Bamberg

Bleibt das Dientzenhofer-Gymnasium in Bamberg?

Der Sanierungsstau in drei Gymnasien stellt die Region vor eine Mammutaufgabe - und wirft vor allem für das Dientzenhofer-Gymnasium die Standortfrage auf.
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Sanierungskosten im hohen zweistelligen Millionenbereich stehen für drei Bamberger Gymnasien im Raum. Eines davon ist das Mitte der 60er-Jahre gebaute Dientzenhofer-Gymnasium.  Foto: Rinklef
Sanierungskosten im hohen zweistelligen Millionenbereich stehen für drei Bamberger Gymnasien im Raum. Eines davon ist das Mitte der 60er-Jahre gebaute Dientzenhofer-Gymnasium. Foto: Rinklef
Undichte Dächer, blind gewordene Fenster und Toiletten, in denen sich seit 50 Jahren wenig verändert hat. Die Liste der Baumängel im Bamberger Dientzenhofer-Gymnasium (DG) wird immer länger, die Ungeduld der Lehrer und Eltern wächst. "Wir wollen endlich eine Entscheidung. Die Politik muss Nägel mit Köpfen machen", sagt Brigitte Cleary.

Was die Schulleiterin beklagt, ist seit Jahren bekannt. Auch eine Studie hat den Sanierungsstau im DG nachgewiesen. Dennoch ist die Zukunft der traditionsreichen Bildungseinrichtung offen: Kommt es zur Sanierung im Bestand? Wird es einen Neubau geben? Oder gar eine Verlagerung in den Landkreis?


OB Starke: Keine Denkverbote

"Wir wollen ergebnisoffen und ohne Denkverbote prüfen, welches die beste Lösung ist." Das sagt der derzeitige Vorsitzende des Zweckverbands für die Bamberger Gymnasien, Oberbürgermeister Andreas Starke
(SPD). Was im ersten Moment selbstverständlich klingt, lässt dennoch aufhorchen: Starke bekennt damit Bereitschaft, auch einer Verlagerung des Dientzenhofer Gymnasiums in den Landkreis zuzustimmen, sollte sie sich als sinnvoll herausstellen. Bamberg hätte dann nur noch acht Gymnasien, die Stadt verlöre einen Teil ihrer Zentralität. Auch die möglichen Gewinner einer Verlagerung des DG werden in politischen Kreisen schon genannt: Es könnten Hallstadt, Hirschaid, Burgebrach, Scheßlitz oder Breitengüßbach sein.

Doch der Weg dorthin ist weit: Ein Jahr vor dem voraussichtlichen Ende der Sanierung des Clavius-Gymnasiums, steht fest, dass es ein Dreifachmarathon wird, vor dem der Zweckverband Gymnasien steht. Neben dem DG gelten mittlerweile auch das Kaiser-Heinrich-Gymnasium (KHG) und das Eichendorff-Gymnasium als Sanierungsfall. Schulbürgermeister Christian Lange (CSU) mahnt deshalb ein abgestimmtes Konzept für die gesamte Bamberger Gymnasiallandschaft an. Eine Mammutaufgabe: "Wir sind daran interessiert, im Interesse der Schüler und Lehrer die Schulen möglichst schnell in einen guten und modernen Zustand zu versetzen."

Klar ist freilich auch: Die Kosten der im Raum stehenden Schulhausprojekte sind hoch - zu hoch, um schnelle Linderung für alle drei Kandidaten zu in Aussicht zu stellen. Schon wird über Summen von 70 Millionen Euro und mehr spekuliert und darüber, ob Neubauten nicht besser und günstiger wären.

Eng verknüpft damit ist die Frage, die bereits vor der 30 Millionen teueren Sanierungsentscheidung für das Clavius-Gymnasium heftige Wellen auslöste: Wenn sich ein Neubau als sinnvoll erweist, wo soll dieser dann stehen? Dazu muss man wissen, dass die Mehrheit der Schüler der Bamberger Gymnasien aus dem Landkreis kommt. Beim "Dientzenhofer" sind es von 1000 Schülern knapp 700, die vor allem aus dem östlichen Landkreis stammen. Dieses Schülerverhältnis spiegelt sich auch im Zweckverband wider, wo der Landkreis etwa zwei Drittel der Sitze hält und folglich den Löwenanteil der Kosten für den Sachaufwand trägt.

Wolfgang Möhrlein, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Kreistag, Bürgermeister in Litzendorf, verhehlt nicht, dass es Stimmen im Landkreis gibt, die eine Ansiedlung des DG im Landkreis angesichts dieser Zahlen für zwingend geboten halten. Auch die CSU würde es begrüßen, "wenn die Schule im Landkreis stehen würde" - allerdings plädiert Möhrlein dafür, die Grundsatzentscheidung von der Wirtschaftlichkeit abhängig zu machen. Erst müsse man sehen, ob ein Neubau oder eine Sanierung günstiger sei, dann könne man über den Standort nachdenken.


SPD: Keine Prestigefrage

Ähnlich sieht es auch die Landkreis-SPD. Fraktionschef Jonas Merzbacher, Bürgermeister in Gundelsheim, rät davon ab, den Neubau einer Schule zur Prestigeangelegenheit zu machen. Es gehe um ein Gesamtpaket.
Welche Lösung ist die beste für die Schule? Brigitte Cleary zögert nicht: "Es ist uns völlig gleichgültig, ob Neubau oder Sanierung. Nur sollte die Entscheidung fallen, ehe uns das Dach über dem Kopf einstürzt", sagt die Chefin von rund 130 Mitarbeitern, die die Mängel der Gebäudehülle derzeit noch mit großer Motivation zu kompensieren verstehen. Sie weiß auch, dass die Verlagerung eines Gymnasiums eine Aufgabe ist, die weit über den Neubau eines Gebäudes hinausgeht. Dafür sind komplexe strukturelle Fragen zu beantworten wie die nach dem Bedarf für die vorhandenen Schulzweige oder der Schülerbeförderung. Am alten Standort in Bamberg stellen sich diese Herausforderungen nicht.

Als so genannter Personalaufwandsträger hat auch der Freistaat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Wie Sprecher Andreas Ofenbeck mitteilt, geht es vor allem um das Schülerpotenzial am neuen Standort. Es soll dauerhaft einen mindestens dreizügigen Betrieb gewährleisten. Wichtig auch: Bestehende Gymnasien im Umkreis dürfen nicht beeinträchtigt werden.

Wie denkt der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU)? "Solange keine genauen Zahlen über die Kosten vorliegen, ist alles noch Spekulation", sagt der Landkreis-Chef. Auch wegen der noch bestehenden Unklarheit in Sachen G 8 und G 9 plädiert er dafür, die Fragen der Reihe nach abzuarbeiten. Freilich: Auch Johann Kalb sieht keinen Grund, weshalb ein Gymnasium nicht auch im Landkreis stehen könnte. Es müsse möglich sein, die Schulen zu den Schülern zubringen, sagt er.

Ungewöhnlich wäre das nicht. Der Landkreis Bamberg ist einer der wenigen in Bayern, der über kein eigenes Gymnasium verfügt.
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