Buttenheim
Dürre

Das wird ein schwieriges Erntejahr im Kreis Bamberg

In den Trockenregionen im Landkreis Bamberg rechnen die Landwirte mit Ertragseinbußen - nicht nur bei Getreide und Raps. Die ersten Mais-Bestände verdorren schon. Dort, wo der Untergrund Wasser speichern konnte, sieht es besser aus.
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Auch an diesem Weizenfeld von stellvertretendem BBV-Kreisobmann Peter Schlund ist die anhaltende Trockenheit nicht spurlos vorbeigegegangen. Foto: Peter Groscurth
Auch an diesem Weizenfeld von stellvertretendem BBV-Kreisobmann Peter Schlund ist die anhaltende Trockenheit nicht spurlos vorbeigegegangen. Foto: Peter Groscurth
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In ruhigen Bahnen fährt Landwirt Peter Schlund mit seinem Mähdrescher durch das Weizenfeld bei Buttenheim. Der Landwirt bringt gerade seine Ernte ein. Trotz des trockenen Frühjahres und heißen Sommers ist er zufrieden. Der stellvertretende Kreisobmann des Bauernverbandes rechnet mit einer durchschnittlichen Ernte: "Das liegt vor allem auch an den mittleren bis schweren Böden hier in unserem Gebiet." Dadurch habe sich die Feuchtigkeit trotz der geringen Niederschläge gehalten.

Sein Weizen steht noch einigermaßen gut da, Schlund beobachtet sorgsam vom Mähdrescher aus die Ähren: "Hier auf diesem Feld ist die Bodenqualität unter dem Durchschnitt, das merkt man auch am unterschiedlichen Wachstum und Höhe." Dennoch habe die Erde die Feuchtigkeit des Winters einigermaßen gut gehalten und an die Pflanzen während des Wachstums abgegeben.

Landwirte aus den Lagen um Hirschaid, Strullendorf oder Frensdorf hätten infolge der Dürre dagegen weitaus größere Probleme. Dort gebe es vorwiegend sandigen Untergrund, der schneller austrockne. Ein schwieriges Erntejahr stehe diesen Betrieben bevor.

Eine Einschätzung, die auch Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Bamberg/Forchheim, teilt. "In den Trockenregionen ist heuer mit Ertragseinbußen zu rechnen. Nicht nur Getreide und Raps reagieren hier mit niedrigeren Erträgen", bemerkt Nützel.

Sorgen bereitet Bauern auch der Silomais, dessen Blätter in einigen Lagen auf Sandböden bereits braun werden. In den Trockenregionen des Landkreis Bamberg gibt es zudem erste verdorrte Mais-Bestände.

9200 Hektar Winterweizen

"Beim Futteranbau kann es deshalb regional zu Knappheit kommen", folgert der Geschäftsführer. Über 40 000 Hektar Ackerfläche werden im Kreis Bamberg landwirtschaftlich genutzt. Auf fast 9200 Hektar davon bauen Landwirte Winterweizen an.

"Erträge auf leichten Standorten sind deutlich durch Trocken- und Hitzestress gekennzeichnet. In der Kornfüllungsphase fehlte einfach eine ausreichende Wasserversorgung. Wir hoffen aber, dass die Eiweißwerte für eine gute Backqualität ausreichend sind", ergänzt Nützel.

Prinzipiell ist auch bei anderen Feldfrüchten zwischen sandigen und schweren Böden zu differenzieren: Egal, ob es sich um Winter- oder Sommergerste, um Triticale oder Roggen handelt. "Die Erträge sind sehr stark schwankend hinsichtlich der Standorte", bringt es Nützel auf den Punkt.

Das Wetter verlangt den Bauern im Erntejahr 2015 alles ab. In Südbayern etwa trommelte wochenlang Regen auf die Felder, während sich der Norden nach Wasser von oben häufig erfolglos sehnte. In Unterfranken regnete es zum Beispiel nur die Hälfte des sonst üblichen Durchschnitts.

Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, erklärt zum Thema Hitze: "In der Regel sind Getreidepflanzen sehr robust, doch Temperaturen jenseits der 30 Grad oder sogar knapp 40 Grad eine Woche lang führen zwangsläufig zur vorzeitigen Abreife. Pflanzen sind der Sonne gnadenlos ausgeliefert."

"Gute Zukunftschancen"

Insgesamt gibt es im Landkreis 1701 Landwirtschafts-Betriebe, 43 weniger als 2014. Die meisten Höfe (rund 1400) dienen dabei dem Nebenerwerb. Doch trotz aller Widrigkeiten haben Höfe auch weiter gute Zukunftschancen. "Unsere Familienbetriebe mit gut ausgebildeten Landwirten haben es verstanden, auf immer knapper werdenden Flächen die Ernährung unserer Bevölkerung mit ausreichenden und qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln sicher zu stellen, in einer nach wie vor intakten Umwelt", meint Nützel.

Dabei nimmt die Verdienstspanne seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich ab. Blieben 1991 noch etwa zehn Prozent vom Preis eines Brötchens beim landwirtschaftlichen Erzeuger von Getreide, so sank dieser Anteil bis heute auf etwa zwei Prozent. Nur mit Effizienz und einer zunehmenden Spezialisierung werden sich Landwirte behaupten können.

Doch Nützel hofft auch auf eine Rücksichtnahme der Politik: "In den vergangenen Jahren müssen sich Bauern immer mehr mit Bürokratie und Kontrollen beschäftigen. Das ist ein enormer Aufwand. Hier brauchen wir dringend eine Entlastung." Denn bäuerliches Leben und Traditionen sind Kulturgüter, die nicht nur Franken und seine Landschaft geprägt haben.

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