Bamberg
Einblicke

Ein Besuch im ehemaligen Bamberger Mahrsbräu-Keller

Überall startet im Mai die Biergartensaison. Nicht so am Oberen Stephansberg 36, wo es bis 2010 den Mahrsbräu-Keller gab.
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Der Blick vom ehemaligen Biergarten auf die Häuserzeile zeigt (von rechts) den Jugendstilsaal, das Torhaus und hinter dem Pavillon den alten Gastraum, heute Atelier. Foto: Matthias Hoch
Der Blick vom ehemaligen Biergarten auf die Häuserzeile zeigt (von rechts) den Jugendstilsaal, das Torhaus und hinter dem Pavillon den alten Gastraum, heute Atelier. Foto: Matthias Hoch
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Ende 2010 stellte der Mahrsbräu-Keller seinen Betrieb ein. Sieben Jahre später klopfen immer noch ab und zu Bierfreunde an: Einheimische, die noch einmal einen Blick in den ehemaligen Biergarten werfen möchten, und Touristen, die mit alten Unterlagen ausgestattet sind, in denen der Mahrsbräu-Keller noch als Gaststätte aufgelistet ist. Davon berichten Judith und Ulrich Bauer-Bornemann, die heutigen Besitzer des Oberen Stephansbergs 36/37.

Das Ehepaar hat seine Arbeitsplätze in den ehemaligen Keller verlegt: Ulrich Bauer-Bornemann zog mit seinem auf Denkmalpflege, Steinkonservierung und -restaurierung spezialisierten Unternehmen ein, seine Frau Judith, Grafikerin und Malerin, mit ihrem Atelier.

Weder die Mühen noch Kosten, die mit der Sanierung verbunden waren, hätten sie bereut, sagen beide bei einem Besuch der Lokalredaktion.

Dem Bamberger Ehepaar gehört der lang gestreckte Komplex aus mehreren barocken und jüngeren Gebäuden, der den einstigen Biergarten von der Straße trennt. Ausgenommen ist ein schmuckloses Wohnhaus, das in den 1970er Jahren mitten auf dem Keller errichtet wurde. Es befindet sich im Eigentum einer Familie, die es auch bewohnt.

Der Bauer-Bornemannsche Firmensitz befindet sich jetzt im ersten Stock des Torhauses von 1760. Es ist das älteste und bekannteste Gebäude, weil sich darin die Wirtsstube befand. Obwohl der mit dunklem Holz getäfelte Gastraum komplett restauriert und mit neuem alten Mobiliar ausgestattet wurde, sieht er aus wie früher. Man hat laut Bauer-Bornemann - wie überall in den Gebäuden - zurück gebaut und möglichst mit altem oder zumindest passendem Material ersetzt, was nicht original oder stimmig war.


Alles wieder authentisch

Der Hausherr versichert: "Es ist bis zum letzten Kleiderhaken alles wieder authentisch." Die Stube erleben können nur geladene Gäste: Sie wird ausschließlich für interne Veranstaltungen genutzt.

Die Arbeitsplätze von Bauer-Bornemann und seinem Team befinden sich im alten Tanzsaal über der Gaststube. Er wurde zu einem Licht durchfluteten Großraumbüro, in dem modernste Technik und Möbel mit Stuckleisten, Sprossenfenstern, Barockbeschlägen und einem alten Dielenboden harmonieren.

Herz des Kellers war der große Garten mit seinen alten Bäumen. Tische und Stühle, Jägerzaun und Grillhütte sind verschwunden, die geschotterte Fläche ist weitgehend unmöbliert. Am Rand stehen ein paar alte Steinquader und hölzerne Ruhebänke. Nichts mehr deutet darauf hin, dass der Untergrund mit viel Aufwand ganz neu aufgebaut werden musste. Die Besitzer versichern, dass sie diese grüne Oase der Nachwelt erhalten wollen. Sie würden das Grundstück weder als Park- noch als Bauplatz nutzen, obwohl zwei Baurechte bestehen.

Ein architektonisches Juwel für sich ist der momentan ungenutzte Jugendstilsaal südlich des Torhauses. Uli Bauer-Bornemann glaubt im üppigen Fassadenschmuck mit Trinkszenen und Blumenranken die Handschrift seines Großvaters Anton Bauer zu erkennen. Dieser habe um 1920, als der Saalbau entstanden ist, schon seine Werkstatt in Bamberg gehabt.

Am anderen Ende der Gebäudezeile liegt das Atelier von Judith Bauer-Bornemann. Die Künstlerin hat sich im alten Gastraum eingerichtet. Auch dort wurde viel Altes bewahrt - beispielsweise die Gassenschänke samt Durchreiche.

Kommentar der Autorin:

Dass es den Mahrsbräu-Keller nicht mehr gibt, kann man seinen heutigen Besitzern nicht ankreiden. Sie erwarben das Grundstück zu einem Zeitpunkt, als der letzte Pächter schon aufgehört hatte, der vormalige Besitzer mit seinen Plänen für einen Hotelneubau im Biergarten gescheitert und die Konzession bereits erloschen war.

Unter diesen Umständen ist es ein Glücksfall, dass Judith und Ulrich Bauer-Bornemann das Grundstück auf dem Oberen Stephansberg 36 gekauft haben. Sie brachten das nötige Wissen, Gespür und Geld für eine fachkundige und behutsame Restaurierung mit.

Vor allen Dingen: Das Ehepaar verspricht, das Gelände so zu hüten, dass eine mögliche Wiederaufnahm des Kellerbetriebs durch eine spätere Generation möglich bleibt.
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