Entdeckens. Am Dienstag wurde die Ausstellung "Mitten unter uns" eröffnet. Noch bis zum 29. Juli kann diese besucht werden. Fotos: Johanna Eckert
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In Memmelsdorf ist das Judentum nichts Verstaubtes, nicht Vergangenes. Die Mitglieder des Träger- und Fördervereins rücken mit vielfältigen Angeboten die Geschichte der jüdischen Familien in der Region immer wieder in die Gegenwart. So auch mit der Ausstellung "Mitten unter uns".

"Diese Ausstellung lässt uns nicht nur auf die Juden in Memmelsdorf blicken. Sie erlaubt uns den Blick über den Tellerrand und zeigt die Geschichte der Landjuden in ganz Unterfranken", begrüßte Iris Wild, Vorsitzende des Träger- und Fördervereins der Synagoge Memmelsdorf, die Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung. Wie in anderen Regionen Süddeutschlands prägte die jüdische Siedlung auf dem Land den Raum Unterfranken seit dem 15. Jahrhundert. Juden lebten in bis zu 200 Gemeinden auf den kleinen und abgelegenen Dörfern und trieben von dort meist zu Fuß ihren Wanderhandel. Sie entwickelten eine besondere, ländlich-jüdische Kultur.
Mit der Wanderausstellung werden 900 Jahre jüdischer Geschichte in ganz Unterfranken aufgezeigt. Viele Themen können dabei nur angetippt werden, erklärt Rotraud Ries das Konzept der Exposition. Ries ist Mitarbeiterin am Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken und war maßgeblich an der Gestaltung und Umsetzung der Ausstellung beteiligt. "Nach einem chronologischen Überblick vom Mittelalter bis heute erfahren die Besucher Wissenswertes zu den neun wichtigsten Themen am Beispiel je eines Landkreises der Region Unterfranken."

Die Wanderausstellung "Mitten unter uns" füllt mit Tafeln und Figuren den authentischen Gebetsraum der jüdischen Gemeinde in Memmelsdorf. Themen, die dabei zur Sprache kommen sind unter anderem die hohe Mobilität der Juden, die Rollen von Mann und Frau, die Wirtschaftstätigkeit und die Einrichtung von jüdischen Gemeinden. "Informationen zu den jüdischen Sprachen bekommen die Besucher nicht nur auf den Tafeln, sondern auch an der Audio-Station", stellt Ries fest. Hierfür hat die in Nürnberg gebürtige Rabbinerin Antje Yael Deusel ein Gedicht in hebräischer Sprache eingelesen.

Nicht nur Ries und das Johanna-Stahl-Zentrum in Würzburg waren an der Idee und der Umsetzung der Ausstellung beteiligt. "Innerhalb der Strukturen der Leader-Arbeitsgruppe ‚Wein-Wald-Wasser‘ entstand 2009 im Landkreis Haßberge ein Arbeitskreis zur Geschichte der Landjuden", erklärte Rudolf Handwerker, der ehemalige Landrat, "dort wurde die Idee geboren, ein Projekt für ganz Unterfranken zu initiieren." Das jüdisch-kulturelle Erbe in der Heimat zu bewahren und in das Denken und Handeln gegenwärtiger und zukünftiger Generationen einzubinden, sei immer noch Ziel der Arbeitsgruppe.

Der Bezirk Unterfranken, die neun Landkreise und die Städte Würzburg und Schweinfurt konnten als Förderer der Ausstellung "Mitten unter uns" gewonnen werden. Das Kooperationsprojekt startete im November 2011 in die Arbeitsphase. "Auch die Heimatforscher der Regionen, die sich schon lange mit der jüdischen Geschichte beschäftigen, haben sich mit ihrem Sachverstand, ihrem Wissen und ihren Sammlungen eingebracht", so Ries über das gemeinsame Projekt. Seit Herbst 2013 wandert die in Worte und Bilder gefasste jüdische Geschichte nun durch Unterfranken.

"Die Ausstellung wird hier, wie anderswo, nur kurz gezeigt", legt Ries in Memmelsdorf dar. Das sei bedauerlich, für sie jedoch auch ein gutes Zeichen. "Sie ist somit gefragt und an vielen Orten unterwegs." Bis 2015 wird sie in allen Landkreisen des Bezirkes zu sehen sein und in der Regel auch an mehreren Stationen. In Memmelsdorf kann die Ausstellung bis 29. Juli besucht werden. Danach ist sie im ehemaligen Lehrerwohnhaus in Kleinsteinach zu sehen.


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