Bamberg
Bierstudie

Bier als sozialer Klebstoff

Am Lehrstuhl Geographie der Universität Bamberg wurde die Bedeutung der Bamberger Brauereien und des Bamberger Bieres erforscht.
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Freude bei den Studierenden Dennis Flach, David Konietzny, Tina Höller, Lorenz Lütke (von links) über Landkreisbier von Landrat Johann Kalb  Foto: Evi Seeger
Freude bei den Studierenden Dennis Flach, David Konietzny, Tina Höller, Lorenz Lütke (von links) über Landkreisbier von Landrat Johann Kalb Foto: Evi Seeger
Frensdorf/Bamberg Gewusst haben wir es eigentlich schon immer! Aber wer dächte an einem warmen Sommerabend bei einer kühlen Maß auf einem Bierkeller schon daran: dass Stadt und Landkreis Bamberg eine weltweit einzigartige Bierkultur besitzen, dass diese Bierkultur schutzwürdig ist, dass man sie pflegen und erhalten muss. Das alles liegt jetzt schwarz auf weiß und wissenschaftlich belegt vor.

Denn ohne diese Bierlandschaft würde der Region etwas ganz Typisches fehlen. Das geht aus der Studie hervor, die Professor Marc Redepenning und Sebastian Scholl vom Lehrstuhl Geographie der Uni Bamberg mit Studenten und in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises erstellt haben. Zeitlich genau richtig, denn in diesem Jahr werden "500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot" gefeiert. Wobei Bamberg als "wahre Bierstadt" für sich in Anspruch nimmt, schon 27 Jahre früher, nämlich 1489 durch Fürstbischof Heinrich III. das Gebot erhalten zu haben, nur Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen zu verwenden.


Kleinteilige Bierlandschaft

Zur Vorstellung der Studie hatte Landrat Hans Kalb in das Bauernmuseum in Frensdorf, eingeladen. "So a Studie hätt" ich a gern gemacht!" Den Worten des Landrats würden sicher viele Freunde des Gerstensafts zustimmen. Der Landkreis habe ein großes Interesse daran, dass die kleinteilige Bierlandschaft auch in Zukunft erhalten bleibe.

Unter den Zuhörern waren zahlreiche "Insider" rund um das Brauereiwesen, zudem Bürgermeister, Kreisheimatpfleger und Vertreter der Tourismusverbände. Mit rund 70 Brauereien habe die Region Bamberg die größte Brauereidichte weltweit. Welche Bedeutung er der Braukunst beimisst, hatte der Landkreischef bereits mit einem eigenen Landkreisbier "36 Kreisla" deutlich gemacht.

Marc Redepenning und Sebastian Scholl erläuterten Ziele und wissenschaftlichen Ansatz der Studie: Schwerpunkte waren einerseits Untersuchungen über die soziokulturelle, ortsbezogene Bedeutung der traditionellen Bierkeller. Andererseits wurden die Strukturen der ansässigen Brauereien analysiert.

Die Ergebnisse der Studie stellten Tina Höller, Dennis Flach, David Konietzny und Lorenz Lütke, allesamt Studierende aus dem Masterstudiengang Sozial- und Bevölkerungsgeographie vor. Sie hatten dazu mehr als 700 Gäste auf zwölf Bierkellern und mehr als 60 Brauereien befragt. Die Resonanz war fantastisch: Mehr als 80 Prozent aller Brauereien hätten sich beteiligt, stellte Scholl begeistert fest. Anhand der Untersuchungen machte Lorenz Lütke deutlich, dass bei den Besuchern der Bierkeller die Männer in der Überzahl sind. Für die Mehrzahl der Gäste sei die Atmosphäre auf dem Keller wesentlich ausschlaggebender als die Bierauswahl.

Große Ausgaben seien damit nicht verbunden: 46 Prozent der Besucher geben nur zwischen fünf und zehn Euro aus. Für mehr als 73 Prozent der Befragten ginge mit der Schließung des Bierkellers ein Stück Identität der Stadt, des Dorfes, der Region verloren.

Dennis Flach berichtete über die Betriebsstrukturen, die Produktion und den Ausstoß der Brauereien. Die meisten der untersuchten Brauereien hätten einen Ausstoß von weniger als 3000 Hektoliter im Jahr.

Die absatzstärksten Biersorten seien mit über 18 Prozent Pils, gefolgt von Lager mit 12,4 Prozent. Nahezu die Hälfte des Absatzes finde "vor Ort" statt. Nur ganz wenige Brauereien würden ihr Bier bundesweit oder gar international verkaufen.

Über die "kleinbetrieblichen Strukturen" in der Bierlandschaft berichtete David Konietzny. Demnach beschäftigen 92 Prozent der Brauereien weniger als 50 Mitarbeiter. Die Beschäftigten würden vorrangig aus dem Ort oder der eigenen Gemeinde kommen.

Somit zeichnen sich die Brauereien als wohnortnahe Arbeitgeber aus. Bei der Berufswahl nähmen Familientradition und Leidenschaft für das Brauhandwerk die wichtigste Rolle ein.
Die Vernetzung der Brauereien untereinander war das Aufgabengebiet von Tina Höller. "Das Gesamtnetzwerk ist nur gering verdichtet", so ihr Resultat. Wobei das Netzwerk der freundschaftlichen Beziehungen wesentlich stärker sei als das der Geschäftsbeziehungen.


Soziale Treffpunkte

Handlungsstrategien, die der Bierkultur zugute kommen, empfahl am Ende Sebastian Scholl. Um die Vielfalt der fränkischen Bierlandschaft zu bewahren, brauche es ein neues Bewusstsein. Ernst zu nehmen sei, dass die Bierkeller nicht nur dem Konsum dienen, sondern soziale Treffpunkte sind.

Vor einer "Übersteuerung in touristischer Nutzung" warnte Scholl. Hingegen sei der Fokus auf "Handwerklichkeit" und regionale Einzigartigkeit zu legen. Familienstrukturen müssten unterstützt und wenn nötig, neue Möglichkeiten der Nachfolge gefunden werden.

Für Thomas Reichert vom Sachgebiet Wirtschaftsförderung im Landratsamt ist die Studie ein guter Wegweiser, "wie wir die Brauereien und Bierkeller an die Hand nehmen können".

Die Studie zum Download steht im Internet unter www.landkreis-bamberg.de/Tourismus-Freizeit/Genussregion-Bamberg/Bierkultur bereit.

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