Breitengüßbach

Der letzte Baum an der Bahnbaustelle ist gefällt

In den ersten zehn Tagen der Bahnsperrung hat sich für die Anwohner viel verändert. Gleise und Oberleitungen sind bereits verschwunden, aber auch alle Bäume entlang der Bahnlinie durch Breitengüßbach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Blick aus dem Fenster, Mittwoch (21.1.16), 8 Uhr morgens: Die letzte Eiche muss weichen.Foto: Lucia de Figueiredo-Huth
Blick aus dem Fenster, Mittwoch (21.1.16), 8 Uhr morgens: Die letzte Eiche muss weichen.Foto: Lucia de Figueiredo-Huth
+18 Bilder
Wenn Michael Huth von seinem Schreibtisch aus zum Fenster hinausschaut, dann hat er jetzt freie Sicht bis in die Haßberge - und auf die Baustelle der Bahn in Breitengüßbach. Das liegt nicht daran, dass jetzt das Laub von den Bäumen gefallen ist. Vielmehr wurden sämtliche Bäume gefällt.

Gleich am ersten Tag der Bahnsperrung rollten die "Baumknipser" an, wie Lucia de Figueiredo-Huth sie nennt. Ab Dienstag vergangener Woche waren Bagger mit Schneidköpfen und Männer mit Kettensägen im Einsatz. Zunächst ließen sie noch einige große Eichen auf der Ostseite des Bahndamms stehen. Doch am frühen Mittwochmorgen dieser Woche wurde auch noch der letzte Baum gefällt.

Seit Ende vergangener Woche waren die Bagger dann auch am Werk, um Stümpfe und Wurzelstöcke aus dem Boden zu rütteln.
Diese Vibrationen waren bis ins Haus zu spüren, das Luftlinie keine 50 Meter von den gefällten Bäumen jenseits der Bahnlinie steht, berichten die Huths.


Alles wird dokumentiert

Sie müssen das auch alles sorgfältig dokumentieren, um später eventuell Schadensersatzansprüche geltend machen zu können, wenn Schäden am Haus auftreten. Bereits im Vorfeld waren Sachverständige im Auftrag der Bahn entlang der Baustellen unterwegs, um den Ist-Zustand der Gebäude exakt festzuhalten.

Doch nicht nur bei den Bäumen hat sich in den ersten beiden Baustellenwochen. Am vergangenen Freitag verschwanden wurden dann die alten Oberleitungen der Bahnstrecke abgebaut, die hier vertieft zwischen vier bis fünf Meter hohen Böschungen in einem etwa 15 Meter breiten Gleisbett verläuft. Am Sonntag rückten dann die Bautrupps an, um die Bahngleise - zwei Gleise der Hauptstrecke Bamberg - Lichtenfels und ein schon lange stillgelegtes Ersatzgleis - abzubauen. Die Arbeiten dauerten die Sonntagnacht hindurch an.


Geschlossene Fenster

Nachdem die letzten Bäume und Gleise entfernt waren, verdichtete eine Walze den Schotter im Gleisbett, das nun als Arbeitsstraße für Bagger und Laster dient. Seither haben die Huths den Baustellenverkehr direkt vor dem Haus. Noch hält sich aber die Lärmbelästigung in erträglichen Grenzen. "Wir haben hier noch Glück mit der Böschung, und dass wir nicht direkt an den Gleisen wohnen wie andere weiter unten in der Straße", stellen die Huths fest.

Wie es sein wird, wenn noch die Böschung aufgegraben wird um das Gleisbett für vier Gleise zu verbreitern, oder wenn demnächst 200 Meter nördlich die Straßenbrücke nach Unteroberndorf abgerissen wird, wagen sie nicht zu sagen. Nach den im vergangenen Jahr verteilten Bauzeitplänen der Bahn soll die Unteroberndorfer Brücke im Norden von Breitengüßbach bereits am 25. Januar gesperrt werden. Am gleichen Tag sollen die Behelfsbrücke dort sowie in der Nähe des Kreisverkehrs im Süden von Breitengüßbach laut Plan befahrbar sein. Fertiggestellt ist bislang noch keine.

Dass das Leben an der Baustelle bislang noch erträglich ist, liegt zum einen daran, dass jetzt im Winter die geschlossenen Fenster wenigstens einen gewissen Schallschutz bieten. Und dass keine Züge mehr fahren. In mehr als 30 Jahren haben sich die Huths an den lauten Nachbarn Bahn gewöhnt. "Jetzt ist mein Weck-Zug weg", stellt Lucia fest - der Zug, der ihr bislang regelmäßig um 6 Uhr früh das Signal zum Aufstehen gab. Und noch etwas stellt sie fest: "Es sind viele Leute unterwegs, sie bleiben stehen, schauen, fotografieren - und alle reden jetzt miteinander."


Folge 1 der Serie Bautagebuch
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren