Würgau
Motorradfahrer

Das Ende der "Applaus-Kurve" am Würgauer Berg?

Die Stadt Scheßlitz greift zu den letzten Mitteln und geht in diesem Jahr konsequent gegen Verkehrsrowdys am Würgauer Berg vor. Mit baulichen Veränderungen will man den Motorrad-Rasern den Spaß verderben.
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Lasermessung am Würgauer Berg soll es in Zukunft noch mehr geben. Außerdem geht die Stadt Scheßlitz und das Staatliche Bauamt Bamberg mit baulichen Maßnahmen gegen rasende Motorradfahrer vor. Foto: Matthias Hoch /Archiv
Lasermessung am Würgauer Berg soll es in Zukunft noch mehr geben. Außerdem geht die Stadt Scheßlitz und das Staatliche Bauamt Bamberg mit baulichen Maßnahmen gegen rasende Motorradfahrer vor. Foto: Matthias Hoch /Archiv
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Die "Applaus-Kurve" am Würgauer Berg "verstummt". Das zumindest ist das Ziel, das die Verantwortlichen erreichen wollen. Keine Zuschauer mehr am Berg - weniger Motorradfahrer. Nach Jahren des (erfolglosen) Kampfes gegen den Lärm und die Gefährdung durch Raser - sollen es jetzt bauliche Maßnahmen richten. Geht die Rechnung auf?

Polizeihauptkommissar Peter Krauß von der Polizei Bamberg-Land glaubt das schon. "In der ,Applaus-Kurve‘ stehen sie immer und filmen sich." Das motiviere die Motorradfahrer, sich noch mehr reinzuhängen, bis die Funken sprühen.

Nicht selten passierten Unfälle. Im vergangenen Jahr waren es mehr denn je. Das soll sich ändern. Es soll keinen Platz mehr geben zum Filmen. Ein Hecke als Sichtschutz soll dazu gepflanzt werden entlang der "Applaus-Kurve".

Dringender Handlungsbedarf

Man habe etwas tun müssen. Nicht nur Krauß sieht Handlungsbedarf. Auch der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper (CSU). "Es hat ja keiner etwas gegen Motorradfahrer, wenn sie vernünftig fahren", sagt Kauper.
Die Realität sieht aber anders aus: Ein Biker wurde hier schon mal mit Tempo 162 bei erlaubten 50 km/h erwischt. Nach dem jüngsten Anstieg der Unfallzahlen müsse man nun etwas tun. Doch könne die Polizei nicht ständig kontrollieren, sagt Kauper. Ihm wäre es am liebsten, wenn ein stationärer Blitzer aufgestellt würde. Doch das sei außerhalb geschlossener Ortschaften in Bayern rechtlich nicht möglich.

Also wird gebaut: Gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg, das für die Bundesstraße 22 am Würgauer Berg zuständig ist, will man nun aktiv werden. Die Stadt hat dazu Gespräche mit Grundstücksbesitzern geführt. Auch mit Würgaus Ortssprecherin Alexandra Wunner. Ihrer Familie gehört die Fläche an der "Applaus-Kurve", die nun umgestaltet werden soll. Sie bestätigt die Pläne. Beim zuständigen Staatlichen Bauamt weist man darauf hin, dass eine Hecke allerdings erst im Herbst, wenn wieder gepflanzt werden kann, kommen wird.

Ob die Hecke dann den schnellen Erfolg bringen wird, zweifelt Ortssprecherin Wunner an. Schließlich dauere es sicherlich bis zu drei Jahre, bis der Strauch eine ausreichende Größe erreicht hat. Beim Bauamt heißt es, man plane, entsprechend große Pflanzen zu setzen, die von Anfang an den gewünschten Effekt erzielten.

Wo wenden die Biker?

Neben der "Applaus-Kurve" sollen bereits zu einem früheren Zeitpunkt einzelne Feldwege nach Absprache mit den Anliegern verengt werden. Eine Parkbucht weiter oben wurde bereits geschlossen. Am Ortseingang, wo die Biker immer wenden, um wieder auf den Berg zu fahren, soll nur noch das Rechtsabbiegen nach Würgau rein erlaubt sein.

Zweifel, ob das Früchte trägt, gibt es. Nicht nur Ortssprecherin Alexandra Wunner fürchtet, dass sich dadurch die Problematik in den Ort verlagern könne. Auch Roland Kauper weiß das, aber er sagt: "Es ist ein Versuch. Ob er Erfolg hat, wird sich Ende des Jahres zeigen." Mehr könne man derzeit nicht machen. Eine Sperrung für Biker ist rechtlich wohl nicht drin. Obwohl das für viele die beste Lösung wäre.

So geht der Kampf gegen Windmühlen weiter. Neben den baulichen Veränderungen will die Polizei Bamberg-Land neben der Verkehrspolizei so viel wie noch nie kontrollieren: "Jedes Wochenende sind wir dort", sagt Polizist Peter Krauß. Über 60 Stunden sollen es heuer werden. Im vergangenen Jahr waren es 53 Stunden. Es gab einige Anzeigen. Jedes Jahr verletzen sich Motorradfahrer.

Auch der Lärm zehrt an den Nerven der Würgauer: "Kommen Sie mal vorbei und hören Sie sich das an", sagt Alexandra Wunner, die am Ortseingang wohnt. Der Lärm eines Rasenmähers sei nichts gegen den, den die Motorradfahrer jedes Wochenende am Berg erzeugten.

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