Bamberg

Diese Jungs bremst keiner aus

Seit 1987 sind Second Try in der fränkischen Bluesrock-Szene eine Institution. Ein Blick zurück zu den Anfängen der Band.
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Ein Bild aus den Pionierjahren: Dietmar Foth, Armin Kuntschik, Norbert Sperlein, Kay Oliveras, Frank Matkovic und Bernd Reinhard Foto: pr
Ein Bild aus den Pionierjahren: Dietmar Foth, Armin Kuntschik, Norbert Sperlein, Kay Oliveras, Frank Matkovic und Bernd Reinhard Foto: pr
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Schulterpolster und Vokuhila-Schnitte waren der letzte Schrei. Thomas Gottschalk moderierte in Hof erstmals "Wetten, dass..?". Während "Rudis Tagesshow" nach einer Khomeini-Satire, die als "Schlüpfer-Skandal" eine Staatskrise auslöste, in der Versenkung verschwand. - Das alles geschah 1987, im Jahr, als sich Second Try gründeten. So blickt die Bamberger Band auf eine drei Jahrzehnte währende Geschichte zurück. Was sicher auch beim Dreikönigstreffen am 5. Januar im Live Club anklingt, bei dem Second Try mit der United Beat Band spielen. Vorab aber ein Blick in die Historie.


Zu laut für den Unibetrieb

"Blues 'n' Boogie": Unter diesem Motto legten Second Try, die heute auf eine eher härtere Gangart stehen, 1987 an der Uni los. Bei einem Fachschaftsball gab die Formation ihr erstes Konzert, wie sich Frank Matkovic als damals noch studierender Gitarrist erinnert - und einziger Schwabe unter den Franken. "Einer unserer Professoren tauchte zuvor noch beim Soundcheck auf und bat um Ruhe, um am Freitagabend ungestört weiterarbeiten zu können." Was die Band nicht daran hinderte, es bei dem Ball zeitgemäß krachen zu lassen: "Und tatsächlich herrschte eine Bombenstimmung", wie Matkovic noch drei Jahrzehnte später schwärmt. Neben ihm waren damals Dietmar Voth als Gitarrist, Armin Kuntschik als Sänger, Norbert Sperlein als Bassist,Kay Oliveras als Schlagzeuger und Bernd Reinhard mit der Mundharmonika zu erleben.



Vom Blues zum Rock

Ein Bombenstart also für Second Try, die im gleichen Jahr noch mit der Chain Gang zur Eröffnung des "Top Act" Zapfendorf spielten. "Dem Blues - als Wiege des Rock 'n' Roll - waren wir entstiegen, verschrieben uns dabei aber eher dem britischen als dem schwarzen Ur-Blues", meint Elmar Pfister, seit 1993 Frontmann der Gruppe. An Legenden wie The Blues Band, Johnny Winter oder etwa Dr. Feelgood orientierten sich die Bamberger, die dem Blues bis 2014 auch im Wesentlichen treu blieben. Dann aber kam der Wechsel zu einem deutlich härteren und schnelleren Programm, mit dem auch der Zusatz "Bluesband" aus dem Bandnamen verschwand und "Call it Rock 'n' Roll" zum Slogan von Second Try wurde.



Zu viel Rock 'n' Roll?

Was waren in all den Jahren unvergessliche Momente, wollten wir von den Bandmitgliedern wissen: Natürlich Auftritte neben Größen wie Louisiana Red, Dr. Feelgood, Snowy White oder etwa Roger Chapman. "Besonders schrill war ein Konzert im Waldschießhaus Erlangen", so Elmar Pfister. Die Zahl der Gäste lag "im einstelligen Bereich". Und die meisten kamen in der Annahme, ein Spielcasino würde eröffnet. "Auf unserem damaligen Plakat war eben ein Roulette-Tisch zu sehen", was für Verwirrung sorgte. Irritierend auch der Ausschluss von Second Try beim Landesrockfestival Amberg: "Disqualifiziert wegen zu viel Rock 'n' Roll."


Zoff mit Skinheads

Eine andere skurrile Erfahrung: Der Auftritt der Band 1994 beim "Bezirkszeltlager der DPG-Jugend Sachsen in Bitterfeld", wie sich Pfister erinnerte. "Es gab rationiertes Essen und eine verbale Auseinandersetzung mit Skinheads, die auf dem Weg zu einem Onkelz-Konzert waren."

Erfreulicher waren Begegnungen mit den norwegischen Namensvettern der Bamberger: "Mit Second Try Norwegen zogen Second Try Franken in Oslo um die Häuser und spielten später noch 40 Kilometer außerhalb in einer Westernstadt für Cowgirls und Cowboys."



Feucht-fröhlich

Der feuchtfröhlichste Gig fand aber sicher beim Blues- und Jazzfestival 2007 statt. "Wir traten im Dauerregen vor rund 300 Leuten auf. Dann fiel der Strom aus - und wir spielten unplugged weiter, während wir durch die Menge liefen." Begeisterte Fans seien der Lohn fürs Durchhaltevermögen der restlos durchnässten Band gewesen.

Apropos Durchhaltevermögen: Wie lange wollen sich Second Try in den kommenden Jahren noch für Fans live ins Zeug legen? "Wir spielen, solange wir altengerechte Bühnen zum Besteigen und Bespielen finden", meint Elmar Pfister. Was Tom Jansky nur bestätigen kann: "Ich krabbel von der Bühne direkt in die Kiste." "Ja, wir machen weiter bis mer dod sind", so Matkovic: Die letzte Band vor dem finalen Soloauftritt dürfte demnach ein Duo sein, von dem er die eine Hälfte bilde. "Und wer sonst übrig bleibt, wird man sehen."



Ja, sie sind älter geworden, die Bandmitglieder von Second Try. Aber leiser sind sie nicht, eher lauter und härter als in der guten alten Zeit. So wird man die Gruppe auch beim Dreikönigstreffen wieder erleben - "mit handgemachter Musik, die mit viel Gefühl und Power auf die Bühne kommt", wie Elmar Pfister verspricht. Von den Südstaaten der USA über Irland und England bis nach Australien führe die "Rock-Reise", die das Publikum erwarte und ein stilistisches Spektrum vom Bluesrock über Southern-Rock, Classic-Rock und Hard-Rock bis hin zum Grunge abdeckt.



"Rock meets Beat"

Zum 14. Mal stehen Second Try beim Dreikönigstreffen übrigens mit der United Beat Band auf der Bühne. "Rock meets Beat", lautet ab 20.30 Uhr im Live Club das Motto, unter dem Klassiker und vielleicht auch die eine oder andere vergessene Songperle aus der Rockhistory zu genießen sind.

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