Bamberg
Obere Brücke

Bamberg: Die Brückensperre und ihre Folgen

Jahrelang wurde die Sanierung der Oberen Brücke immer wieder verschoben. Jetzt ging es plötzlich ganz schnell. Die Blitz-Sperrung und ihre Folgen.
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Solidaritätsbekundung auf der Oberen Brücke: Gastronomen von rund 30 Betrieben ärgern sich über den Umgang der Stadt mit Gewerbetreibenden.   Fotos: Ronald Rinklef
Solidaritätsbekundung auf der Oberen Brücke: Gastronomen von rund 30 Betrieben ärgern sich über den Umgang der Stadt mit Gewerbetreibenden. Fotos: Ronald Rinklef
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Es war eine Art Blitz-Sperre. Fast so wie sie am 15. März, also heute in zwei Wochen, die Obere Brücke ganz offiziell ereilt. Etliche Mitglieder des Hotel- und Gaststättenverbands probten am Montag mit ihrem Kollegen Reinhold Grill von der Rathausschänke den Schulterschluss quer über das umstrittene Pflaster hinweg. Ein paar Sekunden war kein Durchkommen mehr. "Wir verstehen die Nöte unseres Kollegen sehr gut. A und O für die Betriebe sind bei einer Baustelle die rechtzeitige Einbindung", sagte Vorsitzender Florian Müller.

Ein Klassiker in einer Stadt wie Bamberg. Immer wieder müssen Gewerbetreibende mit Baustellen leben, nicht in jedem Fall fühlen sie sich optimal behandelt. Gar nicht so selten landen solche Fälle auch vor Gericht. Auch bei der Oberen Brücke ist der Ärger groß: Jahrelang war die Baumaßnahme vom Stadtrat immer wieder verschoben worden. "Kein Geld da" hieß es wiederkehrend vor den Haushaltsberatungen! 2016 musste alles ganz schnell gehen: Über ein Dutzend Gewerbetreibender an der Oberen Brücke erhielten die Nachricht einer viermonatigen Vollsperre gerade mal vier Wochen vor ihrem Beginn - zu spät, um auf die unvermeidlichen Folgen reagieren zu können.

Doch die Betroffenen sind der Stadt nicht schutzlos ausgeliefert. Sie können auf eine Rechtsposition bauen, wie Veit Schell, Bamberger Fachanwalt für Verwaltungsrecht und für Baurecht, sagt. Entsprechend Artikel 14 im Grundgesetz ist sogar Entschädigung drin, wenn der Nachweis gelingt, dass der Eingriff der Stadt in das Eigentumsrecht stärker erfolgte als nötig oder wenn er unverhältnismäßig war. Allerdings rät Schell, zuvor alles zu versuchen, dass der Geschäftsbetrieb möglichst wenig belastet wird - etwa durch Baulose, um die Arbeiten zeitlich und örtlich zu staffeln.

Auch die Stadt steckt im Dilemma. Hebt sie die bereits vollzogene Ausschreibung wieder auf, muss sie mit Regressforderungen des betroffenen Bauunternehmens rechnen. Eine Verschiebung der Arbeiten auf 2017, wie von den Wirten gefordert, würde außerdem die Risiken erhöhen, dass künftige Baumaßnahmen noch länger dauern, sagt Baureferent Thomas Beese und weist auf die schlechte Note der letzten Brückenprüfung hin. Hier sank die Bewertung der Experten von 3,0 auf 3,2. Ab 3,5 müsse die Brücke gesperrt werden.

Nach der öffentlichen Kritik versucht die Stadt, auf die Bedürfnisse der Anlieger zuzugehen. Am Dienstag findet ein Ortstermin statt, am Mittwoch berät erneut der Bausenat. Wie Beese sagt, sollen die Anlieferungen am östlichen Brückenkopf täglich bis elf Uhr abgeschlossen sein, so dass sich der Ausfall in Grenzen hält. Weil nur kleine Maschinen eingesetzt werden können, sollen die Arbeiten vergleichsweise lärm- und staubfrei ablaufen.
Vier Monate Bauzeit: Ginge es auch etwas schneller? Laut Beese handelt es sich für die 500 000 Euro teuere Sanierung um eine "ganz normale" Frist. Die Zeiten der Totalsperre wegen des Aushärtens der so genannten Ausgleichsschicht und des Aufbringens der Schweißbahnen beziffert er mit vier Wochen. Sollte es Verzögerungen wegen des Wetters geben, könnten sie noch aufgefangen werden.

Kritiker fürchten dennoch, dass die Sanierung ein Schnellschuss sein könnte. Zu ihnen gehört Norbert Tscherner vom Bürger-Block. Am Montag erneuerte er in einem Antrag seine Forderung, die Brückensanierung um ein Jahr zu verschieben. Tscherner bemängelt, dass die Widerlager am östlichen Brückenkopf unverständlicherweise von der Abdichtung gegen Feuchtigkeit ausgenommen seien. Eine Teilsanierung nur der Gewölbe sei verantwortunglos.
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