Bamberg
Kulturdialog

Die Kunst braucht mehr Platz in Bamberg

Die Verortung von Kultur stand im Mittelpunkt der Diskussion im Harmoniesaal. Die Kulturschaffenden fordern für Bamberg mehr Aktionsräume. Städte wie Erlangen und Nürnberg zeigen, was möglich ist.
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Das Kesselhaus des ehemaligen Krankenhauses ist ein gelungenes Beispiel für Raumgestaltung im Interesse der Kunst. Foto: BBK
Das Kesselhaus des ehemaligen Krankenhauses ist ein gelungenes Beispiel für Raumgestaltung im Interesse der Kunst. Foto: BBK
Ein leises Raunen geht durch den grünen Saal der Harmonie, als Eva Bär, Geschäftsführerin der Musikzentrale Nürnberg, und Berndt Urban, Geschäftsführer des E-Werks Erlangen, beim fünften Kulturdialog der Stadt Bamberg die Zahlen für ihre institutionelle Förderung nennen - und diese jenseits der halben Million Euro Marke liegen. Zum Vergleich: Bamberg investiert aktuell weniger als 200 000 Euro in seine Kultur. Wobei der größte Teil der Ausgaben fest gebunden ist, beispielsweise für die Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie oder das E.T.A.-Hoffmann-Theater.

Doch nicht die Finanzen standen im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung, sondern die Frage, ob es genügend Räume für kulturelle Angebote in der Stadt gibt und wie man gegebenenfalls neue Örtlichkeiten schaffen könne. Einen dringenden Bedarf nach Aktionsräumen sah unter anderem Tilman Kallenbach vom "Kontakt - Das Kulturprojekt". So sei man ständig auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für das Kulturfestival. "Aber auch der Kulturtreff ,Balthasar', den wir vor sieben Jahren gründeten, gelangt immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen", erläuterte Kallenbach.


Gaststätte und Kesselhaus

Kurzzeitig, so erwiderte Kulturreferent und Bürgermeister Christian Lange (CSU), habe man die ehemalige Schlachthof-Gaststätte für eine einmalige Nutzung freigegeben. "Der Schlachthof ist zunächst nur ein Versuch. Wenn aber alles gut läuft, kann ich mir durchaus vorstellen, die Räumlichkeiten öfters zu nutzen", sagte Lange. Zudem freute sich der Bürgermeister, dass man mit dem Kesselhaus einen Raum für zeitgenössische Kunst zumindest für die nächsten drei Jahre gefunden hat. Ferner werden in den nächsten Tagen in der Alten Seilerei auf dem Schäfflergelände neue Räumlichkeiten für das Kindertheater Chapeau Claque eröffnet, die sicherlich auch für andere Kulturschaffende genutzt werden könnten. "Unsere größte Hoffnung jedoch setze ich auf die Lagarde-Kaserne. Hier kann ein neuer Stadtteil für Kunst, Kultur und Kreativität entstehen", so der Bürgermeister.

Ein weiteres Ziel der Stadt sei es, Kulturschaffende und Schulen miteinander zu verknüpfen. Daher wird demnächst ein Pilotprojekt an der Heidelsteigschule installiert. Der Vorteil dabei: Die Räumlichkeiten stünden gleich mit zur Verfügung.


Handlungsbedarf

Doch reicht das Angebot auch für den stetig wachsenden Bedarf? Tilman Kallenbach sieht noch Handlungsbedarf bei der Schaffung eines Saales, der zwischen 200 und 500 Menschen Platz bietet. Der Wunsch einer der anwesenden Zuhörer nach der Nutzung des Hallenbades für die Kultur wird sich aber laut Bürgermeister nicht umsetzen lassen können, da die Räumlichkeiten bereits für die Universität vorgesehen seien.

Ein Blick nach Erlangen und Nürnberg zeigte derweil, dass beide Städte aktuell ausreichend Platz für kulturelle Angebote aufweisen. Allerdings, so betonten Eva Bär und Berndt Urban, hätten sowohl Erlangen als auch Nürnberg in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich stets neue Kulturräume geschaffen. Und - wie im Beispiel Erlangen - auch auf Konversionsflächen.

Die Diskussionen des Kulturdialogs, welche regelmäßig kulturpolitische Fragestellungen behandeln, verstehen sich als Hilfestellung für Künstler, Kulturschaffende, Verwaltung und Politik. Moderiert wurde der jüngste Kulturdialog vom Journalisten und Schriftsteller Peter Braun sowie von Oliver Will von der Stadt Bamberg.



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