Bamberg
ICE-Planung

Die Wende in der Bahn-Debatte in Bamberg?

Experten stellen den Ausbaubedarf für die Bahnstrecke durch Bamberg und die Möglichkeit von Betriebsbeschränkungen in Frage. Für den Stadtrat nimmt dies den Zeitdruck, erspart aber nicht die Fragestellung, was das Beste für Bamberg ist.
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Wenn der Tunnel kurz nach der Geisfelder Straße abtaucht, müssen zwei Unterführungen in eine Brücke umgewandelt werden. Aus einer 3-D-Visualisierung der Stadt Bamberg
Wenn der Tunnel kurz nach der Geisfelder Straße abtaucht, müssen zwei Unterführungen in eine Brücke umgewandelt werden. Aus einer 3-D-Visualisierung der Stadt Bamberg
Helmut Müller begann seine Rede mit einem einem Konjunktiv, einer Möglichkeitsform: "Wir könnten", sagte er, "heute schon entscheiden". Was der CSU-Vorsitzende damit meinte, ist das Ausscheiden der beiden noch in der Diskussion befindlichen Varianten der Ost-Umfahrung für den viergleisigen Bahnausbau durch Bamberg. Sie kommen für die CSU offensichtlich nicht mehr in Frage. Dass die Union und in ähnlicher Weise auch die SPD-Fraktion der Ostumfahrung zumindest formal noch eine Galgenfrist gewähren wollten, ist einem Umstand geschuldet: Der Stadtrat will sich von der Bahn nicht auseinanderdividieren lassen, sondern mit einer Stimme sprechen.

Dabei ist es gut möglich, dass nicht nur die Debatte um die Ost-Umfahrung höchst hypothetischen Charakter hatte, sondern auch das Vorhaben insgesamt. Es war eines jener zahlreichen Gutachten aus einer Tagesordnung mit 16 Punkten nur zum Bahnausbau, das für sich in Anspruch nehmen kann, dem Streit in Bamberg eine Wende gegeben zu haben.

Michael Holzhey von der renommierten Managementberatung KCW widerlegte an einer Reihe von Fakten, unter anderem der wachsenden Bedeutung des so genannten Ost-Korridors der Bahn über Hof und Regensburg sowie dem gerichtlich gestoppten Verschwenkgleis in Fürth, was bisher in Bamberg als gesichert galt: dass sich der Güterzügverkehr in den nächsten 15 Jahren verdoppeln würde.

KCW: Bamberg spielt als Verschiebebahnhof nur untergeordnete Rolle
Glaubt man KCW, spielt Bamberg im Verschiebebahnhof der Güter in Zukunft nur eine untergeordnete Rolle: Der prognostizierte Bedarf wächst nur moderat und kann mindestens bis 2030 auf den vorhandenen Gleisen abgewickelt werden. "Hier von einem absolut dringendem Ausbaubedarf zu sprechen, ist eine heroische Annahme", sagte Holzhey und machte den Stadträten Hoffnung, dass dies auch die Bahn erkennt: "Aufgrund der Knappheit der Infrastrukturmittel ist damit zu rechnen, dass der Bund wie auch das Land anderen Vorhaben... eine höhere Dringlichkeit bescheinigen..."

Bei den Räten lösten diese Aussagen Erleichterung aus, weil bekanntlich jede Variante mit erheblichen Nachteilen für Bamberg und seine Bewohner verbunden ist. Dazu zählen nicht nur jahrelange Staus und Behinderungen beim Neubau von vier Gleisen quer durch die ganze Stadt. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz fallen für das Stadtsäckel Millionenbeträge an Eigenleistung an. Kein Wunder, dass Ursula Sowa (GAL) hörbar aufatmete:
"Jetzt ist der Druck weg, unter dem wir lange standen. "

Wie wichtig der Expertenrat war, zeigte sich auch an einer zweiten Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Sie entkräftete jene Hoffnungen in Bamberg, die sich auf alternative Trassen richten. Rechtsprofessor Jürgen Kühling räumte mit der Annahme auf, dass gegen die Bahn und das Eisenbahnbundesamt Betriebsbeschränkungen durchzusetzen seien, falls Bahnunternehmen sich weigern sollten, Alternativstrecken wie eine Ost-Umfahrung oder einen Tunnel zu benutzen. "Das ist ein sehr risikobehaftetes Unterfangen."

Weitere Sondersitzung im Herbst
Was folgt aus den Erkenntnissen? Welche Richtung will der Stadtrat nun einschlagen für das größte Verkehrsprojekt der kommenden Jahrzehnte? Dies soll im kleinen Kreis vor einer weiteren Sondersitzung im Herbst entschieden werden.

Auf Betreiben der Grünen, der Freien Wähler, von SPD-Stadtrat Sebastian Niedermayer und Pankraz Deuber (BUB) wird dabei auch die gedeckelte Güterzugumfahrung mit Westanbindung von "Bahnsinn" noch eine Rolle spielen. Auch die Bamberger Initiative freute sich: Es sei klar geworden, dass der ICE-Halt in keiner Weise in Gefahr sei. Auch müssten sich die Bamberger nicht unter Zeitdruck setzen, sagte Bahnsinn-Sprecher Robert Bartsch.

Viele Fragen sind bis Herbst zu beantworten, nicht nur jene, wie die Bahn mit den neuen Verkehrsprognosen umgeht, oder was mit den vier 100 Jahr alten Bahnunterführungen passiert. Auch die Zukunft des Gärtnerlandes in der Nordflur und der Lärmschutz auf der Bestandsstrecke sind den Stadträten wichtig, wie etwa Klaus Stieringer (SPD) bekannte: "Der Schutz der Menschen ist wichtiger als das Interesse der Bahnkunden auf ein paar Minuten weniger Fahrtzeit."




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