Er wollte etwas, das so richtig "Bumm!" macht - und dann hat er es doch einfach platzen lassen. Die Stimme von Gemeinderat Matthäus Metzner (FL-ÜWG) fehlte den Befürwortern eines Architektenwettbewerbs für die neue Bücherei in Stegaurach. Bei Stimmengleichheit (9:9) wurde der Antrag von Bürgernaher Liste (BNL) und Grünen abgelehnt. Gegen einen Wettbewerb sprachen sich neben Metzner geschlossen die Gemeinderäte der CSU aus. Hauptargument der Gegner: die Kosten.

Einstimmig hatte das Gremium zuvor noch die Kriterien für den Neubau festgelegt. Dazu gehört vor allem, dass die Vorstellungen des Büchereiteams so weit wie möglich verwirklicht werden und dass für das Gebäude ein Passivhaus-Standard angestrebt wird. Wer die Vorstellungen für die allseits als Vorzeigeprojekt gewünschte Bücherei realisieren soll, ist allerdings umstritten. Vor 14 Tagen hatte deshalb im Bürgersaal eine Informationsveranstaltung stattgefunden, bei der Kreisbaumeisterin Gabriele Pfeff-Schmidt und Oliver Voitl von der Bayerischen Architektenkammer über die Durchführung von Architektenwettbewerben aufklärten. Diese seien, so ihr Fazit, eine rechtssichere und kostengünstige Methode auch für Projekte in der Größenordnung der geplanten Bücherei.

Bürgermeister Siegfried Stengel (CSU) machte in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend dennoch keinen Hehl daraus, dass er sich einen "Architekten des Vertrauens" wünscht, mit dem alles konkret besprochen werden könne. CSU-Gemeinderat Daniel Palasti schloss sich an: Voitl habe Werbung für seine Zunft gemacht, die genannten Kosten von 12.000 Euro für Wettbewerbspreise seien aber unrealistisch, mann müsse mit mindestens 20.000 bis 30.000 Euro rechnen. Und das schon bei einer Bausumme von rund einer Million Euro, wie sie für die Stegauracher Bücherei im Raum steht. Zudem liege das Angebot des Erzbischöflichen Bauamts vor, die Planung kostenfrei zu übernehmen - als Beitrag der Kirche, die über den St. Michaelsbund Mitträger der Bücherei ist. Bis zu 120.000 Euro Architektenhonorar könne man sich so sparen, insgesamt also 150.000 Euro, wenn man auf den Wettbewerb verzichte, rechnete Palasti vor. Außerdem habe man dann mehr Mitspracherecht, als bei "einem fremden Architekten, der seinen Entwurf durchsetzen will". Und Manfred Amon (CSU) vertrat die Ansicht, Wettbewerbe seien nur etwas für Projekte von sechs Millionen Euro aufwärts.

Ganz anders sah das Ute Trepesch, die für die BNL den Antrag auf einen Wettbewerb begründete. Sie wies darauf hin, dass es sich in dieser Größenordnung um einen Einladungswettbewerb handle. Man können sich also vorher anschauen, wer geeignet sei. Für die vielfältigen und anspruchsvollen Vorgaben die beste Lösung zu bekommen, sei mit einem Wettbewerb am wahrscheinlichsten. "Wir nehmen für dieses Projekt eine Menge Geld in die Hand. Da sollten wir nicht am falschen Ende sparen. Wir brauchen unbedingt einen Wettbewerb", forderte sie.
Dem schlossen sich auch Claudia Musig und Bernd Fricke für die Grünen an. Fricke wies zudem darauf hin, dass der Architekt des Dombergs gar nicht umsonst arbeiten dürfe. "Er muss nach HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) abrechnen. Wenn nicht wäre es rechtswidrig." Das habe ihm Oliver Voitl von der Architektenkammer bestätigt. Gute Argumente gebe es für beide Verfahren. "Wir haben doch Geld. Das sollten wir nicht zum Fenster rausschmeißen." Aber nach dem Motto: "Wir schenken uns einen tollen Büchereibau" sei der spannende, kreative und kommunikative Prozess eines Wettbewerbs vorzuziehen.

Joseph Höpfner (SPD) konterte das Kostenargument aus den Reihen der CSU mit der Erkenntnis aus dem Vortrag von Voitl, wonach Wettbewerbe keine Kostenmehrung, sondern in der Regel eine Ersparnis von mindestens zehn Prozent bei Bauvorhaben brächten. "Wer kann da noch dagegen sein?", fragte er in die Runde. Schließlich plädierte auch Thilo Wagner (FL-ÜWG) für den Wettbewerb. Man erkundige sich, wer Erfahrung habe, suche danach die Teilnehmer aus und wähle den besten Vorschlag. "Das wäre die optimale Lösung", griff er wie seine Vorredner mit anderen Worten das "Es muss bumm machen!" seines FL-ÜWG-Kollegen Matthäus Metzner auf. Metzner selbst meinte, "100.000 Euro sparen wäre schon recht. Aber ich will einen Wettbewerb - warum keinen Ideenwettbewerb?" Man suche sich das Beste daraus aus und lasse es dann vom Architekten des Erzbischöflichen Ordinariats umsonst ausführen. Damit griff er einen bereits zu den Akten gelegten Vorschlag auf, von dem die Kreisbaumeisterin und das Landratsamt aus rechtlichen Gründen dringend abgeraten hatten.

Bei der anschließenden Abstimmung schloss sich Metzner dann den acht CSU-Räten an und votierte gegen den Wettbewerb. Das weitere Vorgehen in Sachen Bücherei in Stegaurach ist damit wieder völlig offen - obwohl sich alle Beteiligten möglichst bald die beste Lösung wünschen.