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Der Wandel fordert die Vereine in Stadt und Kreis Bamberg

Demografischer Wandel, gesellschaftliche Veränderungen, Ganztagsschule: Die Vereine in Kreis und Stadt Bamberg kämpfen um Mitglieder.
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Vereine stellen sich breiter auf: Der TSV Scheßlitz bietet längst mehr als nur Turnen (hier ein Foto vom Turnfest 1965) und Fußball an.  Foto: privat/Archiv
Vereine stellen sich breiter auf: Der TSV Scheßlitz bietet längst mehr als nur Turnen (hier ein Foto vom Turnfest 1965) und Fußball an. Foto: privat/Archiv
Rainer Kretschmer ist seit 39 Jahren Vorsitzender des TSV Scheßlitz. Der 73-Jährige kennt den Verein aus dem Effeff. Er hat festgestellt: "Früher sind die Mitglieder ihr Leben lang im Verein geblieben. Das ist heute nicht mehr so." Auch die mit knapp 1000 Mitgliedern größte Organisation in Scheßlitz muss sich Gedanken über die Zukunft machen. Um attraktiv zu sein, muss der TSV neue Angebote schaffen: "Wir wollen immer was anbieten, das zeitgemäß ist." So mache gerade eine Übungsleiterin eine Ausbildung in der chinesischen Meditationsform Qigong, erklärt Kretschmer. Außerdem haben sich bei dem klassischen Turn- und Sportverein mit den Jahren immer mehr Sparten herausgebildet: Inzwischen hat der TSV auch eine erfolgreiche Mountainbike-Mannschaft.


Attraktive Programme gefordert

Es sind viele Faktoren, mit denen Vereine zu kämpfen haben. Der demografische Wandel ist nur einer davon. Auch das veränderte Freizeitverhalten und die Ganztagsschule stellen neue Herausforderungen dar: Die Vereine konkurrieren mit anderen Angeboten und gegen die knapp bemessene Zeit. "Man muss schon attraktive Programme haben, um die Leute bei der Stange zu halten", sagt Friederike Straub, Ehrenamtsbeauftragte im Landkreis. Sie berät Vereine, hilft bei Förderanträgen. "Die Vereinsbindung wird immer weniger, es muss immer mehr projektbezogen sein", hat Straub festgestellt. Viele würden einen Verein als Dienstleister wahrnehmen - eine lange Mitgliedschaft wollen sie nicht. Deshalb sei umso wichtiger, dass die Jugend frühzeitig eingebunden werde.


Schwierige Suche nach Helfern

Das Vereinsleben ändert sich, die Struktur zum Teil auch. Viele Vorsitzende im Landkreis und der Stadt gehören wie Rainer Kretschmer vom TSV Scheßlitz der älteren Generation an. Gleichzeitig fehlt die Generation der Mitte 30-Jährigen bis 50-Jährigen. "Die Altersgruppe ist schwach besetzt", erklärt Friederike Straub. Gerade diese Altersgruppe brauche es aber, um sich neu aufzustellen. Straub beobachtet, dass inzwischen 30 Prozent der Vereine im Landkreis die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Einen einzelnen Vorsitzenden gibt es bei ihnen nicht mehr.

So wie beim SV Priesendorf, wo ein Geschäftsführer-Team die 300 bis 400 Mitglieder organisiert. Der vor 80 Jahren gegründete SVP passt sich weiter an: Seit ein paar Jahren gibt es eine Tanzgruppe mit Jazz und Hip-Hop für Frauen. Heike Folger aus der Geschäftsführung erklärt, dass der Verein dadurch eine neue Zielgruppe erschließen wollte. "Frauen hatten wenig Möglichkeiten, bei uns aktiv zu sein", sagt die 47-Jährige. Das Angebot werde jeden Donnerstag gut angenommen. Ungewöhnlich: Der Sportverein organisiert auch Auftritte von bekannten Kabarettisten wie Rolf Miller, sogar eine eigene Theatergruppe gibt es.


Sportvereine konkurrieren mit Fitnessstudios

Ehrenamtsbeauftragte Friederike Straub hat den Eindruck, dass es den Vereinen im Landkreis noch gut geht, dort würden sich die Mitglieder mit ihnen identifizieren. Je näher die Orte allerdings an der Stadt Bamberg liegen, desto mehr sei festzustellen, dass die Mitgliederbindung nicht mehr funktioniere. Sie selbst leitet beim TV Hallstadt die Leistungsriege. Dort kämen die Turnerinnen aus der gesamten Umgebung: Der Erfolg mache nach wie vor attraktiv und den TV dadurch bekannt.

In Bamberg selbst konkurrieren die Sportvereine direkt mit Fitnessstudios. Davon kann auch Harald Kobold ein Lied singen. "Viele nehmen nur unsere Kurse in Anspruch." Die TSG Bamberg hat sich 2005 aus TSV 1860 und VfL Jahn gebildet. Für rund 1500 Mitglieder ist Kobold als Präsident zuständig. Zehn bis 15 Prozent davon meldeten sich jedes Jahr neu an, die gleiche Anzahl kündige aber auch.

Sein Eindruck: "Wir müssen mehr Angebote machen, der Verein müsste eigentlich 24 Stunden offen haben." Wichtig sei, viele Kurse anzubieten, dabei gute Übungsleiter und eine moderne Sportstätte zu haben. Mit der neuen Gymnastikhalle an der Galgenfuhr hätte die TSG beste Voraussetzungen, sagt der 63-Jährige. Er weiß auch: Kleinere Vereine haben diese Möglichkeit nicht. Für einen Verein mit nur einer Sparte sei es heutzutage schwierig geworden zu überleben.
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