Bamberg
Einblicke

Die Schüler aus der "Spusi" - Gymnasiasten lösen Kriminalfall an der Uni Bamberg

Tatort Universität Bamberg: Dort waren 17 Gymnasiasten einen ganzen Nachmittag lang Forensiker und haben einen Kriminalfall gelöst.
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Auf der Suche nach Haaren und anderen DNA-Spuren am Tatort: Teilnehmer des Workhops an der Uni Bamberg.  Fotos: Ronald Rinklef
Auf der Suche nach Haaren und anderen DNA-Spuren am Tatort: Teilnehmer des Workhops an der Uni Bamberg. Fotos: Ronald Rinklef
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Wenn Tanja Zacher einen Krimi liest, kann sie manchmal nur den Kopf schütteln. Heute technische Assistentin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, war sie früher selbst am Institut für Rechtsmedizin in Erlangen und Freiburg tätig. Sie weiß: Im wirklichen Leben läuft es an einem Tatort schon mal anders ab, als es in Filmen und Büchern beschrieben wird. Doch wie?

Zum Beispiel so, wie es die Teilnehmer des Seminars "Dem Täter auf der Spur - Forensik trifft Genetik" gemacht haben. Das Verbrechen, es geschah im Noddack-Haus der Uni am Markusplatz, die Täter sind längst weg. Doch neben einer Erpresser-Mail haben sie noch etwas hinterlassen: Fingerabdrücke auf der Computertastatur und dem Tisch. Der Chemiesaal war kurz vor dem "Vorfall" gereinigt worden, die Fingerabdrücke können gut genommen werden - "ein Idealfall für Forensiker", sagt Kursleiterin Tanja Zacher.


Zwei Personen hatten Zugang

Die Polizei hat bereits die IP-Adresse zurückverfolgt, von der aus die Nachricht versandt wurde, außerdem ist klar: Zum Tatzeitpunkt hatten nur zwei Personen Zugang zu diesem Computer, die beiden Männer stehen nun als Tatverdächtige fest. Das Ziel: Ihr genetischer Fingerabdruck soll mit DNA-Spuren vom Tatort verglichen werden.
Die Aufklärung ist Sache der Schüler, 17 Teilnehmer ab der zehnten Klasse Gymnasium. Sie kommen aus ganz Oberfranken - Wunsiedel, Hof, Coburg und Bamberg. Und: Sie wollen hier sein, haben eigens ein Bewerbungsschreiben verfasst, um vier Stunden lang in die Rolle eines Forensikers schlüpfen zu dürfen und einen Kriminalfall zu lösen.

Organisiert wurde der Workshop von der Professur für Didaktik der Naturwissenschaften, das Seminar-Angebot stammt aus dem Schülerforschungszentrum der Technologieallianz Oberfranken (TAO). Das Pilotprojekt wird wohl keine einmalige Sache bleiben. "Wir hatten viele Anmeldungen und positives Feedback", merkt Zacher an. Ihr Ziel: "Einblicke in dieses Gebiet schaffen." Solche hatten die Schüler in der Tat - als Kriminalstatistiker, Polizeibeamte, Mitarbeiter aus der Spurensicherung, kurz "Spusi" oder dem Labor.

Der Verdacht: Michael Bail, Kontaktlehrer der TAO für Schüler aus dem Raum Bamberg, oder Jürgen Paul, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Didaktik der Naturwissenschaften, - einer der beiden muss der Täter sein.

Von beiden Männern nahmen die Schüler mit dem Wattestäbchen sogenannte Wangenschleimhautabriebe. Diese verglichen sie mit den DNA-Spuren auf der Tastatur. "Stimmt eine Probe mit der vom Tatort überein, ist klar: Diese Person hat dort ihre Spuren hinterlassen." Am Ende fanden die Schüler heraus: Es war der Kontaktlehrer, überführt durch seinen "genetischen Fingerabdruck".


DNA gespeichert?

Tanja Zacher nutzt das FT-Gespräch, um mit Vorurteilen aufzuräumen. So kursiere in der Volksmeinung etwa der Verdacht: "Da wird meine DNA gespeichert."

Die Fachfrau stellt klar: "Wir können keine Aussage über mögliche Krankheiten, die Haarfarbe oder die Augenfarbe treffen." Gespeichert würden nur "ganz kleine Bereiche". Es gehe um "individuelle Zahlen" des genetischen Materials, das keine Rückschlüsse auf die Person zulassen würde.
Den Schülern jedenfalls genügen die Rückschlüsse, die sie ziehen konnten, um den "Täter" zu überführen. Sie stellten fest: Als Nachwuchs-Forensiker jongliert man mit jeder Menge Zahlen. Da geht es um Mengen- und Temperaturangaben oder die Zusammensetzung von Extraktionslösungen. Doch die Schüler, alles schlaue Köpfe, behielten den Überblick.

Vielleicht werden sie den nächsten "Tatort" im Sonntagabendprogramm im Fernsehen nun mit anderen Augen verfolgen. Tanja Zacher merkt an: "In Krimis gibt es riesige Unterschiede. Doch gerade der Münsteraner ,Tatort‘ mit Professor Boerne ist fachlich sehr fundiert."



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