"Ausschlag am rechten Fuß" hatte "Dr. Leon" als behandelnder "Hausarzt" mit plüschiger Löwenmähne diag-nostiziert. Um gleich einen Überweisungsschein für "Anna" auszustellen, die von Puppenmutter Lilly zum Seußlinger Spezialisten transportiert wurde: "Dr. med. Pupp Günter Geier - Sprechstunde nach Vereinbarung" liest man auf dem Praxisschild vor dem Anwesen, in dem sich der herzkranke Puppen- & Bärendoktor längst zur Ruhe setzen wollte. Nur fand sich bislang kein Nachfolger, obwohl der Franke via Zeitung, Radio und Fernsehen dringende Hilferufe sandte.

Also praktiziert der 71-Jährige weiter, um Puppenmütter und Bärenväter nicht im Stich zu lassen, die sich mit Kranken- und Überweisungsscheinen an den Seußlinger "Spezialisten" wenden. Wobei Bilder und Bastelarbeiten der Kinder Geschichten erzählten - wie eben von "Dr. Leon", Geiers Plüschkollegen, der "Annas" heftigen Hautausschlag nicht heilen konnte.

"Rund 4700 Kinderkrankenscheine habe ich in über fünf Jahrzehnten gesammelt", berichtet Geier, der aus Zeichnungen, Malereien und Basteleien ein Buch gestalten möchte. "Ich suche nur noch einen Verlag, um das Projekt zu starten, dessen Erlös ich an ,Ein Herz für Kinder' stiften möchte." Bis dahin ist die Veröffentlichung Zukunftsmusik, nicht anders als der Ruhestand, den der Puppen- und Bärenmediziner Jahr für Jahr aufschiebt.


Der Kater als gefährliches Raubtier



"Jetzt ist Annemarie an der Reihe", sagt der 71-Jährige zu Stefanie, die Geier im Behandlungszimmer eine "betagte" Patientin entgegen hält - in zwei Teilen: "Gerry hat Annemarie den Kopf abgerissen", klagt die Neunjährige. Der kleine Bruder? "Nein, Gerry ist unser Kater", so die Bambergerin. Stefanie selbst spielt lieber mit ihrer Barbiepuppen-Familie, gerade, wenn Freundin Kiara zu Besuch ist. Während sich "Annemarie" in keine trendy Jeans und kein angesagtes Abendkleid quetschen lässt, um modisch auf dem neuesten Stand zu glänzen.Obwohl die "Dauerpatientin" der Viertklässlerin im Lauf der Jahre ans Herz gewachsen ist.

"Keine Sorge, das kriegen wir hin. Morgen kannst Du Deine Puppe wieder abholen ", beruhigt Günter Geier Stefanie, verabschiedet die Neunjährige und beginnt umgehend mit der Not-OP. "In diesem Fall kein Problem. Aufwändiger ist die Behandlung zerfetzter ,Unfallopfer', deren Rettung ein mehrtägiger Totalaufbau erfordert." Sogar Patienten, die den Kopf verlieren und partout nicht wiederfinden, erhalten im Handumdrehen geeignete Transplantate. Sofern der Seußlinger "Notarzt" in seinem Lager mit über 15.000 Ersatzteilen einen passenden Schädel auftreiben kann.


Ein Keller voller Anekdoten



Ja, Schätze schlummern im Keller des Geiersch'en Anwesens. Und zahlreiche Andenken wie eben die 4700 Krankenscheine. "Beide Hüftgelenke kaputt, provisorisch operiert. Erbitte neue Beine zum problemlosen Laufen", schrieb z. B. die elfjährige Debora dem Puppenmediziner. Während die zwölfjährige Sophia um eine "schonende Behandlung" von "Lilli" - "zerliebt durch zu viel Liebe" - bat. Und Dorothee berichtete, warum "Maxels" Bauch so weh tut: "Er hat darin ein großes Loch. Lieber Doktor hilf ihm doch."

Von wahrer Treue erzählt ein weiterer Krankenschein, in dem Katharina B. Dr. med. Pupp ihre "Erna" mit den Worten vorstellte: "Sie ist ein altes Mädchen und begleitet mich seit über 40 Jahren. Haben Sie noch ein Bett frei?" Ein Plätzchen fand sich und "Erna" gesundete, nachdem Geier eben ein Herz für kleine und große Kinder hat.