Bamberg

Das Lampenfieber überwunden

Die Spielsaison 2015/16 bringt am E.T.A.-Hoffmann-Theater zwölf neue Schauspieler. Heute stellen wir Bertram Maxim Gärtner vor.
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Bertram Maxim Gärtner in einem Bamberger Café   Foto: Lukas Gärtner
Bertram Maxim Gärtner in einem Bamberger Café  Foto: Lukas Gärtner
Rund ein halbes Jahr ist bereits vergangen, seit sich für Bertram Maxim Gärtner ein bedeutender Wandel vollzog - damals, im Sommer des vergangenen Jahres. Es war der Gang an das Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater, der Schritt in das erste feste Engagement, mit dem er das Leben als freier, ungebundener Schauspieler gegen ein Leben mit einer Konstante, die der größeren Sicherheit, eintauschte.

Aber sogar ein halbes Jahr später merkt er, wenn auch mit einem Lächeln, dass die Vergangenheit ihn gelegentlich einholt: "Manchmal denkt man am Ende des Monats: Oh Gott, wo wird wohl mein nächster Job sein? Und dann kommt mir, dass ich ja jetzt in einem festen Engagement bin", erzählt er schmunzelnd.


Es war die Unsicherheit, die ihm in den anderthalb Jahren als freier Schauspieler nach seinem Studium zu schaffen machte, das Ungewisse, mit dem er sowohl im Alltag als auch im Beruf konfrontiert wurde - und das in zweierlei Hinsicht: "Die erste Frage, die sich stellte, war: Wie komme ich als unerfahrener Schauspieler an mehr Spielroutine? Die zweite war grundlegender: Wie kann ich im nächsten Monat meine Versicherung bezahlen?" Die Antwort auf beide Fragen fand Bertram Maxim Gärtner vergangenes Jahr im festen Engagement: "Den Zugang zur Theaterschauspielerei lernt man richtig, wenn man so durchgepeitscht wird wie jetzt."

Für ihn ist dieses hohe Arbeitspensum in erster Linie positiv - auch weil er als noch unerfahrener Schauspieler in Stücken wie Hebbels "Die Nibelungen", Schimmelpfennigs "Das schwarze Wasser" oder von Kotzebues "Krähwinkel" die große Bühne bespielen darf.

Begonnen hatte alles wesentlich unbedarfter. Geboren in Cottbus, aufgewachsen in der Nähe von Dresden und später in Heilbronn, fing seine Karriere als Schauspieler, wie er selber sagt, eigentlich ganz gewöhnlich mit dem Imitieren von Familie und Freunden, die das gelegentlich weniger lustig fanden, an und startete so richtig im Jugendclub des Stadttheaters Heilbronn. Nichtsahnend, welche Dimension das Ganze noch erreichen sollte, folgte dem Abitur auf Umwegen und vier vorangegangenen Vorsprechen die finale Zusage der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin, wo er 2013 sein Studium abschloss.

In dieser Zeit lernte Bertram Maxim Gärtner zwei Dinge ganz besonders: seine Grenzen im Spiel mit der eigenen Persönlichkeit auszuloten und mit dem Druck umzugehen, den man sich als Schauspieler häufig selber auferlegt, der aber ebenso von außen ausgeübt wird. "Besonders während des Studiums gab es eine gewisse Nervosität, die schädlich sein konnte", erinnert er sich, "mittlerweile hat sich bei mir aber eher ein produktiver Respekt vor den Auftritten etabliert." Lampenfieber? Heute gibt es das bei ihm nicht mehr.

Nach anderthalb Jahren als freier Schauspieler lebt und wohnt Bertram Maxim Gärtner nun in Bambergs Altstadt. Verglichen mit der Bundes- und Kulturhauptstadt Berlin ist der Kontrast groß. Aber ob nun Groß- oder Kleinstadt, der Grundauftrag eines jeden Theaters sei derselbe, so Gärtner: Radikal müsse es sein; radikal im Sinne von: Den Finger in die Wunde legen; keine Tabus zulassen. "Es ist sehr wichtig, dass wir in dieser Spielzeit so viele politische Stücke aufführen", so Gärtner, "da funktioniert das besonders gut." Für ihn ist Theater grenzenlos. Und genau deshalb hat er diesen Beruf gewählt.

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