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Bamberg
Vorwurf Missbrauch

Chefarzt-Prozess in Bamberg: Eltern der 27-jährigen Studentin sagen aus

Am Dienstag ist der Prozess gegen den ehemaligen Chefarzt wegen Missbrauch in Bamberg fortgesetzt worden. Die Eltern der Hauptbelastungs-Zeugin standen im Mittelpunkt.
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Der Angeklagte Heinz W. klappt vor Gericht sein Notebook auf.
Der Angeklagte Heinz W. klappt vor Gericht sein Notebook auf.
Die Aussagen der Eltern des mutmaßlichen Opfers (27) von Heinz W. standen am Dienstagvormittag im Mittelpunkt des Missbrauchs-Prozesses. Ihre Tochter soll am 28. Juli in der Ambulanz während einer Untersuchung für eine vermeintliche Studie betäubt und vom früheren Chefarzt des Klinikums Bamberg missbraucht worden sein. Ihre Erinnerungslücken führten schließlich zu mehreren Telefonaten mit den Eltern und der Schwester und dem Entschluss, eine Blutprobe zu nehmen.

Die Mutter (53) der jungen Frau schilderte die Ängste an jenem Abend: "Ich saß mit meiner anderen Tochter abends zuhause, nachdem wir von den Schilderungen gehört hatten und überlegten, was passiert sein könnte.
Wir hatten Befürchtungen, aber wir dachten nicht, dass Vergewaltigung dahinter stecken könnte."


Die Familie der Studentin war sehr besorgt

Vor allem die Tatsache, dass das Forchheimer Krankenhaus keine Blutentnahme durchführte, sorgte für rege Diskussionen in der Familie der jungen Studentin. Das bestätigte auch ihr Vater (54) vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg.

Der Internist erinnerte sich an den damaligen Tag zurück, als er gegen 22 Uhr vom Tennisspielen nach Hause kam: ". Es war eine sehr gedrückte Stimmung, ich merkte sofort, etwas Schlimmes passiert war. Es hat sich schnell geklärt, dass meine Tochter einen Bewusstseinsverlust von einer Stunde hatte. Das Schlimme war, dass der Angeklagte es zuließ, dass sie in diesem Zustand Auto fuhr."

Eine gynäkologische Untersuchung der Tochter sei mit dem Hinweis verweigert worden, dass in solchen Fällen erst Anzeige bei der Polizei erstattet werden müsse.


Das Labor fand hohe Werte des Beruhigungsmittels Midazolam im Blut

Daher fasste der Vater den Entschluss, seiner Tochter selbst Blut zu nehmen und diese Probe an ein Labor zu schicken. Der Befund ergab ein eindeutiges Ergebnis: hohe Werte des Beruhigungsmittels Midazolam im Blut der Studentin.

Als die junge Frau mit ihrem Vater Anzeige gegen Heinz W. bei der Polizei Bamberg erstattet hat, soll von einem der Beamten der Satz gefallen sein, die Beamten müssten sich erst um wichtigere Fälle kümmern. Aus der Angst heraus, die Ermittlungen würden verzögert, wandte sich der Vater auch an einen früheren Bekannten, Bambergs Polizeichef Udo Skrypczak.

Zudem habe er in den Wochen nach dem 28. Juli auch diverse Mails an die ermittelnden Beamten gesendet. "Weil ich unter allen Beteiligten als Arzt die größte Fachkompetenz hatte. Und weil ich wollte, dass Beamte schnellst möglich ermitteln, bevor wichtige Zeit vergeht", erklärte der Vater dazu vor Gericht. Und er fügte hinzu: " Ich warf ihm (Polizeidirektor Skrypczak; Anm. d. Red.) dann meine Erinnerungsprotokolle in den Briefkasten. Ich wollte ihn bitten, die Vorkommnisse aus unserer Sicht zu sehen und diese Tat entschiedener zu verfolgen. Ich wollte Ermittlungen forcieren. Ich hatte den Eindruck, es war etwas Schlimmes passiert."

In einer Mail vom 15. September 2014 (versendet um 0.21 Uhr) schilderte der Vater auch die Ängste vor einer Rache, wenn der Mediziner aus er U-Haft entlassen werden sollte. Für den Verteidiger von Heinz W. eine inakzeptable Vorgehensweise. Er kritisierte: "Das macht die Sache relativ grotesk."

Der ehemalige Chefarzt Heinz W. weist die Vorwürfe von sexuellem Missbrauch zurück. Laut Anklage soll sich er sich an zwölf jungen Patientinnen und Klinikangestellten vergangen haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

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