Gundelsheim
Geschäftsidee

Das Spenden per Smartphone aus Gundelsheim wächst

Vor zwei Jahren haben Rainer Rother und Thomas Helmrich mit ihrem Unternehmen aus Gundelsheim eine Spenden-App entwickelt. Der Nutzer blättert sich durch Werbeprospekte, gemeinnützige Vereine profitieren davon. Inzwischen trägt sich das Geschäftsmodell.
Artikel drucken Artikel einbetten
Rainer Rother (links) und Thomas Helmrich von Smoost sind zufrieden: Ihre Spenden-App wächst stetig. Foto: Matthias Hoch
Rainer Rother (links) und Thomas Helmrich von Smoost sind zufrieden: Ihre Spenden-App wächst stetig. Foto: Matthias Hoch
Das Deutsche Rote Kreuz in Gengenbach (Baden-Württemberg) benötigt ein neues Rettungsfahrzeug. Unterstützt wird das DRK finanziell von Rainer Rother, Thomas Helmrich und Elias Fecher. Auch Katharina, die eine Einsatzjacke braucht, bekommt Geld von den drei Franken, ebenso wie die Malteser aus Menden.

Rother, Helmrich und Fecher sind allerdings keine Samariter, sondern Unternehmer. Vor zwei Jahren haben sie begonnen, über ihre selbstentwickelte Smartphone-App Smoost Spenden für Vereine zu sammeln. Unsicher war damals, ob sich das Geschäftsmodell trägt. Nun wissen die Firmengründer: Es funktioniert. "Wir werden in diesem Jahr 100 000 Euro an Charity-Projekte auszahlen", sagt Rother. Laut dem 36-Jährigen läuft die Sache mit dem Spenden per Smartphone inzwischen sehr gut.
Allerdings erst so richtig, seitdem die Gundelsheimer Unternehmer vor gut einem Jahr ein wesentliches Element ihrer Idee änderten: Wer spenden will, muss nun nicht mehr wie anfangs eine App eines Werbepartners herunterladen, sondern kann digitale Werbeprospekte durchblättern. Tut er dies, werden einem Verein oder Projekt seiner Wahl fünf Cent gutgeschrieben.

Gelernt hätten sie einiges in den vergangenen zwei Jahren, sagen Marketing-Mann Rother und Softwareentwickler Helmrich - und sie lernten immer noch dazu: So funktioniert die Spenden-App nach ihren Erfahrungen besser für kleine, regionale als für große Vereine. Vor allem solche Vereine profitierten, die eine starke Mitgliederstruktur hätten, sagt Rother, die gezielt ihre Mitglieder ansprechen würden.

Der WWF, der zu Beginn in der App auftauchte, hat das wohl nicht getan, er ist inzwischen nicht mehr dabei. Zu wenige Spenden seien für die Umweltorganisation auf diesem Wege zusammengekommen.


Lokale Projekte, lokale Werbung

Viele der Vereine, für die bei Smoost gespendet werden kann, haben bisher nur geringe Euro Beträge gesammelt. Ein lokales Projekt "Rettung der Kirche St. Michael" in Bamberg steht gerade mal bei 26,40 Euro. Der DRK in Gengenbach kann hingegen von größeren Beträgen berichten: Für das neue Rettungsfahrzeug sind schon fast 5000 Euro zusammengekommen.

Damit die Spenden fließen, müssen die Konsumenten weiterhin etwas über sich preis geben: Durch die aktivierte Standortabfrage der Smartphones weiß Smoost, wo sich die Nutzer befinden. So werden lokale Werbeinhalte, die in der App hinterlegt sind, dem Spender vorgeschlagen. Denn das ist zentral: "Lokale Projekte werden unterstützt, indem lokale Werbeprospekte angeschaut werden", erklärt Rother.

Smoost hat mit dem zweitgrößten Anbieter von Werbeprospekten in Deutschland einen Vertrag abgeschlossen. "Drei Millionen Prospektseiten liefern wir pro Monat", erklärt Rother. Das Geld, das die Gundelsheimer dafür bekommen, zahlen sie zu drei Viertel an die Vereine und Projekte aus. Ein Viertel behalten sie selbst. So bekommen die Vereine Spenden, ohne dass Nutzer Geld ausgeben müssen.

Die Gewinnschwelle sei inzwischen erreicht, erklärt Rainer Rother. Dennoch müssen die drei Jungunternehmer aktuell neben Smoost in anderen Jobs arbeiten und privates Geld sowie Geld von Investoren in das Unternehmen stecken. Doch wächst das Team ständig: Inzwischen haben sie drei Mitarbeiter. Einer davon ist Nerajo Negash (23), der Wirtschaftsstudent wird ab kommendem Jahr erster fest angestellter Mitarbeiter beim Start-Up-Unternehmen sein.


Über 600 Vereine registriert

Die Zahl der in der Spenden-App registrierten Vereine und gemeinnützigen Projekte (Gemeinnützigkeit ist Voraussetzung) wächst laut Rother jeden Monat. Im November seien allein 60 neue Vereine dazugekommen. Nun stehe man bei 600. Und Rother sieht noch großes Potenzial für das Unternehmen: "In Deutschland gibt es 600 000 Vereine!"
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren