Bamberg
Interview

Christian Ude: "Mache, was mir Spaß macht!"

Christian Ude und die Blechbläser der Münchner Philharmoniker alias "Blechschaden" gastieren am 27. Dezember in Bamberg. Zuvor beantwortete der Münchner Alt-OB unsere Fragen.
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Christian Ude hat gut Lachen - bestimmt auch auf dem Podium der Konzerthalle. Foto: RiegerPress
Christian Ude hat gut Lachen - bestimmt auch auf dem Podium der Konzerthalle. Foto: RiegerPress
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Das etwas andere Weihnachtskonzert - mit viel Witz und Virtuosität - präsentieren die Blechbläser der Müncher Philharmoniker am 27. Dezember in Bamberg. Christian Ude sorgt bei dem "Blechschaden" - so der Titel des Programms - für die satirische Auflockerung.

Herr Ude, fehlt Ihnen das Rampenlicht? Ist Ihnen zu Hause zu langweilig? Müssen Sie gar Ihre Rente aufstocken, oder warum gehen Sie aktuell mit dem Ensemble von Blechschaden auf Tournee?
Christian Ude: (lacht) Ich habe es immer genossen, mit "Blechschaden" aufzutreten. Wir machen schon seit fünf Jahren gemeinsame Veranstaltungen jeweils zum Jahresende mit Musik der Blechbläser und Satiren von mir. Das hat sich so gut bewährt, dass ich es überhaupt nicht einsehe, jetzt damit aufzuhören, wo ich doch endlich noch mehr Zeit dazu habe. Aber auch sonst nutze ich meine Zeit dafür, das zu tun, was mir Spaß macht und anderen Menschen hoffentlich auch.

Wie kam es damals zu der Symbiose von "Blechschaden" und Ihnen?
Meine Zuneigung zu "Blechschaden" ist schon älter, und ich habe das Ensemble immer dort einbezogen, wo es mir als Veranstalter möglich war. So beispielsweise bei der 850-Jahrfeier der Stadt München. Das Ensemble sorgt für Stimmung wie kaum ein anderes. Daher habe ich die Musiker mit einer Auszeichnung geehrt, die nie ein anderer Mensch erfahren wird: nämlich "München leuchtet in Blech". Die gibt es sonst nur in Gold, Silber und Bronze, aber Bob Ross und seine Mitkämpfer haben es in Blech erhalten, weil es doch die angemessenere und einmaligere Ehrung ist. Aber zurück zur Frage: Die eigentliche Idee, uns zusammenzuspannen, hatte der Protokollchef der Stadt München. Der meinte, wenn ein städtischer Empfang den Leuten wirklich Freude machen soll, dann gehört Musik von "Blechschaden" und Satire vom Oberbürgermeister dazu. Und seitdem treten wir gemeinsam auf.

Vermissen Sie dennoch nicht ein bisschen Ihr politisches Leben?
Ich vermisse überhaupt gar nichts, denn alles was mir politisch wichtig erscheint, wie die Griechenland-Politik oder die Beziehungen zur Türkei, kann ich jetzt auch noch voranbringen. Und das mache ich auch! Ich bin jetzt allerdings nicht mehr in ein Zwangskorsett hineingepfercht mit unzähligen Terminen am Tag. Ich genieße meine Freiheit. Dennoch bleibt man, so lange man atmen kann, natürlich auch politisch.

Und wie empfindet Ihre Frau Ihre neue Freiheit? Wünscht Sie sich nicht doch öfters insgeheim, dass Sie noch etwas länger in der Politik geblieben sind?
Nein, ganz im Gegenteil. Meine Frau hat es nur mit Fassung ertragen, dass ich sogar bereit war, eine weitere Runde anzuhängen, wozu es allerdings nicht gekommen ist. Umso mehr freut sich meine Frau nun, dass wir jetzt täglich intensiv Zeit füreinander haben. Wir können endlich gemeinsam frühstücken oder ausgehen und unseren Interessen gemeinsam nachgehen.

Sie verfolgen sicherlich die Flüchtlingskrise und wie Tausende von Menschen am Münchner Bahnhof über Nacht angekommen sind. Sind Sie angesichts solcher Bilder nicht doch erleichtert, dass Sie solche schwierigen Aufgaben nicht mehr selbst lösen müssen?
Ich war nie jemand, der bei großen Herausforderungen davongelaufen ist. Ich habe das Flüchtlingsthema gleich zu Beginn der 90er-Jahre, zwar mit kleineren Zahlen, aber viel schlimmeren Anfeindungen von Seiten der Bevölkerung erleben müssen. Natürlich sind die rein zahlenmäßigen Herausforderungen nun weitaus größer. Aber auch den Terror habe ich in allen Fassaden miterlebt. Wenn ich zurückdenke, wie damals eine Woche nach dem 11. September das Oktoberfest bevorstand. Das waren Nervenproben, wie wir sie jetzt wahrscheinlich unter der Drohung des Terrors wieder wahrnehmen.

Kommen wir nun zurück zu Ihnen und Ihren Auftritt mit "Blechschaden". Sind Sie eigentlich selbst musikalisch?
Ich habe tatsächlich, um den Geigenkurs etwas hinausschieben zu können, Gitarre gespielt. Ich hab es sogar bis zur Konzertreife gebracht. Dies ist übrigens eine der Geschichten, die ich erzähle. Aber am Ende blieb es bei dem einen Konzert. Mittlerweile beherrsche ich noch ein Instrument: die Triangel. Diese werde ich bei meinem Auftritt mit "Blechschaden" einmal kurz betätigen, um mich würdig in den Kreis der Musikanten einzubringen. Ansonsten werde ich nur die Rolle des Erzählers übernehmen.

Wie feiern Sie Weihnachten?
Es gibt bei uns nur eine einzige Besonderheit. Wir sind 15 Familienmitglieder unter einem Dach, also eine größere Zusammenkunft. Allerdings nur alle zwei Jahre, da die Söhne und Töchter in einem Jahr die jeweils anderen Schwiegereltern besuchen. Die Besonderheit ist jedoch, dass jedes Jahr immer um 17 Uhr eine türkische Familie, mit der wir seit über 15 Jahren seit einer Türkeireise befreundet sind, kommt, um ein schönes Fest zu wünschen. Seitdem ist das eine feste Regel. Erst kommen die Türken und dann das Christkind.

Und auf was dürfen wir uns am kommenden Mittwoch freuen?
Es wird ein richtig mitreisendes schwungvolles, humorvolles und virtuoses Konzert, das dabei durchaus auch vorweihnachtliche Weisen präsentiert. Allerdings in ungewohnter Überarbeitung. Und es wird jede Menge satirische Texte geben, die aber irgendwie mit der Weihnachtszeit zu tun haben, aber eher in ironischer Distanz.

Das Gespräch führte
Harald Rieger.


Christian Ude und Blechschaden gastieren am 27. Dezember um 18 Uhr in der Bamberger Konzerthalle. Karten sind erhältlich unter anderem in den Geschäftsstellen und Servicepoints der Mediengruppe Oberfranken sowie an der Abendkasse.




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