Bamberg
Abriss

Brose-Ansiedlung: Die Eintracht-Gaststätte verschwindet

Bereits im Sommer sollte Schankschluss sein an der Breitenau in Bamberg. Das ehemalige Eintracht-Vereinsheim hatte da eine letzte Galgenfrist bekommen. Ab kommenden Sonntag jedoch sind die Tage der Gaststätte endgültig gezählt, danach sollen die Bagger rollen. Ein letzter Besuch.
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45 Jahre stand die Gaststätte Eintracht an der Memmelsdorfer Straße in Bamberg - nun muss sie der Brose-Ansiedlung weichen und wird abgerissen Foto: Ronald Rinklef
45 Jahre stand die Gaststätte Eintracht an der Memmelsdorfer Straße in Bamberg - nun muss sie der Brose-Ansiedlung weichen und wird abgerissen Foto: Ronald Rinklef
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Der Gastraum ist voll. Es duftet nach Schäuferla, Rouladen und gebratener Entenbrust. Jochen Weisenseel, der seit 2010 die Eintracht-Gaststätte betreibt, laufen die ersten Schweißperlen ob des Andrangs über die Stirn - ähnlich wie die Regentropfen über die Fensterscheiben seiner Wirtschaft.

Es ist Sonntag. Der vorletzte, den die Gaststätte erlebt. Dann ist hier endgültig Schluss. Am 11. Oktober öffnet das ehemalige Vereinsheim des TSV Eintracht Bamberg nach 45 Jahren zum letzten Mal.

Das Gebäude muss der Brose-Ansiedlung weichen: Der Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Coburg ist mit seinem Bau an der Breitenau hinter der Gaststätte bereits weit vorangeschritten. Am 15.
Oktober endet die Nutzungsvereinbarung zwischen dem Eigentümer, der Firma Brose, und Wirt Weisenseel.

Der Abriss ist besiegelt, und die Gäste werden künftig eine andere Sonntagsbeschäftigung suchen müssen. Auch Sieglinde Trammer und Renate Richter. Die beiden Damen fahren jeden Sonntag mit dem Bus von Bamberg-Ost zur Memmelsdorfer Straße. Um 11.30 Uhr nehmen sie im Gastraum Platz auf dem Sofa am Fenster, essen rasch, denn um 12.59 Uhr fährt ihr Bus zurück.

Was machen sie, wenn die Gaststätte nicht mehr ist? Schulterzucken. Ihre Möglichkeiten sind beschränkt: "Wir müssen ja mit dem Bus hinkommen", sagt Renate Richter. Judith Brand, die mit am Tisch sitzt, findet, dass die Gaststätte einmalig war: "Es ist kinderfreundlich hier, es kamen deshalb auch viele junge Familien."


Suche nach Ersatz in Bamberg schwierig

Ein paar Tische weiter warten die Ehepaare Düthorn aus der Gartenstadt und Gramß aus Kramersfeld auf ihre Bestellung. Sie waren früher zum Tanz in der Gaststätte, jetzt gehen sie zum Essen dorthin. Auch sie überlegen bereits, was sie künftig an den Sonntagen machen. "Es war ein sozialer Treffpunkt", findet Wirt Weisenseel. Hier wurde gekartelt und Bier getrunken. Diese Anlaufstelle gehe der Gartenstadt ohne Ersatz verloren, fürchtet er. Damit meint er auch den großen Saal der Gaststätte, der an diesem regnerischen Sonntag ebenfalls gut gefüllt ist. Hier fanden Familienfeiern, Vereinstreffen und mehr statt. Vergleichbares gebe es kaum.

Georg Weber war beim Aufbau des Gebäudes dabei. Die Mitglieder des TSV Eintracht, den es seit der Fusion mit dem 1. FC Bamberg nicht mehr gibt, hatten am Vereinsheim Anfang der 70er Jahre mitgebaut. Weber ist alter Eintrachtler und regt sich auf: Aus seiner Sicht werde die Gaststätte unnötigerweise zu früh abgerissen.

"Warum konnte man das Gebäude nicht noch stehen lassen?", fragt sich Weber. Sollte es nur darum gehen, einen Schandfleck bis zur Eröffnung des Brose-Geländes zu entfernen, fände er das arrogant, wie er sagt. Beim Coburger Automobilzulieferer heißt es: Die Nutzungsvereinbarung sei in der Vergangenheit bereits zweimal verlängert worden. "Der Abriss des Gebäudes muss jetzt erfolgen, um die Gestaltung der Außenanlage des Neubaus termingerecht abschließen zu können", teilt Brose-Sprecher Peter Lehnert per Mail. Bis Ende des Jahres soll der Bau fertig sein - und die Gaststätte weg.

Die letzte Runde ist eingeläutet: Am kommenden Sonntag wird es noch einmal im Gastraum nach leckeren fränkischen Spezialitäten duften, Renate Richter und Sieglinde Trammer werden wieder mit dem Bus in die Memmelsdorfer Straße kommen. Danach werden die Bagger anrollen.
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