Bamberg
Naturschutz

Der Wolf ist in Franken angekommen - nun auch in Bamberg

Durch Franken streunen Wölfe: Unser Fotograf Ronald Rinklef hat nahe Bamberg eindeutige Spuren in der Flur entdeckt.
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Spuren am Kanal ...  Foto: Ronald Rinklef
Spuren am Kanal ... Foto: Ronald Rinklef
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Wie viel Wildnis verträgt ein High-Tech-Land? Diese Frage wird nicht nur bei der aktuellen Diskussion um einen weiteren Nationalpark in Bayern überaus kontrovers diskutiert. Die Rückkehr der Wölfe dürfte die Meinungen nicht weniger heftig aufeinander prallen lassen.

Für Tierschützer gibt es keinen Zweifel mehr: Bayern, bislang "Wolfserwartungsland", ist jetzt Wolfsland: "Der Wolf ist endgültig im Freistaat angekommen. Er ist da und ist keine Ausnahmeerscheinung mehr, darüber freuen wir uns", sagt der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer. Die Vogelschützer sind der federführende Verband beim bayerischen Wolf-Monitoring, das beim Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg angesiedelt ist.


Informationen

Auf der Homepage des LFU, beim LBV und anderen Naturschutzverbänden findet man umfangreiches Informationsmaterial über den Wolf, den fünf Generationen nur noch aus dem Märchen gekannt haben und dem man jetzt auch in Franken wieder leibhaftig begegnen könnte. Neun "amtlich bestätigte" Wolf-Sichtungen hat es heuer im Freistaat gegeben, zwei davon in Franken, im Nürnberger Land. Dabei handelte es sich wohl um Einzelgänger - Männchen, die auf der Jagd oder auf der Suche nach einem Revier oft weit durchs Land streunen.

Möglicherweise hat der Wolf, der in der Nähe von Nürnberg mehrfach gesehen wurde, sogar in Bamberg Spuren hinterlassen. Augenzeugen, darunter unser Fotograf Ronald Rinklef, haben auf Wiesen am südwestlichen Stadtrand Pfotenabdrücke entdeckt.


Einzelgänger

Die Fotos, die Rinklef gemacht hat, sind für Experten eindeutig: Es muss ein ausgewachsener Wolf gewesen sein, der unweit des Kanals die Fährte von Kaninchen aufgenommen und wohl auch das eine oder andere Tier gerissen hatte.

Können die Jäger auch dem Menschen gefährlich werden? Die Fachleute verneinen dies. Selbst in der Lausitz, wo die meisten deutschen Wölfe leben, ist kein Fall eines Angriffs von Wölfen auf Menschen bekannt geworden. Auch die Schauergeschichten aus früheren Jahrhunderten betrachten Experten mit Skepsis. Da werde manches überzeichnet, und bei glaubwürdigen Schilderungen sei davon auszugehen, das aggressive Wölfe unter der Tollwut litten, sagt Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro der "Wolfsregion Lausitz".


Es wird Konflikte geben

Konflikte zwischen Wolf und Mensch werden sich trotzdem nicht vermeiden lassen, wenn die wilden Tiere wieder heimisch werden. Im Nürnberger Land hat ein Wolf im Frühjahr ein Schaf gerissen, aus anderen Regionen werden unter anderem Angriffe auf Dam- oder Rotwild gemeldet. Knapp 200 solcher Vorfälle hat es nach Angaben von Jägerverbänden 2015 in Deutschland gegeben.

Schnell wird dann die Forderung laut, dem Raubtier mit der Flinte auf den Pelz zu rücken - das aber beißt sich mit dem Gesetz, denn die Wölfe stehen unter striktem Naturschutz. In Bayern gibt es deshalb wie in allen anderen Bundesländer Managementpläne; hier sitzen alle Verbände, die mit dem Wolf in Berührung kommen könnten, an einem Tisch, überlegen sich Maßnahmen, die sicherstellen können, dass Nutz- und Wildtiere einen Platz in diesem Land haben.


Wenn der Wolf kommt ...

Gefahr Der Wolf ist von Natur aus scheu, reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, bisweilen aber auch neugierig: Er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück.

Regeln Wichtig ist bei einer Begegnung, dass man dem Tier mit Respekt begegnet. Wolfsexperten raten: "Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück, um nicht den Jagdinstinkt des Wolfes zu wecken."

Hund Wer einen Hund dabei hat, sollte diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten. Wenn der Wolf wieder Erwarten zu nahe kommt, kann man ihn mit lautem Rufen, Geräuschen oder auffallenden Gesten in der Regel auf Abstand halten.
Gewöhnung Beim Wolf gilt die selbe Grundregel wie bei anderen Wildtieren: Man sollte sie niemals füttern - ein Wolf lernt sonst sehr schnell, seine Scheu vor dem Menschen abzulegen.

Zahlen In ganz Europa gibt es 10 000 bis 15 000 Wölfe. In Deutschland sind es 46 Rudel und 15 Paare, insgesamt etwa 130 erwachsene Tiere.



Kommentar

Keine Angst!
Die Angst sitzt tief, sie ist ein Teil der Entwicklungsgeschichte: Mensch hat Angst für dem finstren Wald, Mensch fürchtet sich vor Wolf.
Mit Zahlen kommt man dieser Angst nicht bei: Es gibt mehr als 500 Verkehrstote in Bayern, aber keinen einzigen Angriff durch einen Wolf, und in den aufgeräumten Wäldern im Freistaat wird man eher von einer Wildsau auf den Baum gejagt oder von einem Ast erschlagen als von einem Wolf gebissen. Aber die Angst bleibt. Warum hat er auch so große Zähne? In einem bis in den letzten Winkel erschlossenen Land muss man einen unverkrampften Umgang mit der Natur erst wieder lernen. Das dauert. Wildnis und Wolf brauchen einen Platz. Auch in unseren Herzen.
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