Bamberg
Missbrauchs-Prozess

Chefarzt-Prozess in Bamberg: Rückschlag für den Angeklagten

Der frühere Chefarzt Heinz W. muss in Untersuchungshaft bleiben. Für seinen Anwalt ist dies nicht nachvollziehbar.
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Das Bamberger Gefängnis wird der angeklagte Heinz W. so schnell nicht verlassen können. Foto: Ronald Rinklef
Das Bamberger Gefängnis wird der angeklagte Heinz W. so schnell nicht verlassen können. Foto: Ronald Rinklef
Seit fast 330 Tagen sitzt der frühere Chefarzt für Gefäßchirurgie am Bamberger Klinikum, Heinz. W., in Untersuchungshaft. Und er kommt wohl nicht so schnell wieder heraus. Hintergrund: Das Landgericht hatte einen Antrag des Mannes abgelehnt, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen. Das Gericht sehe immer noch eine Fluchtgefahr bei dem Angeklagten. Justizsprecher Leander Brößler: "Das Landgericht bejaht weiterhin den Haftgrund der Fluchtgefahr, da der Angeklagte im Falle einer Verurteilung im Sinne der Anklage mit einer deutlichen Gesamtfreiheitsstrafe zu rechnen habe; eine derartige Straferwartung stelle regelmäßig einen massiven Fluchtanreiz dar."

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll im Klinikum Bamberg Patientinnen ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen haben. Diese Praktiken habe er zudem gefilmt und fotografiert. Der Gefäßchirurg dagegen erklärt, aus rein medizinischen Gründen gehandelt zu haben. Eine sexuelle Motivation weist er zurück. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mediziner bis zu 15 Jahre Haft.

Bespuckt und angepöbelt
Für den Verteidiger des Mediziners, Dieter Widmann, ist die Beibehaltung des Haftbefehls dagegen nicht nachvollziehbar. Gegenüber dieser Zeitung erklärte der Anwalt: "Meines Erachtens liegt keine Fluchtgefahr vor. Im Gegenteil, mein Mandant stellt sich dem Verfahren und kooperierte sogar während der Ermittlungen!"

Für den früheren Chefarzt stelle die Ablehnung seines Antrags einen schweren Rückschlag dar, ergänzt Widmann. "Für ihn ist es unverständlich, dass er weiter in Haft bleiben muss. Er will aber weiter darum kämpfen, die U-Haft verlassen zu können. Die Bedingungen dort sind eine Belastung für ihn und seine Familie." Heinz W. werde nach Angaben seines Verteidigers in der Justizvollzugsanstalt bespuckt und angepöbelt. Für den früheren Spitzenmediziner, der auf Kongressen und Seminaren häufig Vorträge zu seinem Fachgebiet Beckenvenen-Thrombosen hielt, seien das unerträgliche Zustände.

Eine mögliche Kaution, die sich wohl im sechsstelligen Bereich bewegt hätte, wäre vom Onkel des Mediziners, einem ehemaligen Ministerialdirigenten im bayerischen Kultus- und Wissenschaftsministerium, gestellt worden. Er hatte an den Anwalt seines Neffen, Klaus Bernsmann, einen Brief geschrieben. "Ich sorge mich um sein Leben", zitiert Bernsmann aus dem Schreiben. Doch der Onkel sorge sich auch um die Familie, die Ehefrau und die beiden Kinder seines Neffen und erwähnt unter anderem deren "traumatische Lage".

Für die Richter keine ausschlaggebenden Argumente. Im Gegenteil: Mildere Maßnahmen wie etwa Meldeauflagen bei der Polizei oder eine Kaution seien nicht ausreichend, um mögliche Fluchtpläne zu verhindern, argumentierte das Landgericht nun in Sachen Haftbefehl. Zudem sehe es immer noch einen dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten - daran hätten seine bisherigen Ausführungen vor Gericht und auch die Beweisaufnahme nichts geändert.

Am kommenden Montag wird der Prozess gegen Heinz W. in Bamberg fortgesetzt. Als Zeuge ist dann einer der ermittelnden Beamten geladen, der die Patientinnen vernommen hat, die während der Untersuchungen durch den früheren Chefarzt laut Anklageschrift missbraucht worden sein sollen.

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