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Bamberg
Schlägerei

Der Türsteher sah die Tritte in der Sandstraße

Das Amtsgericht Bamberg hat zwei Männer aus Hessen verurteilt, die alkoholisiert auf einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Haßberge eingetreten hatten - als dieser bereits am Boden lag. Wichtigster Zeuge war ein Türsteher, bei dessen Aussage sich die Täter selbst erschrocken zeigten.
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Die beiden Angeklagten traten auf ihr Opfer in kauernder Haltung ein, hier dargestellt durch ein Symbolbild. Foto: Christopher Schulz
Die beiden Angeklagten traten auf ihr Opfer in kauernder Haltung ein, hier dargestellt durch ein Symbolbild. Foto: Christopher Schulz
Rangeleien unter Betrunkenen sind in der Sandstraße keine Seltenheit. Aber ein Vorfall war so heftig, dass er zwei Türstehern besonders im Gedächtnis blieb.

So war es vor allem die absolut glaubwürdige Aussage von Sicherheitsmann Ben D. (Name geändert), der "den Prozess zum Kippen gebracht hat", wie Richter Andreas Pfisterer sagte. Er verurteilte einen 48-jährigen Frankfurter zu einem Jahr und neun Monaten, seinen 43-jährigen Kumpel aus dem Landkreis Offenbach zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich die beiden Hessen bei ihrem Bamberg-Besuch der gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben. Die zwei Angeklagten hatten am 25. Oktober 2014 bei einem Familientreffen bereits tagsüber Alkohol getrunken. Danach wollten sie sich einen lustigen Abend in der Innenstadt machen und besuchten einen Club in der Sandstraße.
Um etwa 1.30 Uhr am 26. Oktober kam es zu einer Diskussion vor dem Club zwischen Sebastian M. aus Frankfurt und dem späteren Opfer, Norbert N. aus Oberaurach im Landkreis Haßberge (Namen geändert).

Dieser wollte zuvor bemerkt haben, dass der Hesse "Anstalten gemacht hat, meiner Freundin an den Po zu fassen." Nach einer verbalen Auseinandersetzung kam es zum Gerangel, bei dem das 38-jährige Opfer auf dem Boden landete und die beiden Täter auf es eintraten - wie oft genau, konnte am gestrigen Verhandlungstag nicht geklärt werden. Doch dank der detaillierten Aussage des Türstehers wurde zumindest klar: Als der Unterfranke am Boden kauerte, versetzte ihm Richard C. (Name geändert) aus dem Landkreis Offenbach einen Tritt gegen den Oberkörper. "Das hörte sich an, als ob man einen Medizinball gegen die Wand wirft", sagte der Türsteher aus.

Der Haupttäter holte mit dem Fuß aus

Direkt danach habe der Frankfurter "wie bei einem Elf-Meter-Schuss ausgeholt" und gegen den Kopf des Opfers getreten. "Ich bin seit elf Jahren im Sicherheitsdienst, aber das jemand so zutritt, das habe ich noch nicht gesehen", sagte Sicherheitsmann Ben D. Auch dessen Kollege sprach davon, dass diese Auseinandersetzung "nicht normal" gewesen sei. Die zwei Türsteher gingen dazwischen, das Opfer kam mit einer blutenden Wunde im Mund, die genäht werden musste, und starken Schmerzen im Kopf- und Kieferbereich davon. Doch dem Mann war bei seiner Aussage anzumerken, dass er noch immer unter dem Übergriff leidet.

Die Polizei hatte nach ihrem Eintreffen in der Sandstraße bei dem Frankfurter einen Blutalkoholwert von rund 1,0 Promille, bei dessen Freund von 2,2 Promille gemessen. Beide sprachen vor Gericht zunächst von Erinnerungslücken bedingt durch ihren Alkoholkonsum.

Nach der ausführlichen Aussage des Türstehers rangen sie sich jedoch zu Geständnissen durch. Den beiden Männern war ihr Entsetzen anzusehen, als sie sich anhören mussten, wie der Sicherheitsmann ihre Taten schilderte. Sie wollen dem Opfer Schmerzensgeld zahlen und sich bei dem Mann entschuldigen.

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