Bamberg
Sanierungsabschluss

Die Heiligen kehren zurück

Vor dem 300. Ortsjubiläum der Englischen Fräulein wurde die barocke Institutskirche am Holzmarkt innen generalüberholt. Bauträger ist das Erzbistum Bamberg.
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Schwester Ursula Dirmeier und Architekt Alwin Zenkel (rechts) freuen sich mit Mitarbeitern der Kirchenmalerfirma Hofmann (Königsfeld) über die Rückkehr der restaurierten Heiligen in die Institutskirche. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Schwester Ursula Dirmeier und Architekt Alwin Zenkel (rechts) freuen sich mit Mitarbeitern der Kirchenmalerfirma Hofmann (Königsfeld) über die Rückkehr der restaurierten Heiligen in die Institutskirche. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Schwester Ursula Dirmeier gluckst fröhlich: "Jesus wartet mit einem Rucksack vor der Sakristei!" Die Hausoberin der Congregatio Jesu ("Englische Fräulein") lotst die Besucherin durch die Hausgänge an der Institutskirche am Holzmarkt und löst auch das Rätsel: Es ist leider nicht so, dass der Heiland höchstpersönlich in seine Kirche zurückkehrt, sondern nur sein hölzernes Abbild. Das allerdings gereinigt, farblich aufgefrischt, frei von Blessuren. Da wirkt der Rucksack, den ein Scherzbold diesem Jesus vor die Füße gelegt hat, geradezu als Signal für einen Aufbruch zu neuer irdischer Wanderschaft.

Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis zwei kräftige Männer der Kirchenmalerfirma Hofmann (Königsfeld) die Figur auf ein Wägelchen hieven und die kostbare Fracht in das Kirchenschiff rollen.
"Die Heiligen kehren zurück!", freut sich Schwester Ursula, zumal kurz nach Jesus auch seine Mutter Maria wieder ihren angestammten Platz auf dem linken Seitenaltar einnehmen kann. Nepomuk und Franziskus Xavier, Josef und die vier Evangelisten, Helena und diverse Engel sind noch in der Warteschleife: "Wir sind dankbar für jeden Heiligen, der wiederkommt!", sagt die Ordensfrau, dieser Doppeldeutigkeit ihrer Aussage durchaus bewusst.

Vor allem der Zeitpunkt dieser Wiederkehr scheint perfekt gewählt: 2017 jährt sich die Ankunft der Englischen Fräulein in Bamberg zum 300. Mal. Da ist es natürlich eine glückliche Fügung, dass sich die Institutskirche nun mit frischem Antlitz präsentieren kann. Kurz nach Ostern 2016 begann die Innensanierung, die nun fünf Monate später nahezu abgeschlossen ist. Die Orgel aus dem Jahr 1983 muss noch gereinigt werden. Auch das gewaltige Kruzifix an der rechten Längswand (um 1500, aus der alten Martinskirche) benötigt einige Retuschen.

"Die Arbeiten sind reibungslos durchgegangen, es war alles gut vorbereitet", erklärt der Bamberger Architekt Alwin Zenkel, der für die Umsetzung des Sanierungskonzeptes und die Koordinierung mit dem Landesamt für Denkmalpflege verantwortlich zeichnet. Federführend war Diözesanarchitekt Karl-Heinz Rottmann aus der Bauabteilung des Erzbischöflichen Ordinariates. Schließlich ist das Erzbistum Bamberg seit 2011 Baulastträger der Institutskirche, die es zusammen mit dem Schulkomplex - Maria-Ward-Realschule und -Gymnasium - übernommen hatte.

"Die letzte Sanierung lag über 30 Jahre zurück", begründet Rottmann die Generalüberholung des Gotteshauses im Inneren. Die Raumschale mit der gewölbten Decke bekam den zwingend notwendigen Neuanstrich, die Altäre und eben die Heiligenfiguren wurden restauriert oder die Bänke teilweise erneuert, da das Unterholz morsch war. Neue Fenstervorhänge halten die schädliche UV-Strahlung ab, und eine neue Mikrofon- und Verstärkeranlage samt Induktionsschleife erlaubt den Gottesdienstbesuchern ein gutes Zuhören.


Besonderer Stellenwert

Die Gesamtkosten der Maßnahmen belaufen sich auf rund 400 000 Euro, die das Erzbistum Bamberg allein trägt. Und zwar für eine Kirche, die in Bamberg ihren besonderen Stellenwert hat. Nicht nur als "Klosterkirche", die von den Ordensschwestern täglich für Stundengebete, Anbetung, Rosenkranzandacht genutzt wird, sondern die als "Verweilkirche einlädt, in die die Leute zum Beten und Kerzen anzünden kommen", weiß Schwester Ursula. Außerdem werde jeden Tag darin die Eucharistie gefeiert: Messen, die auch werktags gut besucht seien.

Die Institutskirche ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Sie wurde zwischen 1724 und 1727 von Johann Friedrich Rosenzweig erbaut. Der einschiffige Barockbau mit schlankem Dachreiter ist in den Gebäudekomplex integriert. Das Innere der Kirche wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ausgestaltet.
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