Bamberg
Adventsaktion

Deutsch-Kurse für Asylbewerber von "Freund statt fremd"

Mitarbeiter der ehrenamtlichen Initiative "Freund statt fremd" unterrichten Asylbewerber in mehreren Kursen in Deutsch. Zwar gibt es in Bamberg einen von der Regierung geförderten Kurs. Doch der Bedarf ist deutlich höher.
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Die Studentinnen Gabrina Mätzke (an der Tafel) und Katja Winter (vorne links) geben Asylbewerbern Deutschunterricht. Foto: Ronald Rinklef
Die Studentinnen Gabrina Mätzke (an der Tafel) und Katja Winter (vorne links) geben Asylbewerbern Deutschunterricht. Foto: Ronald Rinklef
Ja, es gibt ihn, den sogenannten "Erstorientierungskurs" - in der Bamberger Niederlassung der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (BFZ). Aber: Im Deutschkurs ist maximal für 25 Teilnehmer Platz. "Der Bedarf ist zehn Mal so hoch", schätzt Serap Özalp aus dem Bereich Migration und Jugendliche des BFZ.

Es gibt noch weitere, teilweise staatlich geförderte Kurse, allerdings müssen Flüchtlinge für diese bestimmte Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Sie müssen sich etwa bereits drei Monate in Deutschland aufhalten, dürfen kein Arbeitsverbot haben oder sind nur berechtigt, wenn sie über eine dauerhafte Aufenthaltsbescheinigung verfügen.

Auf diese warten sie noch, die acht Männer und Frauen, die im Gemeindezentrum der Auferstehungskirche sitzen. Unten treffen sich Senioren zum Spieleabend, oben wird Deutsch gepaukt. Immer dienstags und donnerstags kommen zwischen fünf und 25 Teilnehmer. Sie alle stammen aus den Asylbewerber-Unterkünften an der Breitenau.

Auch für die Bewohner der Unterkünfte in der Ludwigstraße und der Geisfelder Straße bietet die Initiative "Freund statt fremd" Deutschkurse an, wie Christiane Laaser erklärt. Viele "Lehrer" sind ältere Bamberger oder Studierende. So auch Katja Winter (25) und Gabrina Mätzke (26). Die beiden jungen Frauen studieren Erwachsenenbildung und Soziologie.

Manche sprechen Englisch

Doch wie funktioniert der Unterricht, wenn zunächst niemand Deutsch versteht? "Anfänglich verständigen wir uns mit Händen und Füßen. Oder auf Englisch, wenn das jemand spricht", sagt Gabrina. So jemand ist Alex. Der junge Mann ist aus der Ukraine geflüchtet und erklärt, dass der zwei Mal wöchentlich stattfindende Sprachkurs "important for us", zu deutsch "wichtig für uns", sei. Man wolle die Menschen und die Kultur verstehen und es sei nützlich, die Sprache zu lernen. Diese Erklärung liefert er auf Englisch.

Was er bereits auf Deutsch kann: Sich vorstellen, sagen wie er heißt, wo er herkommt. Jeder in der Gruppe hat ein anderes Sprachniveau. "Genau hier liegt die Herausforderung. Wir bilden innerhalb des Kurses Arbeitsgruppen und ordnen die Leute nach Niveau zu", erklärt Katja Winter.

Arbeitsblätter und Arbeitsbuch

Dann wird geübt. Zum Beispiel mit einem Bilderwörterbuch oder kopierten Arbeitsblättern. Das Geld für die Unterrichtsmaterialien stammt aus Spenden. Außerdem gibt es ein Arbeitsbuch für "Deutsch als Fremdsprache". Christiane Laaser hat gerade 30 Exemplare bestellt. "Die Flüchtlinge, die eines möchten, sollen einen Eigenbeitrag von fünf Euro leisten. Damit es für sie einen gewissen Wert hat", erklärt Laaser.

Diese fünf Euro müssen die Flüchtlinge von dem Geld abzwacken, das sie monatlich bekommen. Ein alleinstehender Asylbewerber bekommt im Jahr 2014 nach seiner Regelbedarfsstufe grundsätzlich einen Satz von 362 Euro, wie Tim-Niklas Kubach, Sprecher der Stadt Bamberg, erläutert. In Bamberg erhalten die Asylbewerber 329,20 Euro, weil der Anteil von 32,80 für die Energiekosten in den Unterkünften verwendet wird. Von den 329,20 sind 140 Euro zur freien Verfügung gedacht, der Rest ist für Lebensmittel, Kleidung und Ähnliches vorgesehen. Für Familien oder Ehepaare gelten wieder andere Regelbedarfsstufen.

Nicht ums Geld geht es im Deutschunterricht von ehrenamtlichen Initiativen wie "Freund statt fremd". Die Asylbewerber in den Kursen sind motiviert, kommen meist regelmäßig. Christiane Laaser zitiert einen Helfer, der auch im Hauptberuf Lehrer ist. Er habe einmal gesagt: "Endlich mal eine Gruppe, in der alle was lernen wollen."

Information: Der Verein "Franken helfen Franken" unterstützt "Freund statt fremd"

Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Baye rische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Diese Reichweite will sie mithilfe eines Spendenvereins nutzen - und Hilfsbedürftige unterstützen. Mehr Infos gibt es unter franken-helfen-franken.de.

Zweck Der Spendenverein macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfe auszeichnet. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat er 153 000 Euro gespendet.

Verwendung Jeder für "Franken helfen Franken" gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, in der der Fränkische Tag erscheint.

Spendenkonto Die Verbindungsdaten lauten: Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.: Sparkasse Bamberg, IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01, BIC: BYLADEM1SKB; Stichwort: "Freund statt fremd"




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