Bamberg
Ausstellung

"Der letzte Weg" ist Thema im Bamberger Diözesanmuseum

Das Thema geht alle an, wird aber gern verdrängt: Tod und Bestattung. Ihm widmet sich die neue Aussstellung im Bamberger Diözesanmuseum.
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Museumschef Holger Kempkens (links) und Professor Ingolf Ericsson spiegeln sich in der Scheibe einer Vitrine, in der ein Skelett mit Rosenkranz zu sehen ist. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Museumschef Holger Kempkens (links) und Professor Ingolf Ericsson spiegeln sich in der Scheibe einer Vitrine, in der ein Skelett mit Rosenkranz zu sehen ist. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Das bleibt also von einem Verstorbenen übrig, ungefähr zehn Jahre nach der Erdbestattung, wenn das Zellgewebe vollständig vergangen ist und der Sargdeckel kurz vor dem Einbrechen steht: nur blanke Knochen.

In diesem Falle bekommt das Skelett aber eine besondere Note: Zwischen den gefalteten knöchernen Fingern ruht ein komplett erhaltener Rosenkranz: "Das war also eine katholische Beerdigung", erklärt Nelo Lohwasser diesen Nachbau einer Sargbestattung, in der Vitrine in schaurig-schönes Licht gesetzt. Die Kuratorin der Ausstellung "Der letzte Weg - Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit" nähert sich diesem konfessionellen Umstand aber weniger aus religiösen Gründen, sondern mehr aus wissenschaftlichen: Nelo Lohwasser arbeitet am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Bamberg, Kooperationspartner des Diözesanmuseums für diese außergewöhnliche
Ausstellung.

Mitten im Hochsommer widmet sich das Museum am Domplatz dem Themenkomplex Sterben, Tod, Bestattung, Jenseitsvorstellungen, das rein gefühlsmäßig eher in den November passt. Doch "gestorben wird auch im Sommer", meint die Kuratorin lakonisch.

Ihr Chef, Lehrstuhlinhaber Professor Ingolf Ericsson, drückt es etwas behutsamer aus: "Die neue Ausstellung greift ein Thema auf, das uns alle früher oder später betrifft, über das wir aber nur privat sprechen." Es sei dem Lehrstuhl für Archäologie jedoch ein Anliegen, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, zumal Studierende aktiv an der Präsentation archäologischer Funde und Befunde mitwirkten.

Holger Kempkens, Leiter des Diözesanmuseums, hat sein Haus bereitwillig dafür geöffnet: "Tod und Bestattung ist schließlich ein kirchliches Kernthema", sagt er. So war es ein Leichtes, aus den Beständen des Diözesanmuseums oder aus Pfarreien des Erzbistums Bamberg volkskundliche und kunstgeschichtliche Exponate beizusteuern. Etliche weitere Objekte sind Leihgaben bedeutender Institutionen im In- und Ausland.

In unmittelbarer Nähe zum Domherrenfriedhof entfaltet die Ausstellung im Kreuzgang, welchen Wandel die Grabsitten im Laufe der Jahrhunderte vollzogen haben. Kuratorin Lohwasser spricht von Gräbern und deren Ausstattungsgegenständen als "wichtige Quellengrundlage für die archäologische Wissenschaft".

Sie macht diese Aussage an der Bestattung eines Bewaffneten um das Jahr 600 nach Christus fest, ein augenfälliges weiteres Skelett in einem Schaukasten mit Beigaben wie Pfeilspitzen, Kurzschwert oder Messer. "Beigaben ermöglichen oft eine Datierung aufgrund ihrer Typologie", erläutert Lohwasser.

Särge, Urnen und Versehgarnituren, Reliquien, Grabkelche und Sterbebildchen: Eine Fülle thematisch einschlägiger Objekte, Medienstationen, Bilder und Installationen beleuchtet den Umgang mit dem Toten und die Gestaltung seines letzten Weges.

Der konnte im Mittelalter in den Spitälern beginnen, in denen sich Bettelorden oder Bruderschaften der Schwerkranken und Todgeweihten annahmen. Pest und Lepra gehörten einst zu den häufigsten Todesursachen.
Noch heute findet sich in Bamberg die Siechenstraße, in der "Spitäler für Unheilbare" standen. Auch diesem Aspekt trägt das Ausstellungskonzept Rechnung.

In das 21. Jahrhundert verweist unter anderem das Gemälde "Gräber" des zeitgenössischen Künstlers Markus Lüpertz. Die düstere Anmutung dieses Werkes kann als Ausdruck dafür gedeutet werden, wie es um die Bestattungskultur hierzulande bestellt ist. "Formen anonymer Bestattungen nehmen zu, die katholische Trauerliturgie ist nicht mehr selbstverständlicher Bestandteil des Abschieds von dieser Welt", heißt es etwa in dem Vorwort zum Begleitheft der Ausstellung, das Domkapitular Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Ordinariat, verfasst hat.

Weiter schreibt Jung: "Die Ausstellung (...) möchte mit Hilfe historischer Zeugnisse auch dem Nachdenken darüber dienen, welche Formen des Umgangs mit dem Tod für unsere Zeit und uns ganz persönlich angemessen erscheinen." Der Autor erinnert Christen an die letzten Worte des Glaubensbekenntnisses: "Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt."
Bis 13. November zu sehen

Die Ausstellung "Der letzte Weg - Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit" im Diözesanmuseum, Domplatz 5, Bamberg, ist bis zum 13. November 2016 zu sehen, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Das illustrierte Begleitheft kostet 9 Euro und ist an der Museumskasse erhältlich. Ein Begleitprogramm bietet Vorträge, Musik und szenische Aufführungen. Weitere Informationen im Internet unter www.dioezesanmuseum-bamberg.de
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