So viele Besucher auf einmal hatte das einstige Waschhäuschen wohl seit Langem nicht mehr. Dienstagabend traf sich der Marktgemeinderat hier zum Ortstermin mit Wera Lorberg, der langjährigen Mieterin des schmucken kleinen Gebäudes. Weil sie und ihr Mann von Burgwindheim an den Chiemsee ziehen, ging es darum, was nun mit dem Häuschen weiter werden soll.
Das Gebäude gehörte ursprünglich zu dem 1904 errichteten Burgwindheimer Bahnhof. Im Waschhaus konnten sich die Reisenden frisch machen. 1961 steuerte der letzte Personenzug Burgwindheim an, 1999 der letzte Güterzug. Die Gleise wurden 2006 abgebaut.

Radweg auf der Bahntrasse


Jetzt verläuft ein Radweg auf der einstigen Bahntrasse. Die kaufte die Gemeinde ebenso wie das Waschhaus und das Lagergebäude des Bahnhofes. Den wiederum erwarb Familie Lorberg vor fünf Jahren. Und seit zwei Jahren hat sie das alte Waschhaus von der Gemeinde gemietet, um es als Gästehaus zu nutzen. "Das kleinste Ferienhaus im Steigerwald", wie Wera Lorberg immer gerne betont.
Es wurde auch viel und gerne gebucht, berichtet sie den Gremiumsmitgliedern, die sich ganz angetan von dem zeigen, was auf nur 24 Quadratmetern alles geboten ist. "Das ist total schön", findet Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU). "Alles was man braucht, ist da", stellt Maria Hollmann (CSU) erstaunt fest: WC, Dusche, Küche, Wohnraum, Bett. "Und wo ist der Fernseher?", hakt Kämmerer Konrad Götz nach. Den gibt es hier nicht, weil die vielen Bäume in der Nähe den Empfang stören, erklärt Wera Lorberg. Jetzt geht es darum, ob die Gemeinde die Inneneinrichtung ablöst. Die könnte sie zwar in einer anderen Ferienwohnung gut verwenden, möchte jedoch nicht alles ausbauen und transportieren müssen. Als Lorbergs das Häuschen von der Gemeinde mieteten, hatte die alles saniert, das Dach neu gedeckt, die Fassade gestrichen, Ver- und Entsorgungsleitungen gelegt und neue Fenster eingebaut. Das gesamte Interieur gestalteten Lorbergs allerdings selbst.
Mit ihrem Umzug an den Chiemsee ist der Verkauf des Bahnhofs verbunden. Nachdem die Familie ihren Wohnsitz verlegt, hat sie logischerweise auch keinen Bedarf mehr für das kleine Gäste- beziehungsweise Ferienhaus gegenüber.
Mit dem möchte die Gemeinde unbedingt an den bisherigen Erfolg als Feriendomizil anknüpfen. Ute Seven (CUW) wollte wissen, ob die Gemeinde nicht auch die Homepage für das Alte Waschhaus mit übernehmen könne, "die ist sehr schön und liebevoll gestaltet". Hier musste Wera Lorberg verneinen. Ebenso wie sie dem Bürgermeister eine Absage erteilte, die eine Reduzierung der von ihr geforderten Ablöse betraf.

Mietvertrag aufgehoben


In nichtöffentlicher Sitzung im Rathaus diskutierte man die Angelegenheit weiter und zu Ende mit dem Resultat, dass wie beantragt der Mietvertrag mit Lorbergs mit diesem August beendet wird und die Gemeinde zudem die Einrichtung ablöst. Ausnahme: die Lampe im kleinen Gärtchen, die ist ein Andenken an den Schwiegervater Wera Lorbergs. Dem Gremium ist daran gelegen, das kleine Häuschen weiterhin mit Leben zu erfüllen, wie es Bürgermeister Thaler formulierte. Deswegen sucht man einen Mieter, der es entweder selbst nutzt oder aber mietet, um es seinerseits an Touristen zu vermieten, kam man überein. Wie bisher will Burgwindheim eine Kaltmiete von monatlich 50 Euro verlangen.