Würzburg
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Die Stadt als Festival-Ort in Franken

In Frankens Innenstädten geht es seit Jahren immer turbulenter zu. Sport, Musik, Zauber und Tanz sollen Besucher anziehen. Und für Umsatz sorgen.
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Das Samba-Festival in Coburg - der Megaevent in der oberfränkischen Residenzstadt.  Foto: Matthias Hoch
Das Samba-Festival in Coburg - der Megaevent in der oberfränkischen Residenzstadt. Foto: Matthias Hoch
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Wohin entwickeln sich Frankens Innenstädte? Zu urbanen Kleinodien mit hoher Lebensqualität? Zu reinen Eventmeilen? Oder zu einer Mischung aus beidem? Fakt ist, Frankens Städte haben in den letzten Jahrzehnten eindeutig an Attraktivität gewonnen. Städtebauförderung, Altbausanierung, das alles hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Natürlich auch die Bemühungen des Stadtmarketing. Die Planung von Großveranstaltungen gehört hier einfach dazu. Events und Festivals, sie dienen nicht nur dazu, zusätzliche Einnahmen zu generieren - das ist gar nicht immer der Fall - sondern auch schlicht der Werbung. Potenzielle Besucher und Investoren sollen angesprochen werden.

Die Städte gehen damit neue Wege. Stellen nicht nur die benötigten infrastrukturellen Dienstleistungen zur Verfügung, betätigen sich auch im unternehmerischen Management. Als Wirtschaftsförderer, Tourismusmanager. Und inszenieren sich dabei gern selbst. Nicht immer nur zur Freude der Innenstadtbewohner. Immerhin: Einer Untersuchung von Bamberger Studenten der Kulturgeographie zufolge fühlt sich die große Mehrheit der Innenstadtbewohner in Bamberg sehr wohl. Trotz negativer Auswirkungen vieler Veranstaltungen. Die Rolle der Stadt hat eine gewisse Wandlung erfahren. Events in der City, sie wurden Selbstverständlichkeit. Ob auch alle Sinn machen, steht dahin.
 


Bamberg: Zauber mit Grenzen



Im Sommer gibt es in der Welt erbestadt Bamberg nahezu jeden zweiten Tag irgendeine Veranstaltung. Da mischt sich Traditionelles mit Neuem. Sandkerwa und Weihnachtsmärkte, all das hat Tradition. Inzwischen sind dank eines rührigen Stadtmarketing auch Events wie "Bamberg zaubert" oder das "Blues und Jazz-Festival" zu echten Rennern beim Publikum geworden. In Bamberg kommt das Public Viewing auf dem Maxplatz hinzu. Beliebt besonders bei den Basketballfreaks. Wenn es, wie in den letzten Jahren häufiger, eine Meisterschaft zu feiern gab, herrschte Ausnahmezustand in Bambergs Zentrum. Für Ralf Haupt, den zuständigen Ordnungs- und Sozialreferenten der Stadt, ist denn auch in Sachen Events in der Innenstadt die Grenze des Vertretbaren erreicht.
Klar locke das historische Ambiente der Stadt viele Besucher an, es müssten aber auch die berechtigten Interessen der Innenstadtbewohner berücksichtigt werden. Die wollen halt auch mal ihre Ruhe haben. Weshalb man neue Veranstaltungswünsche im Zentrum schon mit kritischen Augen sieht. Dem Wunsch, zum Beispiel nach einem "White Dinner" auf dem Maxplatz, habe man deshalb nicht entsprochen.




Coburg: Nicht nur Samba

Sind in Coburg die Grenzen der Eventisierung der Innenstadt erreicht? Immerhin gibt es jährlich das berühmte Sambafestival, zu dem weit über 100 000 Besucher in die Residenzstadt kommen. Oder das "Klassic-Open-Air" im Rosengarten. Dann noch das jährliche Treffen der Landsmannschaften im Coburger Convent am Pfingstmontag. Michael Böhm vom Coburger City-Marketing setzt weniger auf zusätzliche Events in der Innenstadt, vielmehr auf eine qualitative Aufwertung. Weil man in Coburg schon seit Anfang der 90er Jahre Erfahrungen mit Veranstaltungen im Innenstadtbereich sammeln konnte. Und das von April bis September. Mit einigen Events möchte man gezielt die Bürger der Stadt ansprechen. Dem "Klassic-Open-Air" zum Beispiel, oder dem "Coburger Klößmarkt". Die würden in der Bevölkerung auf große Akzeptanz stoßen, so Böhm. Ebenso die verkaufsoffenen Sonntage. Wichtig sei immer, "dass das Format der Veranstaltungen auch zum Ambiente passt", erklärt der City-Manager. Sportveranstaltungen wie ein Beachvolleyball-Turnier auf dem Marktplatz kommen für ihn deshalb nicht in Frage. "Das passt einfach nicht"



Würzburg: Immer größer

Immer mehr und immer größere Veranstaltungen. Das ist ein auch in Würzburg zu registrierender Trend. So z.B. die BR-Radltour mit Tausenden von Radfahrern vor der Würzburger Residenz, das Afrika-Festival, nicht unmittelbar im Zentrum, aber zentrumsnah, dazu die nahezu schon traditionellen Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Weindorf oder Kiliani-Markt.

Das Stadtmarketing "Würzburg macht Spaß" hat sich zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe organisierter Veranstaltungen jedes Jahr zehntausende Besucher und Gäste in die Stadt zu locken. Ziel: Kaufkraft an Würzburg binden, Werbemöglichkeiten generieren und für zusätzliche Frequenz und erhöhten Umsatz sorgen. Wer profitiert? In erster Linie der Einzelhandel und die Gastronomie. Mit Veranstaltungen wie einem Stadtfest Mitte September oder einem verkaufsoffenen "Mantelsonntag" Ende Oktober. Seitens der Stadt begrüßt man diese Bemühungen zur Belebung der Innenstadt durchaus. Pressesprecher Christian Weiß kennt natürlich auch die Sorgen mancher Innenstadtbewohner, wegen nächtlichen Lärms. Aber: Aus Sicht der Stadt noch hinnehmbar.



Kulmbach: Events zutr Belebung

Großveranstaltungen in der Innenstadt gibt es selbstverständlich auch in Kulmbach. Die jährliche Motorradsternfahrt beispielsweise, mit einigen tausend Teilnehmern. Oder das Altstadtfest und das Oldtimertreffen auf dem Gelände der Kulmbacher Brauerei. Nicht zu vergessen natürlich die Kulmbacher Bierwoche, die jedes Jahr Gäste von überallher in die Innenstadt lockt. Simon Ries, Pressesprecher der Stadt: "Wir brauchen diese Aktivitäten zur Belebung unserer Innenstadt."

Es gelte den Handel in der Innenstadt nach Kräften zu unterstützen. Vom Trend her möchte man die Aktivitäten in der Innenstadt also eher noch etwas ausbauen. Wobei man allerdings nicht so sehr auf Quantität, sondern mehr auf Qualität setzt. Beispiel Adventsmarkt: Der fand früher vier Wochen lang vor Weihnachten statt und dümpelte so dahin. Jetzt habe man sich auf ein Wochenende konzentriert, und diese Konzentration werde von der Bevölkerung sehr gut angenommen.Um mehr Besucher in die Innenstadt zu locken, setzt man zudem auf eine im August stattfindende "Italienische Nacht", auf einen Innenstadt-Flohmarkt oder auch ein lange Einkaufsnacht. Alle zwei Jahre gibt's zudem einen Mittelaltermarkt.


 

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