Bamberg
Landgericht

Dealer geriet in Hallstadt an den falschen Kunden

Ein 22-jähriger Bamberger wollte 688 Ecstasy-Tabletten verkaufen - und hat sie einem Polizeibeamten in Zivil angeboten.
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Ein Beutel mit Ecstasy-Pillen, wie sie auch bei dem Angeklagten gefunden wurden  Symbolbild: Polizei Düsseldorf/dpa
Ein Beutel mit Ecstasy-Pillen, wie sie auch bei dem Angeklagten gefunden wurden Symbolbild: Polizei Düsseldorf/dpa
Der 22 Jahre alte Bamberger stammt aus gutem Hause, und doch ist in seinem Leben einiges schief gelaufen. Dass er das wieder gerade rücken kann, hoffen nicht nur alle Prozessbeteiligten in seinem Strafverfahren vor dem Landgericht, sondern vor allem auch er selbst.
Angeklagt ist er wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Erschwert wird der Vorwurf der Staatsanwaltschaft dadurch, dass der junge Mann bei der geplanten Übergabe von 688 Ecstasy-Tabletten eine Druckluftwaffe in der Tasche hatte.


Die Handschellen klickten

Zusammen mit seinem Freund war er am 19. Juli 2016 nach Hallstadt auf einen Parkplatz gefahren, um sich dort mit dem Abnehmer zu treffen. Der Kunde war auch zur Stelle, aber die vereinbarten 4000 Euro bekam der junge Dealer nicht. Stattdessen klickten Punkt 18.12 Uhr die Handschellen, denn der "Kunde" war ein Polizeibeamter in Zivil. Noch am selben Abend kam der junge Mann in Haft. Die Polizei fuhr zu ihm nach Hause ins Berggebiet, wo er im Anwesen der Großmutter lebt. In seinem Zimmer fanden die Beamten allerlei einschlägige Gegenstände, die Hinweise darauf gaben, dass der 22-Jährige nicht nur Drogenkonsument, sondern auch selbst ein Dealer ist.


Waffen, Bargeld, Luxusuhr

Der Staatsanwalt zählte auf: 20,845 Gramm getrocknetes und 166,2 Gramm "im Trocknungsprozess befindliches" Amphetamin, 258,4 Gramm Haschisch, 1055,5 Stück Ecstasy-Tabletten, dazu mehrere Springmesser, ein Butterflymesser, eine Pillenpresse, eine "Checkliste für Hausdurchsuchungen", eine Machete, ein Luftgewehr, 2950 Euro Bargeld, eine Breitling-Uhr im Wert von 2700 Euro und andere verdächtige Dinge.


Brüche und Abbrüche

"Sie schauen nicht so aus wie der typische Rauschgiftdealer", stellte der Vorsitzende der Strafkammer, Richter Manfred Schmidt, zu Beginn der Hauptverhandlung fest: Ihm gegenüber auf der Anklagebank hatte ein höflicher und gepflegter junger Mann Platz genommen.
Dessen Biographie allerdings ist von Brüchen und Abbrüchen geprägt: Er hat das Gymnasium geschmissen, eine Lehre abgebrochen ("weil der Meister alle Lehrlinge grundlos zusammengeschissen hat") und einen Job als Lagerist nach zweieinhalb Jahren aufgegeben ("Ich habe das nicht mehr auf die Reihe gekriegt, pünktlich zu kommen."). Der Versuch, in einer eigenen Wohnung zu leben, scheiterte ("Es hat nicht geklappt mit Ordnung halten.").


Im Ansatz stecken geblieben

Schließlich blieb auch der Wunsch, sein Drogenproblem in den Griff zu bekommen, im Ansatz stecken: Eine Woche nachdem er den Hausarzt aufgesucht und mit ihm über seine Sucht gesprochen hatte, wollte er den großen Deal in Hallstadt abwickeln. Als wäre das Verkaufen von 688 Ecstasy-Tabletten nicht schon schlimm genug: Weshalb hat der junge Mann eine Waffe mitgenommen, noch dazu eine mit ziemlich hoher Durchschlagskraft? Diese Frage konnte er nicht beantworten: Er sei vorher drei Tage lange wach und nicht ganz bei sich gewesen.
Der psychiatrische Gutachter Christoph Mattern aus Bayreuth sprach von einem Hang zur Sucht, der nicht von alleine verschwinden werde. Der junge Mann sei aber sehr motiviert, weshalb er empfehle, ihn 18 Monate in den Maßregelvollzug zu schicken, wo er eine Therapie machen könne.
Richter Schmidt fragte den Angeklagten: "Haben Sie das Gefühl, dass sie das schaffen?" Die Antwort: "Ja, ich denk schon." Der Prozess geht voraussichtlich heute zu Ende.
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