Bamberg
Theater

Damit "Max" Fremde nicht mehr fürchten muss

Was steckt hinter Fremdenfeindlichkeit? Wie erleben Migranten Deutschland? Dirk Bayer bringt ein interaktives Stück zum Thema Asyl an fränkische Schulen.
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"Willkommen in Deutschland?" Dirk Bayer spricht mit Schülern auch über die Fremdenfeindlichkeit, der die Kinder auf den Grund gehen sollen.  Foto: pr
"Willkommen in Deutschland?" Dirk Bayer spricht mit Schülern auch über die Fremdenfeindlichkeit, der die Kinder auf den Grund gehen sollen. Foto: pr
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Als Requisiten dienen das Pult und eine Tafel, an der einmal kein Paukstoff steht. Das Klassenzimmer wird zur Bühne, auf der "fremd doch freund" gegeben wird: Ein schweigsamer Junge, der weder Deutsch spricht noch versteht, tritt ins Rampenlicht. Und "Max", der keine Ausländer mag. Warum eigentlich? Was steckt hinter seiner Zurückhaltung, die andere Kinder nicht verstehen?


Ein Angstthema

"Um unseren Umgang mit Flüchtlingskindern geht's bei dem interaktiven Theaterstück, das ich nun auch in fränkische Schulen und Kindergärten bringen möchte", sagt Dirk Bayer. "Denn das Asyl-Thema ist ein Angstthema, mit dem wir alle erst umzugehen lernen müssen", so der Sozialpädagoge, den viele sicher auch als Straßenclown mit roter Nase, Schlapphut und überdimensionalen Tretern kennen.
Legt der Clown aber seine Maskerade ab, dann kommt der Theaterpädagoge Bayer zum Vorschein: Ein Querdenker, der mit Dorothea Schreiber im vergangenen Jahr zwei interaktive Stücke zur Integration und zum besseren Umgang mit Flüchtlingen schrieb.
"Leider sorgen Unterschiede im Glauben, der Kultur und Lebensweise von Menschen für Unsicherheiten", meint Bayer. Eine Verunsicherung, über die der Pädagoge bei Besuchen an Schulen auch mit Lehrern sprach, die das Thema mit seiner Hilfe auf eher unkonventionelle Weise anzugehen suchten. Zumal Bayer seit zwei Jahrzehnten mit Stücken zur Gewaltprävention, zu sexuellem Missbrauch und anderen Problematiken mit Kindern und Jugendlichen arbeitet.



So entwickelten die beiden Autoren zunächst "fremd doch freund" als interaktives Theaterstück für Schüler ab der 4. Klasse, das schon an diversen sächsischen Schulen zu sehen war: "Interessante Probeläufe - gerade in Klassen, in denen es Flüchtlingskinder gab", sagt Bayer. Alle Schüler, mit denen er sprach, hatten mit den Migranten durchweg positive Erfahrungen gesammelt. "Viele verstanden darum nicht, welche Vorurteile Erwachsene Fremden gegenüber hegen. Ein Junge fragte mich ganz treuherzig wegen eines neuen Klassenkameradens: ,Was hat denn unser Jassi mit Terroristen zu tun?'"



Aus Angst

Dementsprechend kommen bei den interaktiven Theaterstücken Ressentiments zur Sprache. "Über ,Max' als fiktive Person und seine Tante zeige ich Kindern, dass hinter Fremdenfeindlichkeit oft nichts anderes als Angst steht", berichtet der Theaterpädagoge: Die Furcht vor dem Unbekannten, die Jungen und Mädchen von Erwachsenen so lange eingeimpft wird, bis sie sie übernehmen.


Barrieren überwinden

"Clown Bonzo" kommt für Kindergartenkinder ins Spiel, an die sich das zweite interaktive Theaterstück mit Dirk Bayer richtet. "Gemeinsam suchen wir auch hier nach Möglichkeiten, die Sprachbarriere zu überwinden und Unterschiede als Bereicherung, nicht als Problem zu begreifen."



In Memmelsdorf war "fremd doch freund" bereits zu sehen. Lehrer, Rektoren und Kindergartenleiter, die sich für die interaktiven Theaterstücke interessieren, sollten sich mit ihrem Anliegen direkt an Bayer wenden: Im Netz ist der Theaterpädagoge unter seiner Homepagezu finden.
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