Ist die Bamberger Oberbürgermeisterwahl eine "gmahde Wiesn" für Amtsinhaber Andreas Starke? Nein, sagt sein SPD-Parteigenosse, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude etwas zugespitzt. Bei der Neujahrsmatinee am Samstag im Harmoniesaal warnte er davor zu glauben, es sei für den SPD-Kandidaten "alles im Kasten". Es komme ausschließlich auf die abgegebenen Stimmen an, weshalb Starkes Anhängerschaft nun dafür sorgen müsse, dass möglichst viele Bamberger am 11. März zur OB-Wahl gehen. Wenn es gelinge, eine hohe Wahlbeteiligung zu erzielen, "dann allerdings mache ich mir überhaupt keine Sorgen mehr".

Zu Beginn seiner Rede bemühte sich Ude, den Eindruck vergessen zu machen, er sei ausschließlich auf die Landeshauptstadt fixiert.

Er nannte als Stationen seiner Franken-Tour an diesem Wochenende Veitshöchheim, Würzburg, Bamberg und Aschaffenburg, um anschließend bei einem Vergleich zwischen München und Bamberg unter Beweis zu stellen, dass er über Bamberg durchaus gut Bescheid weiß.

Lob gab es von Ude nicht nur für die geschichtlichen und architektonischen Glanzlichter der Welterbestadt, sondern auch für die boomende Universität und zukunftsweisende Investitionen wie das neue, nach Passivhaus-Standard errichtete Hallenbad: "Wohl den Städten, die noch eigene Stadtwerke haben" und die nicht der Verlockung des schnellen Geldes durch Privatisierung erlegen seien, sagte Ude. Die Verringerung der Schuldenlast von 37 auf 32 Millionen Euro in der Amtszeit Starkes rang dem Münchner OB Bewunderung ab. Das beweise, dass "Sozis sorgfältig mit Geld und Finanzverantwortung umgehen können". Ganz anders als die bayerische Staatsregierung, deren versprochenen Schuldenabbau er für eine "absolut unseriöse, schillernde Seifenblase" hält.

Sowohl in der Landeshauptstadt als auch in Bamberg sei die Kehrseite des Erfolges die Wohnungsnot.

Leider gebe es nur eine geringe parlamentarische Bereitschaft, die Wohnungsbauförderung wieder als öffentliche Aufgabe zu begreifen. In Starke sieht er bei diesem Thema einen Bündnispartner.
Oberbürgermeister Starke hatte zuvor in seiner eigenen Rede auf "sechs gute Jahre für Bamberg" unter seiner Amtszeit zurückgeblickt und betont, dass sich die Bürger mit ihrer Stadt und ihrer Heimat stärker identifizierten als das anderswo der Fall sei. Mit Blick auf den bevorstehenden Abzug der US-Garnison warnte er davor, "dass man mit dem Feuer spielt und die Flächen teuer redet". Die Stadt müsse Herr des Verfahrens bleiben, damit die Flächen nicht Spekulanten und Grundstückshaien in die Hände fallen.
Christian Ude zog aus Starkes Rede den Schluss, dass der Bamberger OB "mit einer Leistungsbilanz und nicht mit leeren Versprechen" in den Wahlkampf gezogen sei.