Bamberg
Kinderuni

Dein Handy will alles wissen

Ein Smartphone merkt, ob es gerade ans Ohr gehalten wird und ob sein Besitzer Karussell fährt. Das ist praktisch, kann aber auch gefährlich werden: Um gute und schlechte Daten ging es in der Vorlesung für Kinder am Samstag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Daniela Nicklas ist Informatik-Professorin an der Uni Bamberg. Am vergangenen Samstag erforschte sie mit den Nachwuchs-Studierenden an der Kinderuni, welche Sensoren es in der Zukunftsstadt geben könnte. Foto: Barbara Herbst
Daniela Nicklas ist Informatik-Professorin an der Uni Bamberg. Am vergangenen Samstag erforschte sie mit den Nachwuchs-Studierenden an der Kinderuni, welche Sensoren es in der Zukunftsstadt geben könnte. Foto: Barbara Herbst
+14 Bilder
Wir Menschen nehmen die Welt um uns herum mit verschiedenen Sinnen wahr: Wir hören Vogelgezwitscher, riechen Blumenduft, sehen die Wolken vorbeiziehen, schmecken saure Bonbons und fühlen, dass Bäume eine raue Oberfläche haben. "Auch Computer nehmen ihre Umgebung wahr - mit Sensoren", sagt Daniela Nicklas. Sie ist Professorin an der Uni Bamberg und erforscht unter anderem, wie Computer mitkriegen, was um sie herum passiert.
Zum Beispiel in der Stadt: Da findet man fast überall Sensoren, also Mess- und Fühlstationen, die ihre Daten an Computer übermitteln: "Ampeln brauchen Sensoren. Und Bahnübergänge auch", erklärt Daniela Nicklas den Jungen und Mädchen, die zur Kinderuni-Vorlesung "Sensoren in der Zukunftsstadt - gute Daten, schlechte Daten" gekommen sind.


Hier das Auge, da die Kamera

Gemeinsam überlegen alle, welche Sensoren es gibt: Kameras messen das Licht, Mikrofone den Schall und Geschwindigkeitsmesser auf und unter der Straße messen, ob Raser unterwegs sind. Und wenn wir mal Grippe haben, misst ein Thermometer, ob wir Fieber haben oder nicht.
Smartphones haben auch sehr viele Sensoren, sie sind sogar echte Informations-Staubsauger: Ihre Kamera misst, wie hell es gerade ist: "So weiß das Handy, ob es gerade in der Tasche ist", erklärt die Informatikerin. Einige Kinder murmeln verblüfft. Ein Junge meldet sich: "Ein Smartphone hat auch ein Mikrofon." Klar, das brauchen wir, um miteinander zu reden. "Es hat auch einen Beschleunigungssensor, mit dem es misst, ob wir gerade liegen, Karussell fahren oder laufen", sagt Daniela Nicklas. Das Smartphone "spürt" sogar unsere Körperwärme: "Wenn ich es ans Ohr halte, wird es wärmer und der Bildschirm wird abgeschaltet, damit ich nicht aus Versehen mit der Wange irgendwo drauf drücke. Sobald ich es wieder vom Ohr wegnehme, wird der Bildschirm wieder aktiviert." "Boah!", rufen einige Kinder.
Und Smarthones "plaudern" auch gerne mit anderen Geräten: Wenn wir zum Beispiel an einem WLAN-Router vorbeilaufen, sendet unser Smartphone Signale an den Router, so ähnlich wie eine Freundschaftsanfrage bei Facebook. Auf einem Schaubild hat Professor Nicklas einem Smartphone eine Sprechblase gemalt. Es fragt einen WLAN-Router: "Hallo, ich bin 00:80:41:ae:fd:7e, darf ich in dein WLAN?"


WLAN am Handy ausschalten

Wenn man an mehreren WLAN-Routern vorbeiläuft, die ihre Daten an ein und denselben Rechner schicken, kann man sogar sehen, wo das Smartphone 00:80:41:ae:fd:7e und sein Besitzer gerade rumlaufen. "Deshalb deaktiviert man am besten WLAN und Bluetooth, wenn man nach draußen geht", empfiehlt Professor Nicklas. Dass Forscher auch Daten sammeln können, ohne die Privatsphäre der Leute zu stören, zeigt sie mit einer Internet-Live-Schaltung auf das Schiff "MS Wissenschaft": Auch hier zeichnen Kameras die Besucher auf. Sie werden aber nur als Punkt dargestellt. Und wenn sie ein Smartphone haben, wird dessen Name, also die Zahlen-Buchstaben-Kette, so verändert, dass niemand erkennt, welches Handy (und welcher Mensch) gerade auf dem Schiff ist. Übrigens: Die "MS Wissenschaft" dockt am 8. September in Bamberg an.
























Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren