Bamberg
Forschung

Das Welterbe Bamberg geht im Boden weiter

Der Bamberger Stadtarchäologe Stefan Pfaffenberger berichtete bei der VHS über seine Arbeit und die Entdeckungen der Bodendenkmalpflege. Der Boden im Welterbe gab Funde frei, von denen selbst die Wissenschaftler manchmal überrascht werden.
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Das Bild zeigt menschliche Überreste aus einer der beiden Grabstätten, die am Bamberger Domkranz freigelegt wurden. Fotos_ Stefan Pfaffenberger
Das Bild zeigt menschliche Überreste aus einer der beiden Grabstätten, die am Bamberger Domkranz freigelegt wurden. Fotos_ Stefan Pfaffenberger
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Seit fünf Jahren gibt es in Bamberg einen Stadtarchäologen. Dieser heißt Stefan Pfaffenberger. Zum "Jubiläum" hielt er in der städtischen Volkshochschule einen Vortrag über bisher erfolgte Grabungen.

Sein Ziel ist es, den Zuhörern die Bedeutung der Archäologie für das Welterbe näher zu bringen, denn bei dieser Wissenschaft handele es sich um viel mehr als nur "komisches Buddeln", sagte er. Pfaffenberger unternahm mit dem Publikum einen "Ritt quer durch die Altstadt" und präsentierte seine Arbeit an mehreren Beispielen.
Eine "einzigartige" Grabungsstätte befindet sich am Sonnenplätzchen 1. Dort wurde zunächst ein etwa elf Meter tiefer Brunnen aus dem 12. Jahrhundert freigelegt. Das Besondere daran sei das Alter und die Tatsache, dass der Brunnen heute noch bis zu vier Meter Wasser führt. Damit sei er der älteste noch intakte Brunnen Bambergs.
Weitere Ausgrabungen dort ließen auf Vorgängerbauten aus der Zeit vor 1000 schließen.

Pfaffenberger berichtete von hölzernen Straßenbefestigungen, so genannten Bohlenwegen, aus der Zeit um 1100, die in der Dominikanerstraße und Herrenstraße auftauchten. Solche Funde seien sehr selten; sie ließen auf einen schon damals hohen Stellenwert der Sandstraße schließen.

"Bamberg wird überregional sehr dafür beachtet, dass die Stadt einen eigens angestellten Archäologen hat", sagte Pfaffenberger bei seinem Vortrag. Es gebe in Deutschland einige Städte, die sich auf diese Weise ihre Geschichte erhalten möchten. Die Tendenz sei leider fallend.

Die Bedeutung der Archäologie veranschaulichte der Referent an Hand weniger Zahlen. In den fünf Jahren, in denen es die Bamberger Stadtarchäologie gibt, seien etwa 150 Maßnahmen in der Altstadt durchgeführt worden. In den 15 Jahren davor waren es 140.

Skelette am Domkranz

Eine davon fand am Dom statt, genauer gesagt am 1508 erbauten Domkranz vor dem Ostchor. Man stieß auf einige Skelette, die auf einen Friedhof schließen lassen, der wohl vom Ende des 11. bis zum 14. Jahrhundert in Gebrauch war. Darunter fand sich sogar ein zweites Gräberfeld, das laut Pfaffenberger wenigstens so alt ist wie der Heinrichsdom, also aus dem frühen 11. Jahrhundert stammt.

Menschliche Überreste entdeckten die Bodendenkmalpfleger 2013 auch im hinteren Abteigarten des Klosters Michaelsberg. Zunächst stieß man auf einen Totenschädel, der wohl zu einer wichtigen Persönlichkeit der Stadt gehörte. Laut Pfaffenberger hat man früher in der Nähe von Heiligen keine einfachen Bewohner bestattet. Ein zweites Skelett sei mittels Radiokarbonmethode auf das 14. Jahrhundert datiert worden.

Durch diese beiden Funde seien erstmals Bestattungen am Michaelsberg nachgewiesen worden. Diese und weitere Untersuchungen am Michaelsberg wurden im Zuge eines Projektseminars mit Abiturienten des Franz-Ludwig-Gymnasiums durchgeführt.

Zu den Aufgaben der Stadtarchäologie gehört der Auftrag, den Menschen zu zeigen, dass zum Welterbe nicht nur Gebäude gehören, die man heute noch an der Oberfläche sehen kann, sondern auch alles, was im Boden versteckt ist, so Pfaffenberger. Leider sei bei Bauarbeiten in der Vergangenheit manches zerstört worden. Ihm ist es daher ein Anliegen, Tiefbaumaßnahmen besser zu kontrollieren und zu begleiten. "In einem Archiv wird ja auch nicht ab und zu entrümpelt und werden alte Papiere nicht einfach weggeworfen", gab er zu bedenken.
Zu den abgegangenen Dingen gehören weite Teile der hochmittelalterlichen Stadtmauer, die ein fast acht Hektar großes Gebiet der Inselstadt umschloss. Sie wurde ab dem Ende des 18. Jahrhunderts Stück für Stück abgerissen. Dank mehrerer Grabungen und Untersuchungen entdeckte man Reste davon und legte sie wieder frei. Aufschlussreich sei dabei die Altersbestimmung gewesen, so der Experte: In den Quellen werde die Mauer erstmals 1265 erwähnt, weshalb man zunächst von einer Errichtung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ausgegangen sei. Durch die Ausgrabungen habe man aber nachweisen können, dass sie bereits um 1200 existiert haben müsste.

Immer neue Überraschungen

Überraschungen wie diese gehören zum Alltag von Stefan Pfaffenberger und machen für ihn, wie er sagt, auch den Reiz seines Berufs aus: "99 Prozent kann man planen und erwarten. Aber das restliche eine Prozent ist das Wichtigste."
Als weiteres Beispiel verwies er auf den Grünen Markt 6. Dort wurde ein etwa sechs Meter tiefer Schacht aus dem 17./18. Jahrhundert ausgehoben. Zunächst seien die Forscher vor einem Rätsel gestanden, dann glaubte man, eine Mikwe - ein rituelles Tauchbad für Juden - gefunden zu haben. Das Problem dabei sei gewesen, dass sich eine jüdische Besiedlung für diese Gegend nicht habe nachweisen lassen. Dies sei erst durch weitere Quellenforschungen gelungen: Nun wisse man, dass es im 18. Jahrhundert tatsächlich jüdische Besitzer des Anwesens gab. In solchen Fällen werde auch deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel von Archäologie und historischer Quellenarbeit sei, betonte Pfaffenberger.
Für die nächsten Jahre kündigte er Grabungen unter anderem an der Dominikanerkirche und zur Frühgeschichte am Michaelsberg an. Die Bamberger Stadtarchäologie sieht Pfaffenberger gut gerüstet: "Unser Modell passt sehr gut für Bamberg." Und die Vernetzung mit der Universität und Grabungsfirmen helfe, um Ausgrabungen ausreichend zu unterstützen.
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