In drei bis vier Monaten wird diese Rizinuspflanze fünf Meter hoch sein. Ursula Jakschik setzt das noch kleine Gewächs gerade in den Boden. Johann Ullrich assistiert der Hobbygärtnerin. Die beiden Bamberger machen sich im Bibelgarten vor der St. Michaels-Kirche zu schaffen, der ersten Station des Schöpfungsweges. "Bis zur Landesgartenschau wollen wir alles schön herrichten", erklärt Ursula Jakschik und streift sich die Erde von den Händen. "Auch darüber hinaus soll es gut aussehen", ergänzt Johann Ullrich.

Ehrenamtlich werkeln sie im Bibelgarten, aus purer Freude am Wachsen und Gedeihen. Regelmäßig zupfen sie Unkraut, halten Ausschau nach weiteren Pflanzen, die schon in der Bibel erwähnt werden. Noch fehlen Granatapfel und Olive, Dattelpalme, Lorbeer und Myrte. Doch auch trotz der Lücken im Beet verweilen Menschen erst einmal an diesem Bibelgarten, bevor sie in die Kirche hineingehen. In den blühenden Himmelsgarten sozusagen: Die Deckenmalerei bildet naturgetreu 578 Pflanzen nach.

Der Ausgangspunkt des Schöpfungsweges lässt schon ahnen, dass der Rundgang mehr ist als ein Naturerlebnis. Das wird klarer, wenn sich der Spaziergänger mit Klaus Schwaab aufmacht, den Initiator des Schöpfungsweges. Er ist Umweltbeauftragter der Erzdiözese Bamberg, die den Weg anlässlich des 1000-jährigen Bistumsjubiläums 2007 eröffnet hat.

"Der Schöpfungsweg lädt zum Nachdenken ein", sagt Klaus Schwaab. Zum Innehalten und Meditieren. Zum Erkennen der Verantwortung für die Schöpfung, die Gott dem Menschen anvertraut hat. Die biblische Zahl zwölf findet sich in zwölf Stationen wieder. An jeder findet sich eine Hinweistafel mit einem Bibelzitat. "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht..." steht zum Beispiel am Labyrinth unterhalb der St. Getreu-Kirche. "Wie im Leben auch lässt das Labyrinth ein Hin und Her erleben", sagt Klaus Schwaab. Mal meine man, ganz nah an der Mitte zu sein, aber dann führt der Weg schon wieder zum Rand. Und doch führe der Weg im Labyrinth zur Mitte, zu Christus: Eben zum Weinstock, der sich um einen Hirtenstab aus Eisen rankt.

Wen die Suche nach dem rechten Weg im Labyrinth erschöpft hat, findet an der Station "Ottobrunnen" eine Erquickung. "Der Brunnen ist ein Symbol für den Lebensbrunnen", klärt Schwaab auf. Sein Wasser heile, reinige und gebe Lebenskraft. Selbst in schweren Zeiten, wie der Hohlweg zeigt: "Meine Lieblingsstation", bekennt der Umweltbeauftragte. Auf dem Lebensweg werde es manchmal eng. Doch wenn man nicht mehr weiter wisse, gebe es die feste Zusage, dass "Gott uns begleitet und uns nicht allein lässt". Davon spreche das Licht am Ende des schattigen Hohlweges.

Es geht zur "Quelle" mitten im Michelsberger Wald, zur "Streuobstwiese" auf einem ehemaligen Acker, die einen Ausgleich für bebaute Flächen schaffen soll. Zum "Eichenstamm", dem Überrest einer etwa 180 Jahre alten Eiche, das voller Leben ist mit Insekten, Pilzen und Vögeln. Biblisch ist es an der Villa Remei". "Der Siebte Tag" wird diese Station genannt. Am siebten Tag "ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte".

"Im Café Villa Remeis kann sich der Spaziergänger Rast und Ruhe gönnen", meint Klaus Schwaab. Und die Augen öffnen für die Schönheit von Gottes Schöpfung und letztlich auf das Zeichen des Glaubens und der Hoffnung. Auf das Kreuz am Fuße des Hügels zur Villa Remeis, das den Abschluss des Schöpfungsweges bildet.
"Der Schöpfungsweg ist natürlich für jeden offen, nicht nur für Christen", betont Klaus Schwaab. Er hat sogar schon die entsprechenden Koran-Suren für jede Station in der Schublade. Ein Islamwissenschaftler hat ihm die Textpassagen aus dem heiligen Buch der Muslime geliefert.