Die Bamberger Rentnerin denkt mit Grausen an den Dezember 2009. Damals hatte sich in dem gepflegten Haus in Bamberg-Ost über Nacht ein größerer Bordellbetrieb eingemietet. Ohne Vorwarnung sahen sich die Mitbewohner mit den typischen Problemen des Rotlichtmilieus konfrontiert: Im Viertelstundentakt spazierten Freier in die Dachgeschoss-Wohnung, aus der einschlägige Geräusche drangen. Zwei bis drei Frauen boten im wöchentlichen Wechsel käufliche Liebe an. "Im engen Treppenhaus herrschte eine Atmosphäre der Angst", erinnert sich die Frau.

Heute leben in dem Haus keine Prostituierten mehr. Sie sind im Frühling 2011 ausgezogen und kamen nicht wieder - aber nicht, weil das Geschäft mit dem bezahlten Sex als solches verboten wäre oder weil ein krimineller Hintergrund die Polizei hätte einschreiten lassen. Es war das Bauordnungsamt der Stadt, das einen Feldzug gegen die Liebesdienerinnen führte. "Modell-Wohnungen gelten im Baurecht als störendes Gewerbe und sind in reinen Wohngebieten nicht zugelassen", erklärt Jochen Frank die bürokratische Waffe.

Sie hat Bambergs Rotlichtgewerbe 2011 das Fürchten gelehrt. Mehr als 25 einschlägige Adressen von Gaustadt bis zur Gereuth, von Bamberg-Ost bis in die Innenstadt hat die Stadt in den vergangenen Monaten überprüft. Ergebnis: Insgesamt 15 illegale Bordelle in Wohngebieten flogen auf und konnten geschlossen werden; in einem Fall hat das Verwaltungsgericht die Sicht der Stadt bestätigt, ein weiterer Fall ist noch bei Gericht anhängig.
Der Erfolg hat die Beamten der Stadt offenbar selbst überrascht. Noch vor einem Jahr, als der Stadtrat der Verwaltung den Auftrag erteilte, etwas gegen das überbordende Sexgewerbe in Bamberg zu tun, rechnete man sich eher geringe Chancen aus. Die Stadt fürchtete langwierige Rechtsstreitigkeiten mit Immobilienbesitzern und hartnäckigen Widerstand aus der Szene.

Doch das erwies sich als unbegründet. "Es hat sich im Milieu wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass die Stadt Ernst machen will. Viele der Wohnungseigentümer zogen sich bei der ersten Anfrage freiwillig zurück und haben die Wohnungen verkauft oder anderweitig vermietet", freut sich der zuständige Mitarbeiter im Bauamt.
Doch warum, wenn es so leicht war, wurde dann nicht viel früher eingegriffen? Laut Polizei hat sich das Problem erst seit der Jahrtausendwende zugespitzt. Gleichzeitig schrumpften wegen der Legalisierung des Sex-Gewerbes die Möglichkeiten der Behörden einzuschreiten. Sie fühlten sich machtlos.

Nun weiß man, dass das unbegründet war. Auch die Befürchtung, dass die geschlossenen Bordelle an anderer Stelle wieder neu nachwachsen, erweist sich als Irrglaube: "Wir haben keinen Hinweis dafür, dass das so ist." Hintergrund: Wohnungen in reinen Industriegebieten oder in Mischgebieten, wo Prostituierte in Übereinstimmung mit dem Baurecht arbeiten können, gibt es in Bamberg eher selten. Außerdem müssen dann die Bestimmungen für den Immissionsschutz eingehalten werden. "Das wird nicht so einfach sein", heißt es bei der Stadt.
Dort will man weiter ein waches Auge auf die Rotlichtszene haben. Auch wenn es derzeit so aussieht, als sei die Schlacht gewonnen, gibt es Tendenzen, die auffallen: Einige Bordell-Betreiber wollen angeblich die Stadt wechseln, andere Anbieter nennen bei einschlägigen Anzeigen nur noch eine Telefonnummer, um die Adresse des Bordells zu tarnen. Großen Erfolg bescheinigt der konsequenten Überprüfung durch die Stadt auch Harald Förtsch, der bei der Kripo Bamberg für das Rotlichtgewerbe zuständig ist. "Insgesamt hat das Bauamt das Problem mit der Wohnungsprostitution sehr gut gelöst. Es ist richtig ruhig um die Szene in Bamberg geworden", stellt Förtsch fest.

Das verringert auch die Anforderungen an die Kriminalpolizei, die bei Hinweisen zur Wohnungsprostitution trotz vieler Beschwerden bisher nur dann eingreifen konnte, wenn es um Straftaten ging. Um Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung oder Fälle von Sachbeschädigung. Zwar stach die Zahl krimineller Vergehen rund um die Prostitution seit 2001 nicht besonders hervor; dennoch kam es immer wieder zu bemerkenswerten Vorfällen, darunter 19 so genannte Buttersäure-Attentate. Diese extrem stinkende Chemikalie macht Wohnungen für Monate unbewohnbar, was Täter aus konkurrierenden Rotlicht-Kreisen nahe legt. Das letzte derartige Attentat liegt nun ein Jahr zurück.

Die Jäckstraße "kämpft noch"


Die bisher größte Kontrolle von Bordellen in Bamberg kam nicht von ungefähr. Ausgelöst hat sie der Betreiber eines Sexclubs in der Jäckstraße. Dieser hatte den Fraktionen im Stadtrat kurz nach der Eröffnung seines Clubs 2010 vorgeworfen, dem Wildwuchs illegaler Bordelle tatenlos zuzusehen. Das tatkräftige Einschreiten der Stadt gegen die illegalen Bordelle stellt den Bamberger Sex-Unternehmer allerdings nicht zufrieden. Nach wie vor gebe es in Bamberg zu viele Frauen, die ihre Dienste in der Illegalität anböten.