Bamberg

Die Kleinsten als Konzertpublikum

Ein mittelfränkisches Trio bietet seit Februar "Nestmusik". Nach Bamberg kommen die Musikerinnen am 30. April. Wir sprachen mit der Initiatorin.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein "Nestmusik"-Konzert, bei dem die Jüngsten willkommen sind.  Foto: Nestmusik
Ein "Nestmusik"-Konzert, bei dem die Jüngsten willkommen sind. Foto: Nestmusik
Einige Konzertbesucher kommen mit ihrem Schnuller. Statt Abendgarderobe tragen viele Zuhörer Windeln, während Klezmer oder klassische Melodien erklingen: Für Kinder unter drei Jahren präsentieren Eva Ohmayer, Julia Grünsteidel und Carolin Rottler als Musikerinnen aus dem Fürther Raum am 30. April in der Alten Seilerei "Nestmusik". Wir sprachen mit der Initiatorin über das denkbar unkonventionelle Angebot für junge Familien.

Zunächst mal: Wie kommt man darauf, Irish Folk, Klezmer und Tango für Wickelkinder zu spielen?
Carolin Rottler: Die Idee verdanke ich im Grunde meiner Tochter Lena. Durch sie bekam ich mit, dass es kaum kulturelle Angebote für Kinder unter drei Jahren gibt. Meine Zwillingsschwester - Julia Grünsteidel - gab während ihres Saxophonstudiums aber Konzerte für Jungen und Mädchen im Grundschulalter. Darüber kamen wir auf den Gedanken, "Nestmusik" für die Jüngsten zu bieten. Eva, die einen zweieinhalbjährigen Sohn (Jakob) hat, mussten wir nicht lange überzeugen.



Auszeichnung gewonnen

Standen Sie zuvor schon gemeinsam auf der Bühne?
Ja, mit Eva und Julia gründete ich 1998 das Folkensemble TwinsEt, mit dem wir 2004 auch den Talentpreis des Fürther Theatervereins gewannen. Über die Fürther Musikschule hatten wir uns mit 14 Jahren bereits kennen gelernt.

Wie muss man sich "Nestmusik"-Konzerte vorstellen?
Als kulturelle Veranstaltungen, bei denen die Allerkleinsten einmal nicht nur geduldet werden, sondern willkommen sind. Sie müssen auch nicht stillsitzen, sondern dürfen machen, was sie wollen: Rasseln, Herumhopsen, Johlen, Klatschen - was immer den Zwergen einfällt. Es gibt keine Bestuhlung. Stattdessen bringen Eltern Krabbeldecken mit, die für Nestwärme sorgen: Dafür, dass sich die Kleinen wohlfühlen und entsprechend entfalten können.



Es blieb ungewöhnlich still

Wie haben sich die Ein-, Zwei- und Dreijährigen bei Ihren Auftritten schon "entfaltet"? Stimmten Sie keine "Parallelkonzerte" an, die störend wirkten?
Im Februar gaben wir in Zirndorf unser erstes "Nestmusik"-Konzert. Das erlebten um die 50 Kinder, die während der ersten Stücke tatsächlich mucksmäuschenstill waren. Das erwartete Chaos blieb aus. Es dauerte, bis die Kleinen warm wurden, irgendwann auch im Takt mitwippten, klatschten und tanzten. Kinder spielten mit Rasseln oder mit unseren Tüchern. Alles aber blieb im Rahmen. Beim zweiten Konzert in Erlangen war's im Saal von Anfang an deutlich lauter, wofür aber die älteren Geschwister der Babys sorgten. Ein wunderbares Erlebnis war's trotzdem, wie uns Eltern im Nachhinein versicherten.



Auch für die Eltern

Wie unterscheidet sich Ihre "Nestmusik" von herkömmlichen Angeboten für Erwachsene?
Gar nicht. Wir bleiben uns als Trio treu und bieten ganz bewusst keine Kinderlieder zum Mitsingen an. Ein breitgefächertes musikalisches Repertoire von Renaissanceklängen über klassische Melodien bis hin zu Irish Folk, Tango und Klezmer erwartet Besucher. Schließlich sollen unsere Konzerte auch die Eltern genießen, die wir mit Gitarre, Geige, Saxophon, Marimbaphon und Percussion erwarten.

Setzen Sie auch im Alltag beim Umgang mit Ihrer Tochter auf Musik?

Ja, beispielsweise, um meine Kleine abends vor dem Schlafengehen zu beruhigen. Bei langen Autofahrten bieten Kinderlieder Unterhaltung: Klänge zum Mitklatschen und Mitsingen. Viele Situationen lassen sich mit Musik positiv beeinflussen. Sie ist wichtig für die Entwicklung der Jungen und Mädchen. Musik lässt Musikalität wachsen. Jedes Kind ist ja musikalisch, auch wenn es kein zweiter Paganini wird. Ich selbst komme aus einer sehr musikalischen Familie und habe von der Früherziehung in der Musikschule sehr profitiert. Vielleicht hätte ich sonst nie musiziert.

Gibt es neben "Nestmusik" eigentlich andere Musikensembles, die für Wickelkinder ein derart breitgefächertes Repertoire spielen?
Klassische Konzerte für die Jüngsten werden in Würzburg und Nürnberg angeboten. Klassische Musik spielen ja auch viele Eltern ihren Kindern schon während der Schwangerschaft vor, weil sich das angeblich beruhigend auswirkt. Wir aber meinen, Musik muss vor allem Spaß machen. So gibt's bei uns auch Klezmer und Irish Folk für die Jüngsten, womit wir sicher noch immer eine weitgehende Ausnahmeerscheinung sind.


Alle Infos auf einen Blick

Am 30. April gibt's in der Alten Seilerei ab 10.30 Uhr "Nestmusik" als Konzert "für die Allerkleinsten". Eva Ohmayer, Carolin Rottler und Julia Grünsteidel, die auch als Ensemble TwinsEt bekannt sind, spielen. Tickets gibt's vorab übers Web.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren