Bamberg

Chefarzt-Prozess: Opfer kamen noch nicht zu Wort

Die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg setzte nach der Sommerpause ihre Beweisaufnahme fort. Am Montag standen zwei Ärztinnen Rede und Antwort.
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Der angeklagte Heinz W. (rechts) mit seinen Verteidigern Dieter Widmann (links) und Professor Klaus Bernsmann Archivfoto: Matthias Hoch
Der angeklagte Heinz W. (rechts) mit seinen Verteidigern Dieter Widmann (links) und Professor Klaus Bernsmann Archivfoto: Matthias Hoch
Am 21. September, wenn der Chefarzt-Prozess voraussichtlich weitergeht, wollen die Richter das erste mutmaßliche Opfer von Heinz W. (50) anhören.
Keine der 13 jungen Frauen, die er zwischen Herbst 2008 und Sommer 2014 sexuell missbraucht haben soll, ist seit Prozessauftakt am 7. April zu Wort gekommen.

Nach dem Plan der Zweiten Strafkammer steht in zwei Wochen jene Frau im Zeugenstand, die mit ihrer Anzeige die Ermittlungen gegen den früheren Leiter der Gefäßchirurgie am Bamberger Klinikum ins Rollen gebracht hat. Am Montag, dem ersten Verhandlungstag nach der Sommerpause, wurde viel über ihren Fall geredet. Selbst durfte sie nur zuhören - wie andere anwesende Nebenklägerinnen auch.

Zwei Ärztinnen beantworteten am 21. Prozesstag im Zeugenstand Fragen der Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Nebenklägervertreter. Besonders ausführlich wurde eine Internistin aus dem Forchheimer Krankenhaus befragt.
Sie hatte am 28. Juli 2014 Spätdienst, als eine ihr unbekannte junge Frau und deren Lebensgefährte vorsprachen und um eine Blutentnahme baten. Es handelte sich um die Kronzeugin im laufenden Verfahren.


Ärztin: kein Hinweis auf Straftat

Die Frau habe geschildert, dass sie sich wenige Stunden vorher von W. für eine angebliche Studie untersuchen ließ. Weil sie danach Erinnerungslücken hatte und ihr schwindelig war, wollte sie ihr Blut auf das Ultraschallkontrastmittel hin untersuchen lassen, das W. ihr gespritzt haben will. Ihr Freund habe K.o.-Tropfen ins Gespräch gebracht.

Die Forchheimer Ärztin lehnte die Blutentnahme aus zwei Gründen ab: Die Frau sei orientiert gewesen; es habe keine medizinische Notwendigkeit gegeben; und es sei für sie keine mögliche Straftat erkennbar gewesen. Sie will die junge Frau ausdrücklich gefragt haben, ob sie glaubt, von W. sexuell missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein. Das habe diese verneint.

Im Beisein des Paares rief die Internistin sogar in Bamberg an. Sie erhielt im Klinikum eine Handynummer von W. und berichtete diesem vom Anliegen ihrer Besucher. Die Auskunft des Chefarztes klang für die Zeugin offenbar plausibel: Er habe ihr Mittel genannt, die er injiziert haben will, und mitgeteilt, dass die junge Frau tatsächlich kurz weggetreten gewesen sei.

Einen Verdacht schöpfte die Internistin bei dem kurzen Telefonat nicht. Nach ihrer Erfahrung kann jedes Medikament, kann schon der Nadelstich einer Spritze zu einer Kreislaufschwäche führen. So erklärte sie sich die geschilderten Symptome.


Vater nahm Blutprobe vor

Dass es dennoch eine Blutprobe der Kronzeugin von jenem Abend gibt, ist deren Vater zu verdanken. Er ist niedergelassener Arzt im Raum Coburg und war seiner Tochter und deren Freund am 28. Juli 2014 nachts entgegengefahren: Auf einem Autobahn-Parkplatz bei Zapfendorf nahm er seiner Tochter Blut ab und ließ es analysieren. Das Ergebnis - man fand Hinweise auf ein Hypnotikum - bildet einen Eckpfeiler der Anklage gegen W.

Der frühere Chefarzt streitet ab, den Nebenklägerinnen sedierende Mittel gespritzt zu haben. Er weist auch von Anfang an jegliche sexuelle Motive zurück. Seine angebliche Studie soll der Suche nach neuen Diagnosemethoden gedient haben.

Bei der zweiten Zeugin handelt es sich um eine Kollegin des Coburger Arztes. Nach dem Vorfall mit seiner Tochter habe er sie ins Vertrauen gezogen und um Rat und Hilfe gebeten, sagte die Ärztin. Und: "Ich fand das hochgradig dubios, was mir berichtet wurde." Für die 44-Jährige lag ein Missbrauch nahe.

Die Arzt-Familie war ihren Worten zufolge dagegen sehr in Sorge, jemanden zu Unrecht zu belasten. Alle seien ihrem Verdacht zunächst nachgegangen, ohne Namen zu nennen.

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