68 Schränke - alle zum Bersten voll mit wertvollem Porzellan, Fayencen und Haushaltsgegenständen. Zahllose Schiebetafeln, jede mehrere Quadratmeter groß - dicht an dicht mit Gemälden behängt. Meterweise Regale - vollgestellt mit mittelalterlichem Koch- und Backgeschirr aus Ton. Vitrinen, in denen sich 3000 Jahre alte Schwerter den knappen Platz mit ebenso alten Schmuckstücken teilen. Ein Möbellager, das von der Renaissancetruhe bis zum Tisch aus den 50-er Jahren so ziemlich alles zu bieten hat, was im Lauf der letzten 600 Jahre kostbar und/oder modern gewesen ist.
1500 Quadratmeter groß ist diese perfekt klimatisierte und hoch gesicherte Schatztruhe - deren Adresse die Hüter der Kostbarkeiten lieber nicht in der Zeitung lesen möchten. In ihr wird alles aufbewahrt, was nicht im Historischen Museum auf dem Domberg, der Stadtgalerie Villa Dessauer oder im Stadtarchiv dem Publikum gezeigt werden kann: die konzentrierte Geschichte Bambergs, sofern sie nicht aus Gebäuden besteht.
Das Depot ist mittlerweile so angefüllt, dass Dr. Eva Schurr, die stellvertretende Leiterin der Städtischen Museen, möglichen Neuzugängen aus Erbschaften oder Haushaltsauflösungen mit gewissem Bangen entgegensieht.
Wer als Besucher noch im Gemäldedepot den Eindruck hat, in einem durchaus großzügig bemessenen Raum zu stehen, wird sofort eines Besseren belehrt, sobald Eva Schurr eine der zahlreichen Bildwände herauszieht und zeigt, dass die Schiebe-Galerie natürlich den doppelten Platz benötigt, wenn Teile davon ausgefahren werden. In den übrigen Räumen wird dem Laien endgültig klar, dass die Klage über mangelnden Platz berechtigt ist: drangvolle Enge überall, mit jedem Zentimeter wird gegeizt. Für die wertvollen Kruzifixe war nur noch ein Platz im Gang frei: gegenüber den Toiletten.
Eigentlich müssten im Depot nicht ganz so viele Objekte gelagert werden, wenn das Historische Museum seine vor Jahren perfekt restaurierten, aber leer stehenden Räume in der Alten Hofhaltung endlich nutzen könnte. Doch danach sieht es nicht aus: Die Stadt hat seit Jahren kein Geld für Vitrinen und zusätzliches Personal locker gemacht.
Die Sorge um das Depot, das am Ende seiner Kapazität angelangt ist, treibt Eva Schurr und ihre Chefin Dr. Regina Hanemann nicht allein um: Betroffen und besorgt ist auch Dr. Norbert Ruß, Vorsitzender des Historischen Vereins, dessen umfangreiche Sammlungen nach einem Vertrag aus dem Jahre 1953 von der Stadt aufbewahrt werden müssen.
Der Verein sammelt seit 1830. Ruß ist sich mit Schurr einig: Die beste Lösung wäre die Anmietung der gerade im Depot-Gebäude leer stehenden Räume durch die Stadt Bamberg oder - noch besser - der Ankauf des Hauses. "Wir brauchen eine langfristige Option", sagt Ruß und erinnert daran, dass Bamberg Weltkulturerbe-Stadt ist. Wenn nichts getan werde, bestehe die Gefahr, dass bedeutende Sammlungen abwandern.
Dafür gab es in der Vergangenheit schon Beispiele. Um so manches exquisite Objekt aus Bamberg zu sehen muss man heute in das Bayerische Nationalmuseum nach München reisen. "Am Depot gespart ist an der falschen Stelle gespart", sagt Ruß.