In Viereth und Trunstadt lässt sich gut wohnen. Und die Dorfgemeinschaft ist echt stark. So jedenfalls die überwiegende Meinung der Bürger bei der Auftakt Veranstaltung zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK). Mit bunten Klebepunkten hatten sie die Möglichkeit, die Stärken und Schwächen ihrer Heimatgemeinde zu markieren. Und da wurden eben nicht nur Stärken ans Tageslicht gefördert.

Was etwa die Verkehrsinfrastruktur betrifft, so hat man zwar eine eigene Autobahnausfahrt vor der Haustüre, aber der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) lässt nach Meinung der meisten doch sehr zu wünschen übrig. Nicht viel besser scheint es um die Doppelgemeinde als Wirtschaftsstandort und Tourismusziel bestellt.
Soziale Einrichtungen gibt es einige, wie Kita, Jugendtreff oder Schule und Ärzte vor Ort - worauf man stolz ist und was durchaus positiv bewertet wird.

Doch es dürfte gerne noch mehr sein, vor allem mit Blick auf die wachsende Zahl der Senioren. Nicht nur ein Seniorenzentrum, sondern überhaupt mehr barrierefreie Einrichtungen, das wünscht sich sicher nicht nur die Bürgerin, die das in der Veranstaltung ansprach. "Man muss jetzt mal an die Senioren denken", forderte sie und meinte, dass viele Ältere gerne an diversen Veranstaltungen und damit am sozialen Leben teilhaben würden, "wenn nicht überall Treppen wären". Die Jugend dagegen hätte neben dem positiv bewerten Jugendtreff gerne noch einen öffentlichen Treffpunkt zum zwanglosen Beisammensein und Feiern. Eine Reihe von Stimmen beklagte generell das Fehlen eines Dorfplatzes. Überhaupt besteht beim Ortsbild den im Pfarrsaal in Viereth Anwesenden zufolge noch Verbesserungsbedarf - zumindest in Viereth, während die Trunstadter in dieser Beziehung doch eher zufrieden sind.

Die Herausforderungen an die Städteplaner sind jedenfalls groß, damit - wie Bürgermeister Edwin Mahr (BG/ÜWG) es formulierte - "alle als ,winner' und keiner als ,loser'" aus dem zu erstellenden städtebaulichen Entwicklungskonzept rausgehen soll. Denn nach einigen Jahren Pause will Viereth-Trunstadt mit Mitteln aus der Städtebauförderung wieder in zukunftsweisende Infrastrukturprojekte einsteigen. Nicht nur im baulichen Bereich, wie Mahr betonte, sondern in der gesamten Daseinsvorsorge im Angesicht des demografischen Wandels.
Wie ISEK in Viereth-Trunstadt ablaufen soll, zeigte Claudia Roschlau vom Haßfurter Planungsbüro Baur Consult auf, das das Projekt betreut.

In drei Phasen - Bestandsaufnahme, Formulierung der Ziele und Einbindung der Bürger sowie einer gründlichen Analyse - soll bis zum kommenden Frühjahr das Konzept erstellt werden. Wo schließlich Handlungsbedarf da ist, soll, so Roschlau, eine "schlüssige Auflistung, sortiert nach Prioritäten" zeigen. Als nächster Schritt wird am 20. Juli in Viereth, am 27. Juli in Trunstadt und am 3. August in Weiher und Stückbrunn jeweils eine so genannte Ideenwerkstatt mit Ortsbegehung stattfinden. Dabei setzen Mahr, Roschlau und auch Kreisbaumeisterin Gabriele Pfeff-Schmidt auf eine rege Beteiligung der Bevölkerung. So sollen nicht nur die Vierether in Viereth und die Trunstadter in Trunstadt einen Spaziergang zu den - positiven wie negativen - Brennpunkten ihes Ortes machen. Pfeff-Schmidt forderte explizit dazu auf, sich auch im Nachbarort zu beteiligen. Ein Blick von außen könne vielmehr sehr hilfreich und erfrischend sein.

Die Kreisbaumeisterin rief auch dazu auf, eventuell bestehende Rivalitäten zwischen den Gemeindeteilen außen vor zu lassen. Vielmehr solle man sich des landkreisweiten Alleinstellungsmerkmals eines wohlklingenden Doppelnamens besinnen. Ob es allerdings ganz ohne Eifersüchteleien abgehen wird, ist fraglich. Schließlich war von Vierether Seite schon zu hören, dass Trunstadt von den Städtebauförderung von 1985 bis 1994 einiges abbekommen habe, während in den Folgejahren in Trunstadt - aus verschiedenen Gründen - nur kleinere Projekte in Angriff genommen wurden.