Bamberg
Uraufführung

Das weckt Erwachsene auf

Der Musica-Viva-Chor bringt unter der Leitung von Ingrid Kasper das Andersen-Märchen "Die kleine Meerjungfrau" am Freitag nach St. Stephan.
Artikel drucken Artikel einbetten
Schon bei der Probe mit Leiterin Ingrid Kasper zeigt sich der Musica-Viva-Chor hervorragend disponiert. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Schon bei der Probe mit Leiterin Ingrid Kasper zeigt sich der Musica-Viva-Chor hervorragend disponiert. Foto: Marion Krüger-Hundrup
+2 Bilder
Märchen sind nicht nur dazu da, um ein Kind zum Einschlafen zu bringen, sondern auch, um den Erwachsenen zu wecken. Die Bamberger Märchenpädagogin Alexandra Eyrich hat diesen Spruch auf ihrer Homepage stehen. Und er trifft ins Schwarze: Das Melodram "Die kleine Meerjungfrau" nach dem Märchen des Dänen Hans Christian Andersen ist als Weckruf mehr als geeignet. Es kommt als Uraufführung am Freitag, 17. Oktober, nach St. Stephan. Bewusst in einen Kirchenraum, weil allein schon Orgel und Glockenspiel für das Stück gebraucht werden. Und weil die Moral von der Geschicht durchaus christliche Anleihen nimmt: Liebe treibt Verwandlung voran, Liebe findet ihre Vollendung im Verzicht. Und die Seele wird durch gute Taten unsterblich.
So wird auch Dekan Hans-Martin Lechner zu Beginn der Aufführung einen geistlichen Impuls setzen.

Schon bei der Probe zeigt sich der Musica-Viva-Chor großartig disponiert: makellose Intonation, fein abgestimmte Klangbalance, kontrastreiche Dynamik. Die wahren Klangkünstler lassen sich von ihrer Chorleiterin Ingrid Kasper inspirieren, die dirigiert und "sauberen Klang" anmahnt.

Die Herausforderung für den renommierten Chor liegt im Immateriellen, Nicht-Fassbaren, Transzendenten der Meerjungfrau, die sie greifbar und hörbar machen müssen. Das gelingt den Sängern und Sängerinnen, die nicht nur Melodien zu Gehör bringen, sondern alle nur denkbaren Geräusche mit Mund und Stimme erzeugen.
Die musikalische Vorlage hat der Nürnberger Komponist Heinrich Hartl geliefert, Absolvent des einstigen Meistersinger-Konservatoriums in den Fächern Orgel, Klavier, Katholische Kirchenmusik und Komposition. Doch seine heimliche Liebe gilt der Vertonung von Gedichten und der Begegnung von Musik und Literatur, ist doch Lyrik für ihn "wie Musik, wie Farbe und Licht" - ein bemerkenswerter Vergleich angesichts der Tatsache, dass Heinrich Hartl seit seiner Geburt blind ist.

Klar strukturiert

Mit Ingrid Kasper an der Seite entstand im Laufe von drei Jahren "Die kleine Meerjungfrau": "Klar strukturierte, impressionistische Musik, weich, lautmalerisch, illustrierend", erklärt die Dekanatskantorin. Verblüffend sei sicher auch, wie mühelos Heinrich Hartl Blues und Walzer zwischen Motetten, Serenaden oder Kirchentonarten in eins gedacht und gemacht habe. Seine Komposition lasse dem Musica-Viva-Chor auch Freiräume, lebendig zu gestalten und zu experimentieren. "Das Melodram ist dem Chor auf den Leib geschnitten!", freut sich Ingrid Kasper.

Die Sopranistin Claudia Götschel singt die Titelrolle, wobei sie stimmlich "in höhere Sphären muss, in die die kleine Meerjungfrau auch hin will", wie sie sagt. Märchenpädagogin Alexandra Eyrich übernimmt den erzählenden Part, Heinrich Hartl spielt selbst die Orgel. Eine gewisse Choreographie oder Lichteffekte sorgen neben dem Hörgenuss für einen Augenschmaus.

Ein richtiger Hingucker ist auch das Plakat, das Chormitglied und Autodidaktin Regina Jans für die Uraufführung entworfen hat: Das Gemälde ruft Assoziationen an tosendes Meer hervor, aus dem die kleine Meerjungfrau hinaussteigt in die Menschenwelt. Blau-grüne Acryl- und Aquarellfarben hat Regina Jans in mehreren Schichten auf Leinwand gebracht: "Die Entstehung war ein Gesamtprozess", blickt sie zurück.

Die Aufführung beginnt um 20 Uhr und dauert etwa 70 Minuten. Eintrittskarten gibt es beim BVD und an der Abendkasse.



Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren